Kommentar

Julia Ortner

Was wir 2021 brauchen können

Wenn man im Pandemiejahr 2020 etwas erkennen musste, dann wohl das: Die Zukunft ist leider ungewiss, die menschliche Existenz fragil, egal, wie die eigenen Pläne aussehen mögen. Diese Tatsache ist an sich nicht überraschend, aber wird im normalen Leben gerne verdrängt. Gerade jetzt wäre es also hilfreich, sich für das kommende Jahr zu rüsten, um die Zeit der Unsicherheit besser überstehen zu können – und dabei kann es helfen, sich darauf zu fokussieren:

Zuversicht statt Panik. Ein Arzt freut sich am Sonntag über seine Coronaimpfung, die Faust triumphierend gehoben: Es ist zum Beispiel das Foto von Christoph Wenisch, Infektiologe und Primar der wichtigsten Covid-19-Station in Wien, das man nicht vergessen sollte. Eine Geste der Zuversicht von Wenisch, der auf seiner Intensivstation schon um das Leben vieler Coronapatienten gekämpft hat. Die Impfung ist natürlich erst der Anfang eines langen Prozesses, doch sie kann uns Mut machen. Der ständige Panikmodus mancher, vor allem auf Social Media – Apokalypse, jetzt! – macht die ohnehin sehr ernste Situation noch unerträglicher.

Verzicht statt Egozentrik. Seine persönlichen Leidenschaften nicht leben zu können, ist eine Belastung für – fast – alle Menschen. Corona zeigt, dass viele in den Wohlstandsgesellschaften selbst einen temporären Verzicht auf Konsum, Sport, Dienstleistungen oder kulturelle Erbauung als Zumutung empfinden: Nicht ohne meine Burgtheateraufführung, nicht ohne mein Skifahrerlebnis, nicht ohne mein Fitnesscenter! Etwas zu entbehren entspricht nicht dem egozentrischen Weltbild, das um die eigenen Bedürfnisse kreist. Entbehrung ist nicht fesch und macht keinen Spaß, ohne sie wird es aber leider nicht gehen.

Blick nach vorne statt Rückkehr zu alten Mustern. Die Pandemie hat bei allen Nöten auch gezeigt, wie man Schule, Arbeit, bürokratische Prozesse teilweise vereinfachen kann. An diesen ersten Schritten sollte man dranbleiben, gerade auch im Hinblick auf die andere große Gefahr der Gegenwart: Die Klimakrise. Viele Meetings, Flüge, Veranstaltungen haben sich als unnötig erwiesen und können wunderbar digital kompensiert werden. Man kann ohne manche Wichtigtuerei gut leben, versprochen.

Aufklärung statt Belehrung. Wer jetzt Menschen von der Bedeutung der Impfung für uns alle überzeugen will, muss ehrliche, transparente und umfassende Information auf allen Kanälen anbieten. Wissenschaft und Politik können trotz Verunsicherung und Pandemie-Müdigkeit dann erfolgreich sein, wenn sie erklären und nicht von oben herab dozieren, so auf die Art: Wir wissen schon, was für euch gut ist. Nur mit aufrichtiger Aufklärung kann man jene 70 Prozent erreichen, die für einen Erfolg der Impfung nötig sein werden.

Julia Ortner

julia.ortner@vn.at

Julia Ortner ist Journalistin mit Vorarlberger Wurzeln, lebt in Wien und arbeitet für den ORF-Report.

„Entbehrung ist nicht fesch und macht keinen Spaß, ohne sie wird es aber leider nicht gehen.“

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