Das kostet die ­Coronakrise

von Geraldine Reiner

Unternehmer kämpfen mit den Folgen der Lockdowns 2020.

Schwarzach Die Gesundheitskrise und die Wirtschaftskrise gehen Hand in Hand. Lockdown bedeutet: Geschäfte bleiben geschlossen, der Handel bricht ein, Dienstleistungen sind nur noch eingeschränkt möglich. „Wir müssen von einem Einbruch des BIP zwischen sieben und acht Prozent ausgehen“, rechnet Ökonomin Monika Köppl-Turyna vor, sie ist Direktorin des Instituts Eco-Austria.

Die Expertin ist überzeugt: Manche Branchen werden sich recht rasch erholen. „Dazu zählen die Güterexporte. Dieser Bereich war bereits im Spätsommer wieder auf dem Niveau des Vorjahres.“ Auch die Bauwirtschaft sei eigentlich unbeschädigt durch die Krise gekommen. Bei körpernahen Dienstleistungen, im Handel und im Tourismus sieht es anders aus. Das bestätigen auch Unternehmer in Vorarlberg, wie eine Umfrage der VN ergibt. Getroffen hat es zum Beispiel Lisa Gasser. Die Dornbirnerin betreibt ein Fitness- und Gesundheitscenter und hat erst 2019 investiert. Nun muss sie wieder zurückschrauben. Ihre Stammkundschaft hat geholfen. „Viele Mitglieder haben die Beiträge weitergezahlt.“ Aber das sei nicht umsonst, die Leistung muss aufgearbeitet werden. Ein bisschen Umsatzersatz habe sie nun jedoch bekommen. „Das hat geholfen, den November und Dezember zu finanzieren.“ Auch die Veranstaltungsbranche hat es schwer getroffen, wie Peter Huber schildert. Für den Tontechniker ist die Saison praktisch ein Totalausfall. „Wir haben von März bis September nur 2400 Euro umgesetzt.“ Für 2021 hat er noch keine Aufträge vorliegen, selbst Firmen­events im Herbst sind storniert worden. „Ich denke, dass wir in der Branche erst 2022 mit einer Normalisierung rechnen können.“

Wie es den Unternehmen bisher insgesamt ergangen ist, kann laut Ökonomin Köppl-Turyna noch nicht genau gesagt werden. „Bis Ende März ist die Insolvenzmeldepflicht ausgesetzt.“ Erst danach könne man sagen, wie sie durch die Krise gekommen sind. Die Konjunkturumfragen geben allerdings Grund zur Hoffnung: „Im April lag die allgemeine Erwartung noch bei minus 40. Nun sind es minus fünf.“

<p class="infozeile">In Andrea Amanns (52, Friseursalon crehaartiv, Hohenems) Umfeld gab es schon zwei Todesfälle aufgrund des Coronavirus. Zuletzt traf es einen 54-jährigen Bekannten ohne Vorgeschichte. Sie nimmt das Virus ernst. Elf Wochen musste sie im Vorjahr ihren Friseursalon in Hohenems geschlossen halten. „Es ist ein komisches Gefühl, wenn es am Konto ausschließlich rot aussieht“, erzählt sie. Das habe ihr schon schlaflose Nächte bereitet. 20 Prozent Umsatzminus hat sie verzeichnet; beklagen möchte sie sich aber nicht: „Ich habe Gott sei Dank ein finanzielles Polster. Und Haare wachsen wieder, die Arbeit bleibt uns also.“ Ihre zwei Angestellten befinden sich in Kurzarbeit. Heuer hofft sie auf rasche Besserung. „Sobald es geht, bin ich die Erste, die sich impfen lässt.“</p>

In Andrea Amanns (52, Friseursalon crehaartiv, Hohenems) Umfeld gab es schon zwei Todesfälle aufgrund des Coronavirus. Zuletzt traf es einen 54-jährigen Bekannten ohne Vorgeschichte. Sie nimmt das Virus ernst. Elf Wochen musste sie im Vorjahr ihren Friseursalon in Hohenems geschlossen halten. „Es ist ein komisches Gefühl, wenn es am Konto ausschließlich rot aussieht“, erzählt sie. Das habe ihr schon schlaflose Nächte bereitet. 20 Prozent Umsatzminus hat sie verzeichnet; beklagen möchte sie sich aber nicht: „Ich habe Gott sei Dank ein finanzielles Polster. Und Haare wachsen wieder, die Arbeit bleibt uns also.“ Ihre zwei Angestellten befinden sich in Kurzarbeit. Heuer hofft sie auf rasche Besserung. „Sobald es geht, bin ich die Erste, die sich impfen lässt.“

