Diskurs um Covid-19-Impfintervall

Vorschlag zur Ein­malimpfung verursacht auch Skepsis.

Schwarzach Zuerst nur einmal impfen und die Auffrischung verschieben, um viele Menschen schnell gegen Covid-19 impfen zu können? Diese Frage scheidet derzeit die Geister. Aufgeworfen hat sie der in Europa vorherrschende Impfstoffmangel.

Eine Gratwanderung

Gesundheitsexperte Armin Fidler bezeichnet den Vorschlag als Gratwanderung und verfrüht. „Ich will ihn nicht von vorneherein ablehnen“, sagte er im VN-Gespräch. Für ein solches Experiment, wie er es bezeichnet, ist ihm die Datensuppe aber noch zu dünn. Speziell das Risiko der Übertragbarkeit des Virus durch Geimpfte ist noch ungeklärt. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoller, auf dem Weltmarkt entsprechend Impfstoff nachzukaufen, koste es, was es wolle, nennt Fidler Israel als Beispiel. „Die haben zwar doppelt so viel für den Impfstoff bezahlt, jetzt aber genug Kapazitäten, um schnell viele Personen zu impfen.“ Österreich solle sich die Frage stellen, was es kostet, langsamer zu impfen. Vorsorgemediziner Hans Concin schlägt in eine gänzlich andere Kerbe. Er rät zu Schnelligkeit vor Perfektion und dazu, nur eine von zwei Impfdosen zu verabreichen, bis man mit den wichtigsten Risikogruppen durch ist bzw. es für alle genügend Impfstoff gibt.

„Mit der ersten Impfdosis erreicht man bereits etwa 60 Prozent Immunität“, hält Concin diese Lösung für die derzeit einzig Vernünftige. Es bringe auch immunologisch keinen Nachteil, wenn die zweite Dosis später verabreicht werde, es gebe Hinweise, dass die Langzeitwirkung sogar besser sei. Concin nennt Großbritannien als Beispiel, wo der Impfausschuss empfohlen hat, vorerst möglichst vielen Menschen nur die erste Impfdosis zu verabreichen. Die zweite Dosis soll innerhalb von zwölf statt der ursprünglich vorgesehenen etwa zwei bis vier Wochen gespritzt werden. Hans Concin hofft auf eine breite öffentliche Diskussion dieses sensiblen Themas.

Zulassung für Doppelimpfung

Armin Fidler bringt die USA ins Spiel, wo diesem Ansinnen vorläufig eine Absage erteilt wurde. Die Frage, ob das Vorgehen insgesamt einen Sinn macht, bezeichnet er als schwierig, weil: „Wir wissen es nicht genau.“ Er verweist auch darauf, dass die zur Impfstoffentwicklung begleitend notwendigen Zulassungs- und Sicherheitsvorgaben einem bestimmten Schema folgen und die Zulassung des inzwischen verfügbaren Covid-19-Impfstoffs auf einer Doppelimpfung beruht. Theoretisch, meint Fidler, könnte eine Einzelimpfung funktionieren, die Effektivität dieser Maßnahme zieht er allerdings in Zweifel. „Der Einzelne schneidet immer schlechter ab“, gibt er zu bedenken. Umgelegt auf die Bevölkerung bleibe die Überlegung, ob man lieber möglichst viele zu knapp 70 Prozent geschützt haben wolle oder weniger zu 95 Prozent.

Es tun sich für Armin Fidler noch andere Ungereimtheiten auf. Dazu gehört vor allem die Frage nach der Übertragbarkeit des Virus durch Geimpfte. An der tüftelt bekanntlich auch die Wissenschaft immer noch herum, bisher ohne Ergebnis. „Für die Einzelimpfung fehlt es an Daten zu Effektivität, Schutzwirkung und Übertragungsrisiko“, fasst Fidler seine Bedenken zusammen. Es brauche mehr Wissen, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Deshalb würde Fidler anderen Lösungen den Vorzug geben, etwa dem Nachkauf von Impfstoff am Weltmarkt. VN-MM

„Österreich soll sich die Frage stellen, was es kostet, langsamer zu impfen.“

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