Die Lehre „importiert“

Prof. Anton Zeilinger mit seinem chinesischen Forschungspartner und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner starten in ein neues "Quanten-Zeitalter."  
Prof. Anton Zeilinger mit seinem chinesischen Forschungspartner und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner starten in ein neues "Quanten-Zeitalter."  

China als Chance für Österreichs Wirtschaft. Alpla mit dualer Ausbildung erfolgreich.

Schanghai. Die Hoffnungen sind groß, aber die österreichischen Unternehmen, die sich in China niedergelassen haben, zeigen, dass sich das Engagement lohnt. Die Volksrepublik China ist nach wie vor ein Markt, der Potenzial nach oben hat, obwohl sich die Konjunktur verlangsamt hat. Immerhin sieben Prozent wächst die Wirtschaft auch 2014.

Chengdu ist die am schnellsten wachsende Stadt der Welt. 14 Millionen Einwohner zählt die Stadt derzeit. Für einen Teil der österreichischen Delegation Anlass zu einem Besuch der dort stattfindenden EU-China Business & Technology Fair, bei der Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl einen Schulterschluss zwischen China und Europa forderte, um die globale Finanzwirtschaft wieder in den Griff zu bekommen und der produzierenden Wirtschaft wieder eine dominantere Rolle einzuräumen. Den Besuch nutzte er auch, um die Vorzüge der dualen Ausbildung aufzuzeigen. Das tun in Schanghai bereits die Firmen Engel Maschinenbau und die Vorarlberger Firma Alpla, die im vergangenen Jahr eine Lehrausbildung nach österreichischem Muster gestartet haben und damit große Beachtung bei Jugendlichen wie auch chinesischen Betrieben fanden. Der Verantwortliche des Projektes bei Alpla, Julian Fessler, präsentiert heute in Schanghai die Fortschritte des Projektes der österreichischen Delegation. In Chengdu und Schanghai vor Ort ist die Lauteracher Spedition Gebrüder Weiss, die in ganz China als Weiss Rohlig China Ltd. erfolgreich tätig ist. Auch andere Vorarlberger Unternehmen wie die Harder Kunststoffspezialisten Faigle oder die Kommunikationsagentur Montfort Werbung und Blum (die VN berichteten gestern) sind im Großraum Schanghai mit Niederlassungen vertreten.

„Arbeitsplätze absichern“

Das größte österreichische Investment ist der im steirischen Leoben heimische Leiterplattenhersteller AT&S, der in China rund 4600 Mitarbeiter beschäftigt. Für
den Aufsichtsratsvorsitzenden Hannes Androsch das richtige Investment zur richtigen Zeit, gerade wird in Chomgqing ein neues Werk errichtet, das im Jahr 2016 in Vollbetrieb geht und dann 1100 Mitarbeiter beschäftigen wird. „Die Arbeitsplätze werden nicht in Österreich eingespart, im Gegenteil, damit werden Arbeitsplätze in Österreich geschaffen und abgesichert“, so Androsch im Gespräch mit den VN.

Vizekanzler, Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zeigte sich beeindruckt und will mit seiner Reise weitere Unternehmen dazu bewegen, den chinesischen Markt – im Export wie auch mit Niederlassungen – „zu erobern“. Der Empfang durch das offizielle China war sehr positiv, resümiert er. Unterstrichen wurde dieses Interesse einerseits durch zahlreiche Gespräche mit wichtigen Politikern und andererseits durch zahlreiche Verträge, die sowohl zwischen Firmen als auch zwischen Universitäten und wissenschaftlichen Instituten abgeschlossen wurden. International und wissenschaftlich die wichtigste Zusammenarbeit gibt es zwischen der Uni Wien und dem Chinese Center for Excellence in Quantum Information and Quantum Physics, die nichts anderes zum Ziel hat, als die weltweite Datenübertragung zu revolutionieren.

„Abhörsicher kommunizieren“

Er sei sich sicher, dass die NSA das Projekt genau beobachte, sagt Österreichs Wissenschafts-Star Prof. Anton Zeilinger von der Universität Wien über die Kooperation mit den chinesischen Kollegen. Ziel ist es, Telefone abhörsicher und digitale Informationen „unknackbar“ zu machen, um den Nutzen einer für die meisten Menschen sehr abstrakten Wissenschaft, nämlich der Quantenphysik, zu erklären. Erstmals gelang dem aus österreichischen und chinesischen Physikern bestehenden Team eine Teilchenübertragung, bei der die Sende- und die Empfangsstation von zwei unterschiedlichen Ländern gebaut wurden. Nämlich von Österreich und von China.

Bisher funktioniert diese Technik nur via Glaskabel und nur über kurze Strecken bis höchstens 150 Kilometer. China und Österreich starten nun den Versuch über lange Distanzen: Im Jahr 2016 soll der erste Quantensatellit in den Orbit gesetzt werden. Dann sollte das weltweite „beamen“ elektromagnetischer Teilchen möglich sein. Irgendwann wird – so lautet Zeilingers Vision – die Telekommunikation auf dem Prinzip der Teilchenübertragung basieren. „In 40 bis 50 Jahren wird die Informationstechnologie eine ganz andere sein als heute“, prophezeit Zeilinger.

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