Frühe Hilfen kommen oft spät

In Coronazeiten sind die Belastungen für junge Familien gestiegen. voki

In Coronazeiten sind die Belastungen für junge Familien gestiegen. voki

Netzwerk Familie verzeichnet derzeit viel weniger Zuweisungen.

Bregenz Im Februar erwarteten Simone und Paul Zwillinge. Es war eine ungeplante Schwangerschaft. Beide Elternteile waren berufstätig, der sechsjährige Sohn besuchte die erste Klasse Volksschule. Kurz nach der Geburt der Zwillinge verlor der Vater wegen der Coronakrise seinen Job, die familiäre Situation verschärfte sich zusehends.

Vor allem der finanzielle Druck machte dem Paar zu schaffen. Dazu das plötzliche Homeschooling, das den Buben überforderte, und daneben galt es auch noch die Zwillinge zu versorgen. Auf die Hilfe der Großeltern musste die Familie verzichten, da diese im Ausland leben. Schließlich stellte das Krankenhaus den Kontakt zum Netzwerk Familie her. Dank dieser Unterstützung und der Vermittlung einer Spende entspannte sich die prekäre Lage zumindest etwas. Außerdem hat der Vater inzwischen wieder eine Arbeitsstelle.

Nicht zögern, Hilfe holen

Dieser von Christine Rinner aus dem ersten Lockdown geschilderte Fall ist kein Einzelfall. „Familien, die es brauchen würden, erhalten Unterstützung durch Frühe Hilfen derzeit nicht oder erst viel später“, bedauert die Expertin des Vorarlberger Kinderdorfs, die das Präventivangebot Netzwerk Familie leitet. Es würden weniger Familien als gewohnt zugewiesen, obwohl aufgrund der Covid-19-Pandemie erhöhter Unterstützungsbedarf bestehe. „Eltern sollten trotz Corona nicht zögern, direkt beim Netzwerk Familie Hilfe zu holen“, betont Rinner. Die Vermittlung erfolgt vielfach durch Krankenhäuser oder niedergelassene Ärzte. „Der Übergang vom Gesundheits- ins Sozialsystem ist erschwert. Es ist spürbar, dass vor allem die Krankenhäuser in einem Ausnahmezustand sind“, erläutert Christine Rinner. Dabei komme unkomplizierten, möglichst frühen Hilfestellungen gerade jetzt besondere Bedeutung zu. Schon vor der Geburt eines Babys seien die Ängste und Sorgen der Eltern momentan weit größer. Ist das Baby dann auf der Welt, fallen für Mütter und Väter viele Möglichkeiten der Entlastung und des Austausches weg, etwa durch Großeltern, den Freundeskreis oder Babytreffs. Rinner: „Dies alles führt zu mehr Unsicherheit und Stress, der sich auf die Kinder überträgt.“

Belastungsfaktoren

Netzwerk Familie, das vom Vorarlberger Kinderdorf, der aks gesundheit sowie den Kinder- und Jugendärzten betragen wird, begleitet aktuell 229 Familien mit 449 Kindern in ganz Vorarlberg. Die bedarfsgerechte Unterstützung richtet sich vor allem an Eltern, die rund um den Zeitpunkt der Geburt eines Babys in einer prekären Lebenssituation stecken, sei es aufgrund psychischer Probleme, Armut, sozialer Isolation, Überforderung oder Zukunftsängsten. Die Coronakrise verstärke diese Belastungsfaktoren enorm. VN-MM

„Derzeit fallen für Eltern viele Möglichkeiten der Entlastung und des Austausches weg.“

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