Hinter den Kulissen. Politik, Personen und Parteien

Jobsuchen und akute Finanznöte

Altbürgermeister Markus Linhart war offenbar als Finanzdirektor für die Abtei Mehrerau im Gespräch. VN

Altbürgermeister Markus Linhart war offenbar als Finanzdirektor für die Abtei Mehrerau im Gespräch. VN

Klosterkämmerer Auch die Ära eines Langzeitbürgermeisters kann abrupt zu Ende sein. Diese bittere Erfahrung musste im September 2020 auch Markus Linhart (61, VP) in der Bürgermeisterstichwahl machen. Linhart, der sich so wie viele seiner Parteifreunde in Stadt und Land siegessicher gegeben hatte, wurde nach knapp 22 Jahren abgewählt. Auf Linharts Sessel hat bekanntlich Wahlsieger Michael Ritsch (52, SP) Platz genommen. Linhart, der wie in dieser Rubrik berichtet laut Gesetz noch einige Monate 75 Prozent seines bisherigen Stadtchefbezuges jenseits der Marke von 10.000 Euro Monatsbrutto bezieht, befindet sich wegen fehlender Jahre für die Pensionsreife hinter den Kulissen offenbar fieberhaft auf der Suche nach einem neuen Job. Dabei soll Linhart sich auch um den Job des Finanzdirektors im Kloster Mehrerau bei Abt Vinzenz (51) bemüht haben. Wäre alles glatt gegangen, so heißt es Bregenz, hätte das abgewählte Stadtoberhaupt die Funktion von Hansjörg Herbst (65) übernehmen wollen, der nach elf Jahren im Dienst der Zisterzienserabtei seine Pension angetreten hat. Doch der Abt hat offenbar abgewunken. Den Job es Direktors hat schlussendlich ein anderer bekommen.

 

Verwirrung Weiterhin Verwirrung herrscht über die Gehälter für Landespolitiker. Wie die VN berichteten, erklärte die Regierungspressestelle im Dezember, dass die Bezüge für Landespolitiker wie vorgesehen automatisch um 1,5 Prozent erhöht werden. Das sei so im Budget geregelt, dem alle Fraktionen zugestimmt haben, hieß es. Freiheitlichenchef Christof Bitschi (29) forderte schon zuvor eine Nulllohnrunde nach Vorbild der Bundespolitik. Der VN-Bericht rief Neos-Mandatar Gerfried Thür (47) auf den Plan. Ihm zufolge habe man einvernehmlich eine Nulllohnrunde beschlossen. Das habe man im Finanzausschuss so versichert, weshalb ein eigener Antrag zur Nulllohnrunde von den Neos zurückgezogen worden sei. Der erste Gehaltsscheck fürs neue Jahr hat nun gezeigt, wer recht hat: Die Gehälter sind tatsächlich höher geworden. Thür will dem Ganzen nun auf den Grund gehen. „Wir Neos verstehen das nicht, da wir mehrfach nachgefragt haben.“ Eine parlamentarische Anfrage soll endgültig Klarheit schaffen.

 

Bredouille In der Arlberggemeinde Lech, wo sich Stefan Jochum (54) bekanntlich bei der Stichwahl im September 2019 gegen Langzeitbürgermeister Ludwig Muxel (65) durchgesetzt hat, könnte ein regelrechter Finanzkollaps ins Haus stehen. Grund dafür sind offenbar gleich mehrere Millionen Euro, die in den Bau des neuen Gemeindezentrums um insgesamt 38 Millionen Euro hätten investiert werden sollen. In der Gemeinde, wo nach vielen Jahren einer Einheitsliste seit der Gemeindewahl Volksvertreter von vier Listen ein Wörtchen mitzureden haben, werden wegen akutem Geldmangel nicht nur viele Bereiche auf Sparpotenzial durchforstet. Vor dem Hintergrund coronabedingt geschlossener Hotels und dramatischen Steuerausfällen ist auch die Rede von fieberhaften und stundenlangen Verhandlungen mit beinharten Kalkulationen in der Gemeindestube. Gemeindeoberhaupt Jochum und seine 18 Mandatare befinden sich in der Bredouille, zumal Verträge und Ausschreibungen für den Bau vielfach beschlossen, längst ausgeschrieben und bereits weit mehr als elf Millionen Euro in den Bau des Zentrums geflossen sind. Ein Baustopp, sind sich Brancheninsider einig, würde die Gemeinde als Bauherr „viele Millionen kosten“. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie sich die Finanzen von Lech entwickeln werden.

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