Margit Ender, 97

Das Jassen bereitete Margit bis zuletzt Vergnügen.

Das Jassen bereitete Margit bis zuletzt Vergnügen.

Den 100er hätte Margit Ender noch sehr gern erreicht. Denn die Lochauerin liebte das Leben. „Sie war eine Genießerin“, verrät ihr Neffe Günther Ender. Wenn die sparsame Frau Geld ausgab, dann für gutes Essen und Urlaubsreisen. „Das hat sich meine Tante gegönnt. Klamotten hingegen waren ihr nicht wichtig. Sie hat sich keine Designer-Stücke gekauft.“ Margit kam aus gutem Hause. Ihr Vater war Kinderarzt. Bei ihm arbeitete sie als Arzthelferin. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1959 musste sie ihm versprechen, sich um seine Ehefrau bzw. ihre Mutter zu kümmern. Nachdem der Vater gestorben war, ging Margit keiner beruflichen Tätigkeit mehr nach. Sie hielt ihr Versprechen und war bis zum Tod ihrer Mutter im Jahr 1992 für sie da. Margit hatte keine eigene Familie. „Sie war aufs Alleinleben eingestellt und hat es nie bereut, dass sie kinderlos geblieben ist“, berichtet ihr Neffe. Mit ihm verband sie eine tiefe Herzensbindung. „Ich war ihr Kind.“ Dieses innige Verhältnis kam nicht von ungefähr. „Ich habe als Kind immer die Sommerferien bei meiner Tante und meinem Opa verbracht.“ Günther erinnert sich an wunderschöne Tage mit seiner „Zweitmama“. „Sie hat viel mit mir unternommen, ist mit mir oft baden gegangen.“ Margit mochte den Bodensee. „Ab einer Wassertemperatur von 17 Grad drehte sie ihre Runden im See.“ Seine Tante war sportlich, ging auch gerne wandern und Ski fahren. Reisefreudig war Margit bis ins hohe Alter. „Mit fast 90 ist sie noch mit einem Bus nach Südtirol gefahren.“ Nach dem Tod ihres Bruders im Jahr 2007 kümmerte sich Günther verstärkt um seine alleinstehende alte Tante. Unter anderem sorgte er dafür, dass sie zu Hause bleiben konnte und eine 24-Stunden-Pflegerin ins Haus kam. Nach einem Sturz im eigenen Heim musste sie im August 2018 ins Jesu-Heim in Lochau übersiedeln. Im Pflegeheim lebte sie in einem Zimmer mit Seeblick. Der Ausblick auf den See machte ihr viel Freude. Auch das Jassen mit einer Mitarbeiterin bereitete ihr großes Vergnügen. „Ihre Jass-Partnerin hat so gut wie fast nie gewonnen“, zeigt Günther auf, dass seine geliebte Tante bis zuletzt geistig fit war und sich des Lebens erfreute.

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