im Gespräch. Helmut Gunz (54), GF Gunz Warenhandels GmbH

„Es braucht Bauchgefühl und Hausverstand“

Helmut Gunz hat immer seinem Bauchgefühl und dem Hausverstand vertraut. „Von Marktforschung habe ich nie etwas gehalten.“ Fotos: VN/Hofmeister
Helmut Gunz hat immer seinem Bauchgefühl und dem Hausverstand vertraut. „Von Marktforschung habe ich nie etwas gehalten.“ Fotos: VN/Hofmeister

mäder. Helmut Gunz hat vor 27 Jahren sein Unternehmen gegründet und seither einen wahren Erfolgslauf hingelegt. Nun räumt er mit Jahresende den Chefsessel und sucht neue berufliche Herausforderungen. Ein Gespräch über Erfolgsfaktoren, wieso man Marktforschungen nicht trauen sollte und wie es ist, nach so langer Zeit im Betrieb emotional loszulassen.

Zu Beginn haben Sie den österreichischen Handel mit ausländischer Ware beliefert. Mit der EU-Marktöffnung mussten Sie den Plan verwerfen.

Gunz: Ich habe mit 27 Jahren vor 27 Jahren die Firma gegründet zur Belieferung des österreichischen Handels. Damals gab es keine Handelskette, die keine Produkte von uns im Sortiment hatte. Es gab Firmen wie Hausberger, Konsum oder Julius Meinl, die es heute alle nicht mehr gibt bei uns. Dann kam die EU und mein Bruder ist in die Firma eingestiegen. Wir haben angefangen zu exportieren. An Sonderposten- und Baumärkte oder Möbelhäuser. Anfangs mit Schokolade und Keksen, heute haben wir alles im Sortiment.

War der weltweite Erfolg Ihres Unternehmens zu Beginn überhaupt abschätzbar?

Gunz: Nein, das war sicher überraschend. Wir haben mit der Zeit immer mehr ­Sortiment aufgebaut. Es haben sich Nischen aufgetan und wir sind hineingegangen. Ein Erfolgsfaktor ist sicher, dass wir auch spezialisiert sind auf kleinere Kunden. Wenn jemand Importeur in einem kleinen Land ist und aus Italien einen Container Pasta kaufen muss, das ist zu viel. Bei uns kann er einen Container mischen und nimmt 20 Karton Kekse, eine Palette Tomatensauce und eine Palette Nudeln. Es gibt nichts Vergleichbares in Europa.

Gestartet haben Sie mit einem Sortiment an Markenartikel europäischer Hersteller. Heute tragen die Eigenmarken den Erfolg. Was waren die Gründe für diese Umstellung?

gunz: Angefangen haben wir mit Produkten bekannter Hersteller. Wenn diese erfolgreich waren, hat man direkt bei diesen bestellt. Mittlerweile haben wir 1300 Produkte, die allesamt unter unseren Marken verkauft werden. Das ist ein Erfolgsfaktor. Denn dadurch sind wir und unsere Kunden nicht vergleichbar. Zudem haben wir die Sicherheit, dass sie nicht direkt zum Hersteller gehen.

Sie sind besonders in Krisenländern wie Spanien, Portugal oder Zypern stark unterwegs. Wieso hat Sie die Krise in den Ländern nicht getroffen?

gunz: Die Krise war für uns immer positiv, weil wir ein Nischenplayer sind. In den genannten Ländern sind die Einkäufer und Handelsketten gezwungen, neue Produkte und Sortimente zu finden. Das können sie bei uns. Dadurch haben wir immer einen Aufschwung. Der Konsument hat auch einfach nicht mehr so viel Geld.

Wenn man die Geschichte von Gunz ansieht, ging es mit Ausnahme von 2004 und 2009 stark bergauf. Man hat das Gefühl, Gunz Lebensmittel sind keine Grenzen gesetzt. Oder wo sehen Sie den Plafond?

gunz: Den sehe ich nicht. Wir haben im Moment ein Wachstum von 18 Prozent. Im Jahr 2020 rechnen wir mit 200 Millionen Euro Umsatz. Und mit den Lagern in Mäder und Magdeburg haben wir die Basis dafür geschaffen.

Heuer soll die 100-Millionen-Umsatzmarke überschritten werden. Was sind die stärksten Wachstumstreiber?

gunz: Die Welt ist groß. Amerika ist erst am Anfang. Der größte Wachstumsmarkt ist aber Asien. Auch Nordafrika ist ein boomender Markt.

Gibt es für einzelne Länder auch unterschiedliche Produkte?

gunz: Nein, wir haben keine speziellen Produkte für die jeweiligen Länder. Auch von Marktforschung habe ich nie etwas gehalten. Letztlich braucht es Bauchgefühl und einen gesunden Hausverstand.

