Angst vor der dritten Welle

Wochenlang gab es für Leo Matzneller nichts anderes als Intensivstationen, doch sie retteten ihm letztlich das Leben. khbg

Wochenlang gab es für Leo Matzneller nichts anderes als Intensivstationen, doch sie retteten ihm letztlich das Leben. khbg

In den Krankenhäusern werden schon Vorbereitungen getroffen.

feldkirch Die Ansage war unmissverständlich. „Wir rechnen nach den Feiertagen mit einer dritten Welle“, konstatierte der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, bei einer Pressekonferenz zur Lage der Spitäler nüchtern. Die Vorbereitungen darauf würden bereits laufen. Sie konzentrieren sich laut Fleisch vor allem darauf, trotz Corona möglichst wenig Behandlungseinschränkungen veranlassen zu müssen.

Derzeit sei die Situation zwar entspannter, aber weit entfernt von entspannt. Noch immer müssen täglich sechs bis zehn Covidpatienten aufgenommen werden. Aktuell sind es 104, davon benötigen 19 ein Intensivbett, 13 eine Beatmung. Gerald Fleisch machte auch deutlich, dass Covid19 nicht mehr nur eine Erkrankung des Alters ist. „Wir behandeln auch schwerstkranke jüngere und junge Patienten.“

Testen und impfen

Er appellierte an die Bevölkerung, sich unbedingt testen und impfen zu lassen. Für das Krankenhauspersonal ist eine klassische Impfpflicht nicht vorgesehen, „wohl aber wird es Bereiche geben, in denen Mitarbeiter nur mit Impfung tätig sein können“, umschiffte der KHBG-Direktor elegant diese Klippe. Es sei auch Aufgabe des Dienstgebers, bei den Beschäftigten das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Impfung zu stärken. Vorher gilt es aber noch, die befürchtete dritte Welle abzuwehren. Würde sie sich zu schnell aufbauen, wären die Folgen für das Gesundheitssystem fatal, warnte Gerald Fleisch.

Für die Spitäler geht ein forderndes Jahr zu Ende. Chefarzt Primar Wolfgang Elsäßer konnte jedoch berichten, dass die die Operationskapazitäten wieder bei 75 Prozent liegen und alle, während des ersten Lockdowns verschobenen Operationen über den Sommer nachgeholt wurden. Während beim ersten Lockdown die Spitäler quasi abgeriegelt worden waren, wird jetzt flexibler agiert. „Wir haben das OP-Programm laufend an die aktuellen Gegebenheiten angepasst“, erklärte Elsäßer. So konnten alle wichtigen Eingriffe durchgeführt und Ambulanzen offengehalten werden. Zudem erfolgt die Betreuung von Patienten, die erst im Spital Covidsymptome entwickeln, direkt auf der jeweiligen Fachabteilung.

Pandemie-Marathon

Enormen Belastungen war und ist das Pflegepersonal ausgesetzt. Mitarbeitende müssen auf anderen Stationen aushelfen, Dienstpläne halten nicht, positiv getestete Beschäftigte fallen aus. „Viele haben am Limit und darüber hinaus gearbeitet“, verdeutlichte der Feldkircher Pflegedirektor Michael Scheffknecht das Ausmaß der Belastung. Besonders die hohe Todesrate – in den Krankenhäusern starben bislang 127 Personen am oder mit dem Virus – sei für die beteiligten Mitarbeiter nur schwer zu verkraften. „Oft sind diese Patienten über mehrere Wochen gepflegt worden.“

Verwaltungsdirektor Harald Maikisch verglich die Pandemie mit einem Marathon. Der Unterschied: „Beim Marathon erreicht man nach Kilometer 42 das Ziel. Die Pandemie hingegen ist noch lange nicht zu Ende.“ Auch aus seiner Sicht könnte die Impfung die Trendwende bringen, „vorausgesetzt sie wird von der Bevölkerung angenommen“. Einig waren sich alle darin, dass das Geschehen die Zuammenarbeit zwischen den Spitälern gestärkt hat. VN-MM

Aktuelle Spitalsdaten

33.967 Operationen wurden von Jänner bis November in den Landeskrankenhäusern durchgeführt. Das sind um 2,55 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

 

9 von insgesamt zwölf Operationssälen konnten im Landeskrankenhaus Feldkirch wieder in Betrieb genommen werden.

 

10 Prozent betrug die Erhöhung bei den Eingriffen in der Augenheilkunde.

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