Der Schumacher-Effekt greift

von Tobias Hämmerle

Neuer CEO Ulrich Schumacher verhalf Zumtobel-Aktie zu fulminantem Comeback.

Schwarzach. Die Wege der Börsen sind oft unergründlich. Der verstorbene Andre Kostolany, Meister der Börsenpsychologie, wusste bereits früh, dass sich Aktienkurse nicht nur aus fundamentalen ökonomischen Daten ergeben, sondern auch ein psychologischer Faktor mitspielt.

Und dieser kann von erheblichem Ausmaß sein, wie auch die jüngste Kursentwicklung von Zumtobel Leuchten zeigt: 7,51 Euro kostete die Aktie des Dornbirner Unternehmens am 1. Juli dieses Jahres – es war der Tiefststand 2013.

Turnaround dank Gerüchten

Von da an ging es aufwärts. Erste Gerüchte sollen die Runde gemacht haben, wird gemutmaßt. Der Aktienkurs wurde prompt beflügelt. Allein im Juli legte Zumtobel um 21 Prozent zu. Am 22. August dann wurde der Wechsel an der Spitze des Unternehmens von Harald Sommerer zu Ulrich Schumacher vermeldet. Bis zum September war der Leuchtenhersteller schon um 57 Prozent mehr wert. Und auch seit seinem Antreten am 1. Oktober hat die Aktie über 13 Prozent zugelegt. Am Mittwoch, den 23. Oktober notierte das Papier kurzfristig gar bei 13,83, was einem Börsenwert von 587 Millionen Euro entspricht.

In Summe legte die Aktie seit Juli um über 70 (!) Prozent zu – dank Schumacher? „Das zeigt, dass die Anleger Vertrauen in den neuen CEO haben“, kommentiert Roland Rupprechter, Investment- Analyst der Hypo-Landesbank, den Kursanstieg.

Rückstand aufholen

Der Ex-Infineon-Chef bekommt von den Börsianern also viel Vorschusslorbeeren. Diese gilt es zurückzugeben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Lichtkonzern mit 7300 Mitarbeitern weltweit gerade einmal sechs Millionen Euro bei 1,24 Milliarden Euro Umsatz verdient. Das Unternehmen wurde in der jüngsten Vergangenheit von der LED-Dynamik überrascht und konnte nicht in der erforderlichen Geschwindigkeit auf die neuen Erfordernisse reagieren. Das hat bei Zumtobel Spuren hinterlassen.

Technologie-Experte Schumacher scheint jedoch an sich und das Unternehmen zu glauben. Denn: Am 18. Oktober kaufte er 10.000 Zumtobel-Aktien zu Stückpreisen von 13,1565 und 13,0857 Euro und meldete das der Finanzmarktaufsicht – ein Zeichen des Vertrauens. Das alleine wird aber langfristig nicht reichen, um zu reüssieren.

Synergien besser nutzen

Rupprechter hat schon konkrete Vorstellungen, wo Schumacher den Hebel ansetzen muss: „Vom neuen CEO erwarten wir die bessere Nutzung der potenziellen Synergien aus einer verbesserten Integration der Leuchtenbereiche Thorn und Zumtobel sowie die Fortführung der Restrukturierungsmaßnahmen, was mittelfristig zu höheren Margen führen sollte.“

2014 sollte laut dem Experten ein Jahr der Seitwärtsbewegung darstellen. Ab 2015 jedoch rechnet Rupprechter mit Ergebnissen, die um 30 bis 40 Prozent besser ausfallen. Vorausgesetzt, der Schumacher-Effekt greift auch im Unternehmen – und nicht nur an der Börse.

Ab 2015 muss Schumacher deutlich bessere Ergebnisse liefern.

Roland Rupprechter

Kennzahlen

1. Quartal 2013/2014

» Umsatzerlöse: 309,3 Mill. Euro (-4,4 %)

» bereinigtes EBITDA: 31,5 Mill. Euro (+19,1 %)

» bereinigtes EBIT: 17,7 Mill. Euro (+40,7 %)

» EBIT: 10,9 Mill. Euro (-13,8 %)

» Periodenergebnis: 6,7 Mill. Euro (-22,7 %)

» Cashflow aus dem operativen Ergebnis: 27,3 Mill. Euro (+3,5 %)

» Investitionen: 11,9 Mill. Euro (+15,5 %)

» Bilanzsumme: 986,1 Mill. Euro (-0,9 %)

» Eigenkapitalquote: 35,6 %

» Mitarbeiter: 7299 (+1,9 %)

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