In der schwersten Stunde

von Dietmar Hofer
Die meisten entscheiden sich mittlerweile für ein Urnenbegräbnis. Daniel Dalmonek führt spezielle Modelle, etwa eine mit einem Segelboot.
Die meisten entscheiden sich mittlerweile für ein Urnenbegräbnis. Daniel Dalmonek führt spezielle Modelle, etwa eine mit einem Segelboot.

Daniel Dalmonek (26) ist seit einem Jahr als selbstständiger Bestatter tätig.

HARD. Der Anfang und das Ende vereinen sich in Daniel Dalmoneks Beziehung. Während seine Freundin in einer Entbindungsstation beschäftigt ist, arbeitet der 26-jährige Harder seit rund einem Jahr als selbstständiger Bestatter. Das Paar bildet eine Metapher von Geburt und Tod, in deren Dazwischen das alltägliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen steht.

Würde bis zum Schluss

Tote Menschen abzuholen und sie für die Beerdigung herzurichten, ist eine Tätigkeit, bei der wohl den meisten der kalte Schauer über den Rücken läuft. Warum sich der gelernte Zerspanungstechniker und Konstrukteur dennoch für diesen Beruf entschied, hing einerseits damit zusammen, dass das Organisatorische seine Stärke ist und anderseits damit, dass man als Bestatter den Menschen auf seinem letzten Weg würdevoll begleiten kann. Würde bedeutet für Dalmonek etwa, dass dem Verstorbenen ein möglichst natürlicher Abschied gewährt wird. „So wie man auf die Welt kommt, sollte man auch wieder gehen“, beschreibt es der Jungunternehmer, der den in Hard ansässigen Betrieb im Vorjahr von Alwin Reumiller übernahm. Der ehemalige Chef, der nun als Berater fungiert, war gleichzeitig der „Lehrmeister“ des nunmehrigen Firmenleiters. „Wenn man das erste Mal mit einem Toten konfrontiert wird, ist das schon ein mulmiges Gefühl“, erinnert er sich an diesen Moment. Dennoch sei dieser Augenblick von großer Bedeutung, ob man für diesen Beruf geeignet ist oder nicht. „Wenn man das nicht verarbeiten kann, sollte man es besser lassen“, gibt Dalmonek ehrlich zu. Oftmals ist aber die Gratwanderung sehr schmal, gilt es doch Schicksale nicht zu nahe an sich heranzulassen und dennoch das notwendige Feingefühl und Gespür für das Leid der Hinterbliebenen zu entwickeln. Zudem sind Bestatter meistens in der eigenen oder den umliegenden Gemeinden tätig. „Da kommt es natürlich immer wieder vor, dass man Verstorbene persönlich gekannt hat.“

„Verspüre Dankbarkeit“

Der Tod ist immer eine Tragödie, egal ob ein junger Mensch ganz plötzlich verstirbt, oder ein über Jahrzehnte verheiratet gewesenes Ehepaar seinen geliebten Partner verliert. Dalmonek erinnert sich etwa daran, als er den Opa einer guten Freundin bestatten musste. Wer so oft mit dem Tod wie ein Bestatter konfrontiert wird, bekommt einen anderen Bezug zum Dasein. „Ich denke schon, dass es danach weitergeht“, findet Dalmonek Trost im Glauben. Der 26-Jährige verspürt in seinem jungen Leben auch eine große Dankbarkeit darüber, „dass es mir und meinen Liebsten gut geht“. Und fühlbar wird dies bei seiner Freundin, die für die andere Seite des Lebenszyklus zuständig ist.

Es ist eine besondere Aufgabe, den Menschen auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Beruf verlangt sehr viel Feingefühl und dennoch braucht es eine klare Trennung, damit es nicht belastend wird.  
Daniel Dalmonek, 
Bestatter
Es ist eine besondere Aufgabe, den Menschen auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Beruf verlangt sehr viel Feingefühl und dennoch braucht es eine klare Trennung, damit es nicht belastend wird. Daniel Dalmonek, Bestatter
Für mich ist es eine Berufung. Ein Bestatter hilft den Hinterbliebenen in ihrer Verzweiflung, indem er alle organisatorischen Dinge erledigt und ihnen einen Abschied von dem Verstorbenen ermöglicht.  
Alexander Rapaic, 
Bestatter
Für mich ist es eine Berufung. Ein Bestatter hilft den Hinterbliebenen in ihrer Verzweiflung, indem er alle organisatorischen Dinge erledigt und ihnen einen Abschied von dem Verstorbenen ermöglicht. Alexander Rapaic, Bestatter

Vorbereitungen helfen Angehörigen

Wer organisatorische Dinge schon zu Lebzeiten klärt, erspart Angehörigen Fragen.