<p class="infozeile">Frederick Sams (22, Hörbranz) ist Fotograf und lebt stark von Veranstaltungen und Hoch-zeiten. 2020 sei er aber mit einem blauen Auge davongekommen, erzählt er. Um 13,3 Prozent ist der Umsatz zurückgegangen. „Die Lockdowns sind zu einer Zeit gekommen, in der weniger los ist. Im Sommer gab es jedoch mehr Hochzeiten als sonst, und meine Kunden blieben mir treu.“ Die Menschen seien aber vorsichtiger geworden. „Es gibt momentan zwar viele Anfragen, aber wenige konkrete Zusagen.“ Einem Vollzeitmitarbeiter musste er einen Wechsel nahelegen. „Er hat Gott sei Dank was Neues gefunden.“ Er beschäftigt noch eine Teilzeitkraft. Er wird sich früh impfen lassen, derzeit plant er nur von Woche zu Woche.</p>

Frederick Sams (22, Hörbranz) ist Fotograf und lebt stark von Veranstaltungen und Hoch-zeiten. 2020 sei er aber mit einem blauen Auge davongekommen, erzählt er. Um
13,3 Prozent ist der Umsatz zurückgegangen. „Die Lockdowns sind zu einer Zeit gekommen, in der weniger los ist. Im Sommer gab es jedoch mehr Hochzeiten als sonst, und meine Kunden blieben mir treu.“ Die Menschen seien aber vorsichtiger geworden. „Es gibt momentan zwar viele Anfragen, aber wenige konkrete Zusagen.“ Einem Vollzeitmitarbeiter musste er einen Wechsel nahelegen. „Er hat Gott sei Dank was Neues gefunden.“ Er beschäftigt noch eine Teilzeitkraft. Er wird sich früh impfen lassen, derzeit plant er nur von Woche zu Woche.

<p class="infozeile">Hinter den Vorarlberger Fremdenführern liegt ein schwieriges Jahr. „Ab dem Frühling wurden praktisch alle Führungen storniert, teilweise bis ins heurige Jahr hinein“, erzählt der Hörbranzer Christoph Jungblut (59), der auch Sprecher der Berufsgruppe ist. Im Sommer habe das Geschäft zwar leicht angezogen, in Summe sei es aber so, dass gut 80 Prozent der Führungen ausgefallen sind. „In den Monaten, in denen wir Führungsverbot hatten, war das Einkommen null.“ Das Glück im Unglück: In Vorarlberg gibt es keine hauptberuflichen Guides. Jungblut selbst arbeitet als Lehrer. Jungblut: „Von dem her wurden keine Existenzen vernichtet, weil alle noch einen anderen Beruf haben. Grundsätzlich war es aber ein schwieriges Jahr, weil teilweise innerhalb von Tagesfristen gebucht und wieder abgesagt wurde. Momentan schaut es ebenfalls nicht schön aus, vor allem auch deshalb, weil man nicht weiß, ab wann und unter welchen Voraussetzungen man wieder führen darf.“</p>

Hinter den Vorarlberger Fremdenführern liegt ein schwieriges Jahr. „Ab dem Frühling wurden praktisch alle Führungen storniert, teilweise bis ins heurige Jahr hinein“, erzählt der Hörbranzer Christoph Jungblut (59), der auch Sprecher der Berufsgruppe ist. Im Sommer habe das Geschäft zwar leicht angezogen, in Summe sei es aber so, dass gut 80 Prozent der Führungen ausgefallen sind. „In den Monaten, in denen wir Führungsverbot hatten, war das Einkommen null.“ Das Glück im Unglück: In Vorarlberg gibt es keine hauptberuflichen Guides. Jungblut selbst arbeitet als Lehrer. Jungblut: „Von dem her wurden keine Existenzen vernichtet, weil alle noch einen anderen Beruf haben. Grundsätzlich war es aber ein schwieriges Jahr, weil teilweise innerhalb von Tagesfristen gebucht und wieder abgesagt wurde. Momentan schaut es ebenfalls nicht schön aus, vor allem auch deshalb, weil man nicht weiß, ab wann und unter welchen Voraussetzungen man wieder führen darf.“

<p class="infozeile">Für Veranstaltungstechniker wie Peter Huber bedeutet die Coronapandemie praktisch einen Totalausfall. „Wir haben von März bis September 2400 Euro umgesetzt“, rechnet der Inhaber und Geschäftsführer von Peterline Showtech in Lauterach vor. Pro Monat fallen laut Huber Kosten in Höhe von 8000 Euro an. Drei Mitarbeiter musste er abbauen. Sein Glück sei, dass er seit ein paar Wochen das Studio von „Vorarlberg Live“ betreut und dadurch auch wieder einen Mitarbeiter einstellen konnte. „Von dem her bin ich sicher derjenige, dem es noch am besten geht in dieser Brache. Aber sonst sind die Aufträge bei null. Wir haben für 2021 noch keine Anfrage. Die Firmenevents, die im Herbst wären, wurden schon alle storniert. Ich denke, dass wir erst 2022 mit einer Normalisierung in unserer Branche rechnen können“, berichtet Peter Huber.</p>

