Testappell an die Lehrer

Ab Freitag wird alles ausgepackt, was für die Tests benötigt wird.  VN/Paulitsch

Ab Freitag wird alles ausgepackt, was für die Tests benötigt wird.  VN/Paulitsch

„Zeichen des Zusammenhalts und der Solidarität“. Schulen fürchten sich vor positiven Tests.

BREGENZ, FELDKIRCH Vom kommenden Freitag bis einschließlich Sonntag sind alle Vorarlbergerinnen und Vorarlberger aufgerufen, sich einem Antigen-Test zu unterziehen, um damit ihren Beitrag für einen groben Überblick des Covid-19-Geschehens im Land zu leisten. Der Test ist freiwillig.

Einen dringenden Appell, dieses Angebot anzunehmen, richtet die Bildungsdirektion Vorarlberg an die knapp 6500 Pädagoginnen und Pädagogen sowie das gesamte Schulverwaltungspersonal. In einem Brief an die Direktionen heißt es unter anderem: „Jede und jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten, infizierte asymptomatische Personen zu finden und weitere Infektionsketten zu brechen. . . . Es ist ein Schritt zurück zur Wiederaufnahme des regulären Schulbetriebs in einem sicheren Umfeld. Die freiwillige Testung ist eine Momentaufnahme, dennoch können wir so zusätzlich etwas gegen die Pandemie unternehmen.“ Der Brief ist unterzeichnet von Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (59) und Evelyn Marte-Stefani (59).

Unbeantwortete Fragen

In der Lehrerschaft muss dieser Appell wohl erst noch wirken. „Es haben sich schon einige KollegInnen bei mir gemeldet, die sich zum Teil sehr kritisch zum Test geäußert haben“, berichtet Pflichtschullehrervertreter Willi Witzemann (61). „Viele fragen sich: Warum sollen sich gesunde Menschen testen lassen?“ Ein am 25. November an den Landessanitätsdirektor geschickter Frageboben von der Lehrervertretung sei bisher unbeantwortet geblieben“, erwähnt Witzemann. In diesem wurden mehrere Fragen bezüglich Testsicherheit – bzw. Qualität sowie des Datenschutzes formuliert. Den VN liegt der Brief vor.

Gerhard Pusnik (61), Sprecher der Vorarlberger AHS-Lehrer, betont die Freiwilligkeit der Testung und würde sich einen weiteren Test zur Gewährleistung einer sicheren Aussage wünschen. „Ein einzelner Test ist eine Momentaufnahme, der aber wenigstens viele positive Fälle herausfiltern würde“, räumt Pusnik ein. Vielmehr spricht sich der AHS-Lehrervertreter in der heiklen Situation aber für gezielte Maßnahmen im Rahmen der empfohlenen Richtlinien im Schulbetrieb aus. Beide Lehrervertreter deuten an, sich selber testen zu lassen.

Dass die Eltern das Recht haben sollen zu wissen, ob ihr Kind von einem getesteten oder nicht getesteten Lehrer unterrichtet wird, lehnen die Lehrervertreter kategorisch ab. „Das geht niemanden etwas an. Hier geht es um persönliche Daten“, sagt Witzemann.

Michael Tagger (57), Pflichtschul­elternvertreter, appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Lehrer gegenüber den Kindern und der ganzen Gesellschaft. „Es ist natürlich jeder Lehrperson freigestellt, sich testen zu lassen. Ich würde dazu raten.“ Die Sorgen von Eltern, die gerne wüssten, ob ihre Kinder von getesteten Lehrern unterrichtet werden, seien nicht unberechtigt.

Indes befürchten die Eltern chaotische Situationen zum Neustart des Präsenzunterrichts. „Da werden wohl einige positiv getestete Pädagogen plötzlich fehlen, die sonst nie gewusst hätten, dass sie positiv sind“, glaubt Tagger.

Personalsorgen

Auf die zu erwartende sich zuspitzende Personalsituation versucht man sich vonseiten der Bildungsdirektion so gut es geht einzustellen. Der erste Ansatz dazu ist eine Regelung am Standort durch Mehrdienstleistungen der Pädagogen. Sollte das nicht funktionieren, sind die Schulen angehalten, sich mit dem zuständigen Schulqualitätsmanager in Verbindung zu setzen und nach einer Lösung zu suchen. Schließlich gilt die Rekrutierung von Lehramtsstudenten bei Personalengpässen als ultima ratio. Dafür zur Verfügung stehen laut Bildungsdirektion allerdings nur zehn Studenten. VN-HK

„Es ist jeder Lehrperson freigestellt, sich testen zu lassen. Ich würde dazu raten.“

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