Es gibt Angenehmeres, als sich über den Tod Gedanken zu machen oder sogar seine eigene Beerdigung schon zu Lebzeiten zu organisieren. Dennoch treffen immer mehr Menschen organisatorische Maßnahmen, um den Hinterbliebenen wenigstens in dieser Hinsicht Leid abzunehmen. Bestattungsunternehmen wie beispielsweise Reumiller in Hard haben Vorbereitungsbücher, in denen das Procedere genau festgelegt werden kann. „Das beginnt bei der Benachrichtigung im Todesfall und setzt sich bis hin zur Art der Bestattung und der Musik- oder Blumenauswahl fort“, erklärt Bestatter Daniel Dalmonek.

Feuer- oder Erdbestattung

Gerade Eltern, deren Kinder in einem anderen Bundesland oder im Ausland wohnen und nicht gleich nach Hause kommen können, sichern sich auf diese Art ab, dass im Eventualfall alles geregelt ist.

Von der Beerdigungsart ist in Vorarlberg die Erd- bzw. Feuerbestattung erlaubt, wobei Letztere klar im Vormarsch ist. Hat der Verstorbene in dieser Hinsicht keinen Wunsch geäußert, müssen die nächsten Angehörigen entscheiden, welche Bestattungsart gewählt wird. Entscheidet man sich für eine Urne, kann ein kleiner Teil der Asche als Erinnerung beispielsweise zu Hause aufbewahrt werden. Der Rest muss in ein Grab gegeben werden.

Über 2500 Todesfälle pro Jahr in Vorarlberg

Gut siebenmal pro Tag müssen die Vorarlberger Bestattungsinstitute „ausrücken“, um einen Leichnam abzuholen. Die aktuelle Statistik weist für das Vorjahr genau 2591 Sterbefälle auf. Eine Zahl, die seit Jahren ziemlich konstant ist. Die Aufgaben des Bestatters sind von der Abholung und hygienischen Versorgung von Verstorbenen, Überführungen, Organisation der Trauerfeier bis hin zu Trauerdruck, Behördenwegen, Zeitungsanzeigen, usw. sehr vielschichtig.

Wertvolle Trauerhilfe

Die 15 heimischen Bestattungsunternehmen leisten zudem wertvolle Trauerhilfe und kümmern sich nicht nur um sämtliche organisatorischen Angelegenheiten, sondern bieten auch weitere Dienstleistungen an. So wird betroffenen Menschen bei ihrem Trauerprozess eine Begleitung angeboten, die Unterstützung und Anleitungen bieten soll.

Oftmals hilft schon die Verabschiedung am offenen Sarg. Vor allem dann, wenn der geliebte Mensch ganz plötzlich verstorben ist und keine Zeit mehr blieb, ihm noch etwas zu sagen.

„Oft ist eine große
Hilflosigkeit spürbar“

Der Hohenemser Alexander Rapaic ist verheiratet, Vater zweier schulpflichtiger Kinder und seit 14 Jahren als Bestatter tätig.

Wie nehmen es Ihre Kinder auf, wenn Sie von Ihrem Beruf erzählen?

Sie wissen natürlich, was ich mache und interessieren sich auch dafür. Es ist ja ein Beruf, wo ich den Menschen hilfreich zur Seite stehen kann, wenn sie eine geliebte Person verloren haben. Da ist auch eine immense Dankbarkeit zu spüren und das ist, wenn man das so ausdrücken darf, das Schöne an dem Beruf.

Worin sehen Sie die besondere Herausforderung?

Wenn jemand stirbt, sind wir nach dem Arzt der erste Ansprechpartner für die Hinterbliebenen. Oft ist da eine große Hilflosigkeit zu spüren. Die Menschen setzen großes Vertrauen in uns, dass wir alles organisatorische regeln. Im Umgang mit diesen Menschen gibt es keine Routine, sondern es braucht das richtige Gespür und Feingefühl.

Könnten Sie auch einen guten Bekannten oder gar einen nahen Angehörigen selbst bestatten oder überlassen Sie das lieber anderen?

Vor vier Jahren ist meine Mama gestorben. Ich wollte die Bestattung unbedingt selbst machen. Auch wenn es schwer war, wollte ich auch diesen letzten Weg mit ihr gehen.

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