Land tritt bei Kindergruppen auf die Förderbremse

Hat es sich für die Kleinen im Wald bald ausgespielt? Die Vertreter der privaten Betreuungseinrichtungen hoffen auf eine Lösung. spielkiste

Hat es sich für die Kleinen im Wald bald ausgespielt? Die Vertreter der privaten Betreuungseinrichtungen hoffen auf eine Lösung. spielkiste

Für Vier- und Fünfjährige gibt es ab Herbst keinen Zuschuss zu Elternbeiträgen mehr.

Schlins Die Hiobsbotschaft kam mit der Weihnachtspost. Am 23. Dezember teilte das Land den privat geführten Kinderbetreuungseinrichtungen mit, dass die Förderung des Elternbeitrags für Vier- und Fünfjährige gestrichen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die privaten Träger trotzdem an die Tarife des Landes gebunden bleiben. Das heißt, sie dürfen auch ab Herbst 2021 lediglich den Monatstarif von 38 Euro einheben. Bea Madlener-Tonetti, Vorsitzende des Landesverbandes der selbstorganisierten Spiel- und Kindergruppen, ist empört: „Damit geht nicht nur die Wahlfreiheit für Eltern verloren. Der Wegfall der Förderung bringt auch Einrichtungen in finanzielle Nöte, weil sich Eltern die höheren Kosten nicht mehr leisten können.“ Diese liegen regulär zwischen 150 und 200 Euro pro Monat.

Die zuständige Landerätin Barbara Schöbi-Fink führt als Begründung für die Streichung an, dass zum einen genügend Platz in den öffentlichen Kindergärten sei, zum anderen dann mehr Kleinkinder in den Kindergruppen aufgenommen werden könnten. „Kleine Kinder brauchen Platz“, sagte sie. Sollte eine Einrichtung Probleme bekommen, werde man gemeinsam einen Weg finden, versicherte Schöbi-Fink gegenüber den VN.

Wie viele Kinder von der Streichung des Landeszuschusses betroffen wären, wird vom Landesverband derzeit erhoben. 35 Einrichtungen wurden angeschrieben, knapp die Hälfte hat bislang eine Rückmeldung abgegeben. Der zufolge gibt es in den privaten Betreuungseinrichtungen 118 Vier- und 98 Fünfjährige. Es dürften aber noch mehr werden. Was Bea Madlener-Tonetti besonders ärgert ist, dass die Information zu einem Zeitpunkt kam, als die meisten Einrichtungen aufgrund der Weihnachtsferien schon geschlossen hatten, die Budgets weitgehend erstellt und diese mit denselben Förderungen kalkuliert waren.

Auch die Anmeldungen für das neue Betreuungsjahr laufen bereits. „Die Ankündigung, wonach das Land den Differenzbetrag nicht mehr fördert, hat Träger und Eltern unvermittelt getroffen“, spricht Mad­lener-Tonetti von harten Konsequenzen. Für sie, aber auch für die Träger ist die Streichung der Förderung nicht nachvollziehbar. Das Geld werde wohl von den privaten hin zu den öffentlichen Einrichtungen gehen, vermutet sie. „Dass dort Platz ist bzw. Platz durch Ausschöpfung der maximal erlaubten Kinderanzahl geschaffen wird, mag stimmen. Es ist aber auch bekannt, dass es an ausgebildetem Personal mangelt“, macht Bea Madlener-Tonetti auf ein weiteres Problem aufmerksam. Zudem gehe die Vielfalt verloren. „Allen Kindern wird dasselbe Konzept übergestülpt, ohne Rücksicht auf Bedürfnisse, Befindlichkeiten, Erziehungs- und Lebensmodelle der Eltern“, kritisiert die Landesvorsitzende weiter. Private Träger seien hier deutlich flexibler.

Geringschätzung geortet

Bestürzt sind auch die Vertreter der Einrichtungen. „Die Kälte der knapp gehaltenen Mitteilung der Landesregierung knapp vor Weihnachten erleben wir als Geringschätzung unserer jahrelangen bemühten Arbeit für die Kinder“, heißt es etwa bei der Kinderstube in Höchst. Aus der Lernwerkstatt Brunnenfeld kommt zwar Verständnis für Einsparungen, aber: „Es kann nicht sein, dass dies zu Lasten der Kinder und jungen Familien geht.“ Barbara Schöbi-Fink rechtfertigt den Termin damit, dass man die Einrichtungen früh genug informieren wollte. VN-MM

„Es geht die Wahlfreiheit verloren und Einrichtungen geraten in finanzielle Nöte.“

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