Kommentar

Andreas Scalet

Der Unterschied ist gar nicht klein

Bislang war klar: Als Friseurin und Verkäuferin kann man einfach nicht so gut verdienen wie als Ingenieurin oder Betriebswirtin. Wo aber gleiche Arbeit geleistet werde, versichern Interessenvertreter und Politiker gebetsmühlenhaft, da werde auch gleich viel bezahlt, egal ob die nun von Mann oder Frau geleistet wird.

 

Seit Dienstag haben wir es aber schwarz auf weiß: Auch wenn Mädchen nun mehr technische Berufe lernen, sprichwörtlich ihren Mann stellen in vielen Unternehmen und in der Verwaltung brillieren – honoriert wird das nicht. Nicht einmal auf jener Ebene, in der man das am ehesten vermuten würde. Auch die öffentlichen Arbeitgeber zeigen Ignoranz. Die Herrschaften in den Amtsstuben, die das Binnen-I zum Standard erhoben, glaubten wohl, damit der Gleichbehandlung Genüge getan zu haben. In den Lohnbüros jedenfalls hat sich nichts getan: Frauen verdienen in der öffentlichen Verwaltung – also in jenem Bereich, wo die PolitikerInnen, die nun wieder fleißig Forderungen stellen, tatsächlich Einfluss haben – deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Ganz zu schweigen davon, dass die Spitzenjobs fest in der Hand der Herren sind.

 

Mag sein, dass sich Frauen einfach nicht laut genug melden, wenn sie ungerecht behandelt werden. Sicher ist aber, dass die Entscheider nicht richtig hören, wenn auf die Unterschiede hingewiesen wird. In Vorarlberg scheint diese Hörschwäche ausgeprägter zu sein als in anderen Bundesländern. Der Einkommensunterschied ist bei uns am größten und das hat sich trotz der vielen Gleichbehandlungsberichte, die Jahr für Jahr veröffentlicht werden, in keiner Weise geändert.

 

Für Unternehmen bietet die Schieflage freilich auch Chancen: Wer nämlich die gut ausgebildeten Frauen so bezahlt, wie es sich gehört – nämlich auf Augenhöhe mit den männlichen Fachkräften – wird auch der attraktivere Arbeitgeber sein. Ein echter Wettbewerbsvorteil, der auch den Druck und damit die Löhne erhöht. Angebot und Nachfrage gelten schließlich auch am Arbeitsmarkt und das müssen die Frauen unbedingt nützen.

Unbedingt Handlungsbedarf besteht auch im Land. Statt Aufrufen und politischem Geplänkel braucht es echte Maßnahmen, die sich echt im Geldbeutel der Frauen bemerkbar machen. Es ist ja Brauch in Vorarlberg, dass man in allen Bereichen Klassenbester ist: Warum soll das bei der Gleichbehandlung nicht klappen?

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.