Coronavirus greift auch die Seele an

Existenz- und Zukunftsängste plagen die Menschen am stärksten.

Bregenz Corona macht krank, und zwar nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Das geht aus Erfahrungsberichten hervor, die das Land in den vergangenen Monaten von Institutionen zusammengetragen hat. Rund 120 solcher Berichte sind bislang zusammengekommen, und sie erzählen vor allem von Zukunfts- und Existenzängsten, von depressiven Störungen, Vereinsamung und vermehrtem Alkoholmissbrauch.

Viel Zeit zum Grübeln

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher nahm dies zum Anlass, um an die Bevölkerung zu appellieren, bei Bedarf unbedingt Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Es geht nicht nur um körperliche Gesundheit“, betonte sie bei einer Pressekonferenz. Ebenso wichtig seien das seelische Wohlbefinden und ein gutes soziales Umfeld. In Vorarlberg bietet ein Netz von 14 Einrichtungen erste Hilfe für die Seele.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr nahm die Zahl der Ratsuchenden ab. Im Mai schnellte sie dann umso rasanter in die Höhe. So nahmen etwa die Kontakte bei der Telefonseelsorge in dieser Zeit um 40 Prozent zu. „Vieles ist verboten, Kontakte fehlen, man kann nicht ins Kino oder ins Theater: Das zehrt an den Menschen“,

sagte Thomas Neubacher vom Funktionsbereich Sozialpsychiatrie und Sucht in der Landesregierung. Zudem hätten die Leute viel Zeit zum Nachdenken und Grübeln. Da würden oft alte Wunden wieder aufbrechen und zu weiteren Belastungen führen. Auch Existenzsorgen verstärken psychische Probleme häufig. Bei Kindern- und Jugendlichen wird ein zunehmend ungesunder Medienkonsum befürchtet, weil andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung fast komplett fehlen.

In der Krise konnte laut Martina Rüscher in relativ kurzer Zeit eine Hilfsstruktur koordiniert werden, ohne neue Maßnahmen erfinden zu müssen. Einige Institutionen haben aufgrund der Pandemie sogar spezifische Zugänge für Betroffene geschaffen. Eine Erweiterung erfuhr auch die xsund-App. Dort sind jetzt zusätzlich zahlreiche psychosoziale Hilfsangebote aufgelistet. Eine kompakte Übersicht liefert ebenso die Webseite www.vorarlberg.at.

Bewegung an der frischen Luft

Psychotherapeut Reinhard Haller empfiehlt, eine möglichst gute Einstellung zu finden und der Krise den Panikcharakter zu nehmen, denn: „Eine Krise geht vorbei.“ Man könne den Lockdown nutzen, um aufgeschobene Dinge zu erledigen sowie alte Kontakte wieder aufzufrischen, und statt nach Mallorca könne man für einmal eine Reise nach innen antreten. Der Psyche ebenfalls förderlich sei Bewegung an der frischen Luft. „Es sollte sich aber niemand scheuen, professionelle Unterstützung zu suchen, wenn er diese benötigt“, bekräftigte auch Haller. VN-MM

„Es ist wichtig, eine gute Einstellung zur Krise zu finden, denn Krisen gehen vorbei.“

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