„Keine Einschränkungen nach der Impfung“

Volkswirtschaftler David Stadelmann plädiert für mehr Freiheiten für Corona-Immune.

Schwarzach Die Impfung naht. Aber was geschieht danach? Diese Frage ist bisher nicht geklärt. Müssen Menschen trotz Coronaimpfung alle Einschränkungen befolgen? Oder können sie wieder ein halbwegs normales Leben führen? Für den Vorarlberger Professor für Volkswirtschaft, David Stadelmann, steht fest: Ohne positive Anreize wird es nicht funktionieren. Der Forscher an der Universität Bayreuth plädiert seit dem Frühjahr für ein Immunitätszertifikat. Mit der Impfung habe das Thema neue Aktualität erreicht, ist er überzeugt.

Die geringe Beteiligung an den Massentests sei ein mahnendes Beispiel: „Sie zeigt, was passiert, wenn es keine positiven Anreize gibt.“ 70 Prozent hätten wenig Sinn darin gesehen. „Man hätte jedoch die Chance gehabt, gleichzeitig einen Antikörpertest zu machen. Das wäre positiv für die Gesellschaft und positiv für den Einzelnen gewesen“, ist Stadelmann überzeugt. „Es hätte Vorteile gehabt. Bei einem positiven Antikörpertest hätte man zum Beispiel die Großmutter zu Weihnachten ohne größere Angst besuchen können.“

Fünf Monate immun

Einer in New York mit 30.000 Menschen durchgeführten Studie zufolge hält die Immunität zumindest fünf Monate. Auch eine Innsbrucker Studie bestätigte kürzlich die Immunität (die VN berichteten). Mehr, als dass sie drei Monate nicht als Kontaktperson geführt werden, können sich Immune derzeit allerdings nicht erwarten. Stadelmann kann das nicht nachvollziehen. „Es gibt keinen Grund, diese Personen irgendeiner Einschränkung auszusetzen.“

In Island zum Beispiel sind Menschen nach einer überstandenen Covid19-Krankheit von der Maskenpflicht befreit. Stadelmann bekräftigt deshalb die Forderung nach einem Zertifikat für natürlich und dank einer Impfung bald künstlich Immune.

Die bevorstehenden Impfungen sind für den Wissenschaftler ein weiteres Argument. Zu Beginn werden nur wenige Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden können. „Es sollen keine Impfungen verschwendet werden. Menschen mit Antikörpern bräuchte man am Anfang nicht zu impfen.“ Außerdem müsse der Bevölkerung ein positiver Anreiz geboten werden, damit sie sich impfen lasse. Vor allem sollte jeder Immune von den Einschränkungen befreit werden. Als Nachweis könne das Impfzertifikat reichen.

Das sei vielleicht ein kurzfristiger Nachteil für jene, die nicht geimpft werden. „Derzeit haben alle einen Nachteil. Bald aber nur mehr jene, die nicht immun sind.“ Außerdem gebe es schon jetzt eine Zweiklassengesellschaft.

Ende ist in Sicht

„Leute, die eine Krankheit durchgemacht haben und in Isolation waren, werden nicht berücksichtigt. Auch sie mussten noch einmal einen Lockdown mitmachen, obwohl sie nicht gefährlich sind. Sie sind also benachteiligt worden.“ Stadelmann ist überzeugt: Ein Ende ist in Sicht. „Je mehr sich impfen lassen, desto schneller ist es vorbei. Dann wird es nur noch im internationalen Reiseverkehr Einschränkungen geben.“ Ohne positive Anreize befürchtet er hingegen eine geringe Teilnahme. VN-MIP

„Derzeit haben alle einen Nachteil. Bald aber nur mehr jene, die nicht immun sind.“

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