Der Schutzengel fuhr mit

Christine Stemer freut sich, dass sie mit ihrem Sohn den Advent erleben darf.

Christine Stemer freut sich, dass sie mit ihrem Sohn den Advent erleben darf.

Christine Stemer dachte, dass ihre letzte Stunde geschlagen hat. Aber sie und ihr Sohn (5) überlebten den Unfall.

Lauterach Nach einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße in Lauterach (Höhe Zollamt) ist Christine Stemer (32) klargeworden, wie zerbrechlich das Leben ist und wie schnell alles aus sein kann. „Da könnte jetzt ein drittes Kreuz stehen“, sagt die gebürtige Montafonerin und zeigt auf zwei Kreuze, die am Straßenrand stehen. Sie erinnern an einen Taxifahrer und an einen Radfahrer, die dort ihr Leben lassen mussten. Dass die junge Frau und ihr fünfjähriger Sohn Julian am Morgen des 23. April nicht aus dem Leben gerissen wurden, ist glücklichen Umständen zuzuschreiben.

Sattelzug drückte Auto zusammen

Die beiden sind an diesem Morgen mit dem Auto Richtung Dornbirn unterwegs. „Ich wollte in der Stadt einkaufen“, berichtet die zweifache Mutter. Vor der VW-Polo-Fahrerin fährt ein Sattelschlepper aus Litauen.  „Auf einmal blieb der Lkw stehen. Ich hielt auch an und dachte, dass es einen Stau gibt.“ Als die Rückleuchten des Lkw plötzlich aufleuchten, denkt sie sich: „Hoi, der setzt zurück.“ Christine versucht ebenfalls den Rückwärtsgang einzulegen.  „Aber ich war aufgeregt und habe gezittert. Der Gang ist mir herausgehüpft.“ Der Lkw-Fahrer bemerkt anscheinend nicht, dass hinter ihm ein Auto ist und fährt zurück. „Vielleicht waren wir im toten Winkel. Oder er war betrunken.“ Das Sattelfahrzeug erfasst den Wagen von Christine und schiebt ihn rund zehn Meter zurück. „Die Motorhaube meines Autos wuchs wie ein Flügel vor uns hoch. Wir sahen bei der Windschutzscheibe nicht mehr hinaus.“ Im Rückspiegel sieht Christine, wie hinter ihr ein blauer Sattelzug auf sie zurast. „Der Fahrer blendete auf, weil er sich nicht auskannte.“ Christine ist klar: „Der kann nicht mehr bremsen und kracht in uns hinein.“ Sie glaubt, dass ihre letzte Stunde geschlagen hat. Aber der Fahrer des blauen Sattelfahrzeuges kann den Crash verhindern, weil kein Gegenverkehr kommt und er Christines VW-Polo überholen kann.

Der Unfall-Verursacher, also der Lenker des litauischen Sattelzuges, fährt unterdessen in Richtung Pfändertunnel davon. „Er legte den Rückwärtsgang ein, weil er die Auffahrt nach Deutschland verpasst hat“, mutmaßt die Bürokauffrau und Landwirtin. Christine und ihr Sohn Julian sind unverletzt, stehen aber unter Schock und sind im Auto gefangen. „Die Türen klemmten. Ich habe versucht, sie einzutreten, aber ohne Erfolg.“ In diesem Moment passiert Simon Bickel (35) die Unfallstelle mit seinem Motorrad. „Ich habe das total demolierte Unfallauto und die Mutter mit dem Kind gesehen und bin sofort stehengeblieben.“ Christine erinnert sich, „dass der Ersthelfer es nur mit ganz viel Gewalt schaffte, die Tür zu öffnen“. Der Ludescher beruhigt das weinende Kind und seine Mutter. Dann sichert er die Unfallstelle ab, ruft die Polizei und bringt Mutter und Kind auf eine angrenzende Wiese in Sicherheit. „Simon blieb ruhig und reagierte super und zackig. Es war ein Glück, dass so einer wie er kam“, ist Christine dem Ersthelfer noch heute dankbar. Der in der Baubranche tätige Teamleiter leistete schon mehreren Unfallopfern Erste Hilfe. „Es passiert mir sehr oft, dass ich als Erster zu einem Unfall komme.“ Nachsatz: „Da bin ich zum Glück nicht der Falsche.“ Simon ist ausgebildeter Rettungssanitäter und war längere Zeit für den Samariter-Bund tätig. „Helfen zu können ist das schönste Gefühl überhaupt“, findet der Vater einer Tochter, der schon einigen Menschen das Leben rettete. Für Christine und ihren Sohn war Simon nichts weniger als ein Schutzengel.

Glaubt an himmlische Wesen

Die zweifache Mutter glaubt an himmlische Wesen. „Am Rückspiegel meines Autos hing ein Schutzengel aus dem Wallfahrtsort Einsiedeln. Wenn ich unterwegs war, habe ich mit ihm geredet. Zu meinen Kindern sagte ich: ,Der fährt mit uns mit.‘ Nach dem Unfall dachte ich mir:,Dieser Schutzengel hat uns jetzt geholfen.‘“

<p class="caption">Der kleine Julian wird kurz nach dem Unfall von den Polizisten als Held gefeiert. </p>

Der kleine Julian wird kurz nach dem Unfall von den Polizisten als Held gefeiert. 

„Helfen zu können ist das schönste Gefühl überhaupt.“

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