Sie scheiden mit Jahresende als Geschäftsführer aus. An Ihre Stelle treten die Kinder Ihres Bruders. Wie läuft ein solcher Prozess ab?

gunz: Die Kinder sind schon jahrelang im Betrieb und seither mit mir unterwegs gewesen. Ich habe allerdings nicht geplant, mit 54 auszusteigen. Aber ich habe mir dann überlegt, die Kinder sind fit, ich könnte eigentlich meinen Platz frei machen. Und mit 64 bin ich dann wirklich Pensionist, mit 54 kann ich noch etwas anderes machen. Ich werde sicher noch etwas tun, allerdings weiß ich heute noch nicht, was. Ich bin hier am Abschließen, dann mache ich zuerst Urlaub und irgendwas fällt mir bestimmt ein. Nichts machen, das kann ich nicht.

Der Unternehmensdurst ist also noch nicht gestillt?

gunz: Nein, nicht so, dass ich sage: „Ich habe genug von der Arbeit.“ Ich gehe nicht im Streit und auch nicht wegen Krankheit. Ich komme jeden Tag gerne ins Geschäft und es macht mir Freude. Ich lasse nun alles auf mich zukommen. Rational ist es richtig, aber emotional natürlich extrem schwierig. Wenn man ein Unternehmen aufbaut, steckt sehr viel Herzblut drin. Aber ich kann loslassen.

Wir haben einen Kunden in Gambia, der kauft alle zwei Monate einen gemischten Container bei uns.

Zur Person

Helmut Gunz

Geschäftsführer der Gunz Warenhandels GmbH mit Sitz in Mäder. Zuständig für den Bereich Einkauf. Bruder Werner verantwortet den Verkauf. Zum Jahresende übergibt er die Geschäftsführung an seinen Bruder.

Geboren: 23. 6. 1959

Ausbildung: Handelsschule (abgebrochen), Lehre bei Lebensmitteleinzelhändler Riedmann in Altach

Laufbahn: 3 Jahre bei Meisterbäcker Ölz, 3 Jahre bei Suchard im Außendienst für Mirabell, 1986 Start in die Selbstständigkeit

Familie: verheiratet, 2 Kinder (Christine und Michael), 2 Enkelkinder

Vom Importeur zum
erfolgreichen Exporteur

Die Gunz Warenhandels GmbH sticht ihre Konkurrenz durch Aktionsschnelligkeit und Produktvielfalt aus.

Im Jahr 1986 gründete Helmut Gunz das Unternehmen mit dem Gedanken, ausländische Produkte nach Österreich zu importieren. Heute exportiert Gunz Produkte von 160 Produzenten weltweit. Dabei werden die Waren, die allesamt mindestens fünf Monate haltbar sind, auch in exotische Länder wie Aruba, Turkmenistan oder die Mongolei geliefert. „Alle Fabrikanten kenne ich persönlich“, weiß der Geschäftsführer um die Vorteile des persönlichen Kontakts. Zu Spitzenzeiten brachte Gunz bis zu 450 Produkte im Jahr auf den Markt.

Die Aufgaben im Betrieb waren stets klar aufgeteilt. Helmut zeichnete sich für den Einkauf verantwortlich. Sein Bruder Werner leitete den Verkauf. „Die Aufteilung hat immer gut funktioniert. Nie hat der eine dem anderen dreingeredet, dadurch gab es nie Streitereien. Jeder hatte selbst genug Arbeit, dadurch gab es keine Reibereien“, erzählt Gunz.

Beteiligung an Software-Firma

Kürzlich wurde das erste Gunz-Geschäft in New York eröffnet. In Österreich, sagt Gunz, hat man jedoch keine Ambitionen mehr, neue Geschäfte zu eröffnen. Gunz betrieb einst die „Schnapp zu“-Geschäfte. „Wir haben jedoch eingesehen, dass wir Großhändler sind und keine Einzelhändler.“ Am Standort in Mäder gibt es zwar einen Shop, in dem man den täglichen Einkauf erledigen kann. Dieser diene aber vornehmlich als Schauraum. In Mäder ist zudem die Firma Mia Systems & Software GmbH untergebracht, an der die Brüder Gunz zu 50 Prozent beteiligt sind.

„Möchte jetzt 27 Jahre
etwas anderes machen“

(VN) Zum Jahresende verabschiedet sich Helmut Gunz aus dem selbst aufgebauten Unternehmen. „Ich habe mir nur vorgenommen, erst einmal richtig Urlaub zu machen“, sagt Gunz.

Auf jeden Fall möchte er sich mehr Zeit für die Familie nehmen. „Ich habe Kinder und Enkelkinder. Für die hatte ich bis heute nicht viel Zeit, aber dafür werde ich mir in Zukunft mehr Zeit nehmen“, freut sich der zweifache Familienvater.

Die Kinder übrigens sind beide selbst unternehmerisch tätig. Christine führt das Restaurant „Bierlokal“ in Dornbirn, und Michael betreibt ein Fotostudio in Götzis.

Ski-Abfahrt statt Segeltörn

Und dann sind noch die typischen Vorarlberger Freizeitaktivitäten, denen sich auch Helmut Gunz widmen wird. „Ich habe mir gerade eine Skikarte gekauft.“ Der 54-Jährige zählt Rad- und Skifahren zu seinen Hobbys. Golfen oder Segeln ist nicht seins. „Ich habe vor 25 Jahren einmal den Segelschein gemacht, es aber bis heute nicht aufs Boot geschafft“, sagt Gunz und fügt hinzu: „Und das wird vermutlich so bleiben.“

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