Für Veranstaltungstechniker wie Peter Huber bedeutet die Coronapandemie praktisch einen Totalausfall. „Wir haben von März bis September 2400 Euro umgesetzt“, rechnet der Inhaber und Geschäftsführer von Peterline Showtech in Lauterach vor. Pro Monat fallen laut Huber Kosten in Höhe von 8000 Euro an. Drei Mitarbeiter musste er abbauen. Sein Glück sei, dass er seit ein paar Wochen das Studio von „Vorarlberg Live“ betreut und dadurch auch wieder einen Mitarbeiter einstellen konnte. „Von dem her bin ich sicher derjenige, dem es noch am besten geht in dieser Brache. Aber sonst sind die Aufträge bei null. Wir haben für 2021 noch keine Anfrage. Die Firmenevents, die im Herbst wären, wurden schon alle storniert. Ich denke, dass wir erst 2022 mit einer Normalisierung in unserer Branche rechnen können“, berichtet Peter Huber.

<p class="infozeile">Günther Hellrigl (59) führt seit etwas mehr als zwei Jahren das Café Drehscheibe in der Ammianusstraße in Bregenz-Vorkloster. Am 2. November, um 22 Uhr wurde das Lokal von den Gästen buchstäblich zu Grabe getragen. Seither hängt an der Eingangstür eine Todesanzeige. Seitlich sind zwei geplante „Auferstehungstermine“ vermerkt, beide konnten nicht eingehalten werden. „Das ist eine Salamitaktik, um das Volk ruhig zu halten. Bis heute wissen wir nicht, ob der neue Termin hält, und wenn ja, unter welchen Bedingungen“, ärgert sich der 59-Jährige. Was ihn ebenfalls wütend macht: Die von der Regierung versprochenen Umsatzausfälle für November und Dezember sind ebenso wie der Fixkostenzuschuss bislang noch nicht auf seinem Konto verbucht worden. Für die Drehscheibe fallen pro Monat 1440 Euro Miete und 495 Euro Betriebskosten an. „Fünf Monate habe ich auf Anraten meines Anwalts wegen völliger Rechtsunsicherheit offen zurückbehalten“, ergänzt Hellrigl. Hinzu kommen rund 1600 Euro für Personalkosten, Kfz-Versicherung, AKM- und GIS-Gebühren, Strom, Heizung oder das First-Data-Zahlungssystem. Lebensmittel im Wert von geschätzten 1000 bis 1300 hat der Drehscheibe-Chef verschenkt, weil sie sonst verdorben wären. Der Bregenzer Kleingastronom spricht von einer „kompletten Katastrophe. Es geht aber nicht immer nur um Umsatz. Unsere Gäste leben in der Regel allein. Jetzt hat man ihnen den einzigen Gedankenaustausch genommen.“</p>

Günther Hellrigl (59) führt seit etwas mehr als zwei Jahren das Café Drehscheibe in der Ammianusstraße in Bregenz-Vorkloster. Am 2. November, um 22 Uhr wurde das Lokal von den Gästen buchstäblich zu Grabe getragen. Seither hängt an der Eingangstür eine Todesanzeige. Seitlich sind zwei geplante „Auferstehungstermine“ vermerkt, beide konnten nicht eingehalten werden. „Das ist eine Salamitaktik, um das Volk ruhig zu halten. Bis heute wissen wir nicht, ob der neue Termin hält, und wenn ja, unter welchen Bedingungen“, ärgert sich der 59-Jährige. Was ihn ebenfalls wütend macht: Die von der Regierung versprochenen Umsatzausfälle für November und Dezember sind ebenso wie der Fixkostenzuschuss bislang noch nicht auf seinem Konto verbucht worden. Für die Drehscheibe fallen pro Monat 1440 Euro Miete und 495 Euro Betriebskosten an. „Fünf Monate habe ich auf Anraten meines Anwalts wegen völliger Rechtsunsicherheit offen zurückbehalten“, ergänzt Hellrigl. Hinzu kommen rund 1600 Euro für Personalkosten, Kfz-Versicherung, AKM- und GIS-Gebühren, Strom, Heizung oder das First-Data-Zahlungssystem. Lebensmittel im Wert von geschätzten 1000 bis 1300 hat der Drehscheibe-Chef verschenkt, weil sie sonst verdorben wären. Der Bregenzer Kleingastronom spricht von einer „kompletten Katastrophe. Es geht aber nicht immer nur um Umsatz. Unsere Gäste leben in der Regel allein. Jetzt hat man ihnen den einzigen Gedankenaustausch genommen.“

„Die Bauwirtschaft und die Industrie haben sich schnell erholt, die Erwartungen sind positiv.“

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