Kolumne

Doris Knecht

Der Hund wird es zu schätzen wissen

Dieses Weihnachten war alles anders. Ich habe im Zug nach Vorarlberg Einzelplätze für den 23. Dezember reserviert, in der Apotheke zwei Dutzend FFP2-Masken und zehn Schnelltests gekauft, ich habe mit einem befreundeten Arzt einen Test-Termin ausgemacht, und zwei Tage vorher haben wir beschlossen, doch nicht zu fahren. Zu riskant. Zu ungutes Gefühl. Mittlerweile kennt wirklich jeder jemanden, der einen älteren Verwandten an Covid verloren hat, das Risiko war uns einfach zu groß. Die Vorstellung, dass ein Elternteil allein im Krankenhaus liegt, durch Schläuche beatmet, weil man unbedingt zusammen Weihnachten verbringen wollte: Das war es nicht wert, auch wenn es ein bisschen traurig war, dass wir getrennt feierten, nach all den Jahren, an denen Weihnachten einer der wenigen Anlässe war, an denen sich die ganze Familie, alle drei Generationen, wieder mal sehen und in den Arm nehmen konnte. Aber heuer eben nicht. Nächstes Jahr hoffentlich wieder.

Dafür hatten wir heuer wieder mal einen eigenen Christbaum, auf den wir die letzten Jahre verzichtetet hatten, weil wir eh zu Oma und Opa fuhren, und das brachte, nach einer wenig stimmungsvollen Adventzeit, endlich ein bisschen Weihnachten in die Wohnung. Und wir nahmen wieder mal den großen, alten Party-Elektro-Grill in Betrieb, auf dem früher bei Kindergeburtstagen Legionen von Würsteln brutzelten. In Wien mag man traditionell zu Weihnachten Karpfen oder Gänse braten, wir grillten Bulgogi und Gemüse auf dem Tischgrill, und es war fein.

Und jetzt steht uns ein stiller Silvester bevor, ohne Feuerwerke und mit viel weniger Böllern. Der Hund wird es sehr zu schätzen wissen, und ich habe nur zwei Wünsche fürs neue Jahr: Möge Europa endlich gemeinsam die barbarischen Zustände in den Flüchlingslagern auf Lesbos beenden und die Familien und kleinen Kinder evakuieren, die dort unter furchtbarsten hygienischen und medizinischen Bedingungen frieren und hungern. Und möge 2021 endlich das Virus besiegt werden und wieder so etwas wie Normalität einkehren für alle. Speziell auch für die Kinder und jungen Menschen, die wieder in die Schule dürfen sollen und richtig unbeschwerten Spaß haben; wie es sich gehört, wenn man jung ist. Mehr wünsche ich mir gerade nicht.

Auch meine Vorsätze fürs neue Jahr sind diesmal bescheiden. Den täglichen Speiseplan, der während des Buchschreibens wie immer im Wesentlichen auf die Frage „Wurstbrot oder Käsebrot?“ hinausläuft, wieder ins Gesündere, Vitaminreichere hinein variieren. Die Zoom-Trainings-Termine meiner Workout-Gruppe nicht, wie in den letzten Wochen meistens, bei einem Glas Wein verstreichen lassen. Immerhin sorgt der Hund dafür, dass man sonst genug Bewegung an der frischen Luft bekommt.

Ich wünsche uns allen ein viel besseres, sorgenfreieres, sicheres und gesundes neues Jahr. Prosit euch allen!

Doris Knecht

doris.knecht@vn.at

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.

„Und jetzt steht uns ein stiller Silvester bevor, ohne Feuerwerke und mit viel weniger Böllern.“

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