Wohnbau: Es geht günstiger

Das Projekt, das sich „Riva“ nennt, geht nun an den Start. Benchmark ist ein Niedrigenergiehaus mit neun bis 12 Einheiten.
Das Projekt, das sich „Riva“ nennt, geht nun an den Start. Benchmark ist ein Niedrigenergiehaus mit neun bis 12 Einheiten.

Unkenrufen aus der Branche zum Trotz: Hefel und Baumschlager präsentieren neues Wohnbaukonzept.

Lauterach. (VN-sca) Die Idee ließ Wilfried Hefel nicht los. Der Lauteracher Bauunternehmer nahm die Veränderungen am Markt schon früh war und suchte nach einer Idee, wie Wohnen auch für junge Menschen wieder leistbar wird. „Wir haben bei Hefel Wohnbau eine sehr gute Klientel, aber der Alterschnitt stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an, zuletzt auf rund 48 Jahre“. berichtet der Baumeister. Und ihm und seiner Mannschaft war klar: Was nottut, sind neue Konzepte und ein Umdenken aller Beteiligten. Was logisch klingt, ist nicht einfach. Dafür braucht es frischen Wind, Ideen von jemandem, der „die weite Welt kennt“, in anderen Länder gearbeitet hat. Gefunden hat Hefel ihn in der Nachbarschaft: Der Lauteracher Architektur-Prof. Carlo Baumschlager hat Projekte in Asien und Europa realisiert, kennt Ansprüche und Bausitten in China wie in Belgien, in Holland und in der Schweiz.

30 Prozent Einsparung

Entscheidende Frage: Wie gelingt es, im privaten Wohnbau Kosten zu senken, und trotzdem den hohen Anforderungen an Gebäude- und Architekturqualität gerecht zu werden? Die Vorgabe war ambitioniert: Die Planungs- und Errichtungskosten sollen mit rund 30 Prozent Einsparung erheblich unterschritten werden. Bei derzeitigen Bauerrichtungskosten von rund 2400 Euro pro m2 heißt das, dass der Zielkostenpreis bei nur mehr 1700 Euro liegen darf (Bruttokosten, ohne Grundstück). Baumeister Wilfried Hefel und Arch.-Prof. Carlo Baumschlager haben die ­Herausforderung angenommen, nun geht das Projekt, das sich „Riva“ nennt, an den Start: „Wer aber konsequent an der Kostenschraube drehen will, der kommt nicht umhin, festgefahrene Strukturen aufzubrechen.“ Über ein Jahr hat sich deshalb ein unabhängiges Expertenteam, angeleitet von Baumschlager, mit dieser Aufgabe beschäftigt. Benchmark für das „Referenzprojekt RIVA“ ist ein Niedrigenergiehaus mit neun bis zwölf Einheiten, die geeignete Grundstücksgröße liegt bei rund 1200 Quadratmeter.

Von Standards lösen

Untersucht wurden Vorfertigungs- und Systematisierungsgrade, verschiedene Tragkonstruktionen und Bodenaufbauten, Energieeffizienzanforderungen ebenso wie damit verbundene Richtlinien, Normen und Vorgaben. „Wer aber penetrant beim jeweils anderen nach Einsparpotenzial sucht“, so Baumschlager, verschließe sich der Realität. „Wir müssen uns von gängigen Standards lösen und veranschaulichen, dass Fläche kostet. Die gewachsenen Ansprüche ans Wohnen sind langfristig nicht mehr finanzierbar.“

Dass gerade junge Menschen beim Wohnungskauf immer öfter resignieren, erklärt sich für Pascal Kohlhaupt, der für die Vermarktung der Wohnungen zuständig ist, ganz wesentlich über den Finanzierungsfaktor. Galoppierende Baukosten und die viel zitierte Grundstücksbevorratung sind insofern auch nur ein Teil der Wahrheit: „Vor etlichen Jahren war es ausreichend, wenn ein Kaufinteressent der Bank gegenüber 10 Prozent Eigenmittel nachweisen konnte. Heute müssen es rund 30 Prozent sein. Über diese finanziellen Mittel verfügen nur wenige.“ Für das Projektteam war es daher eine logische Folge, auch über neue Finanzierungswege nachzudenken. Mit der Konsequenz, dass die ersten Riva-Projekte als Mietkaufwohnungen konzipiert sind.

Gekauft werden kann übrigens erst, wenn die Wohnungen fertig sind: Damit entfallen hohe Kosten, die dem Bauträger in der Bauphase entstehen. Vormerken lassen kann man sich ab sofort.

Gewachsene Ansprüche sind langfristig nicht finanzierbar.

Carlo Baumschlager

Der Vorarlberg-Haus-
Architekturwettbewerb

Das Riva-Modell von Wilfried Hefel und Carlo Baumschlager kommt den Intentionen des von Arbeiterkammer und Vorarlberger Nachrichten ausgelobten Architekturpreises schon richtig nah. Bei dem mit 20.000 Euro dotierten Wettbewerb werden nämlich Einfamilienhäuser und Wohnungen in verdichteter Bauweise, die nicht teurer als 250.000 Euro sind und dennoch hohen Ansprüchen an Gestaltung, Technik und Energieeffizienz gerecht werden, gesucht. Die besten Beispiele werden in einer Ausstellung und in einem VN-Extra präsentiert. Wenn möglich, werden die Siegerprojekte auch gebaut.

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