Klärschlamm drückt auf das Budget

von Michael Prock
Die größte Anlage des Landes befindet sich in Meiningen. Dort könnte irgendwann eine Verbrennungsanlage entstehen.  VN/Stiplovsek

Die größte Anlage des Landes befindet sich in Meiningen. Dort könnte irgendwann eine Verbrennungsanlage entstehen.  VN/Stiplovsek

Entsorgungsplan des Gemeindeverbands ging nicht auf: Fast 500.000 Euro Mehrkosten jährlich für Gemeinden.

Dornbirn Wenn wir die Spülung drücken, den Badewannenstöpsel ziehen oder das Dreckwasser in den Gully kippen, sind wir das Wasser los. Aus den Augen, aus dem Sinn. Doch so einfach ist es nicht. Abwasser muss in der Kläranlage gereinigt werden, übrig bleibt Klärschlamm. Dieser Schlamm stellt Vorarlberg vor ein großes Problem. Denn: Wohin damit? Die Auftragsvergabe zur Entsorgung in diesem Jahr ging in die Hose. Die Gemeinden müssen nun 500.000 Euro Mehrkosten pro Jahr berappen. Das hängt mit Dünger, V-Milch und Bodenschutz zusammen.

In Vorarlberg fallen jährlich rund 30.000 Tonnen Klärschlamm an. Er wird getrocknet, verbrannt oder kompostiert. Bis vor wenigen Jahren war Klärschlammkompost ein beliebter Dünger mit miserablem Image. So miserabel, dass die Landesregierung mit der Bodenschutzverordnung der Verwendung als Dünger einen Riegel vorschieben wollte. Gelungen ist das aber erst der Privatwirtschaft, als AMA und V-Milch keine Milch mehr von Kühen auf Klärschlamm-gedüngten Feldern abnehmen wollten. Das war Ende 2018. Die Zahlen zeigen: In den vergangenen 20 Jahren verwendete die Landwirtschaft nie so wenig Klärschlamm wie 2019. Das dürfte so bleiben.

Dennoch kompostiert

Just zu dieser Zeit entschloss sich der Umweltverband, in der Klärschlammentsorgung einen neuen Weg einzuschlagen. Erstmals soll für alle ARA-Verbände (ARA steht für Abwasserreinigungsanlage) eine gemeinsame Ausschreibung erfolgen. Der Gedanke dabei: Mit der großen Menge erhält man bessere Angebote. Manche in der Branche sehen das zwar anders, die meisten Verbände waren aber froh, dass der Umweltverband übernimmt, schließlich steigen die Preise zu diesem Zeitpunkt bereits rapide an.

Der Gemeindeverband vergab den Millionenauftrag mit einer Laufzeit von drei Jahren an zwei Unternehmen. Die Götzner Firma Loacker bekam den Zuschlag für die größere Menge und schickt den Klärschlamm direkt in Schweizer Verbrennungsanlagen. Der Rankweiler Entsorger Branner bekam den Zuschlag für 11.500 Tonnen im Jahr, die zu Kompost werden. Am 1. Jänner 2020 begann der Vertrag zu laufen. Schon im Februar war klar, dass diese 11.500 Tonnen anders verwertet werden müssen, wie der Gemeindeverband in einem internen Dokument zu einem Vorstandsbeschluss schrieb: „Die Hoffnung, dass über einen gewissen Zeitraum noch Klärschlammkompost in Vorarlberg ausgebracht werden kann, hat sich bereits im Februar dieses Jahres zerschlagen.“

Der Vorstand beschloss darin eine Alternativentsorgung. Die 11.500 Tonnen der Firma Branner übernehmen die Unternehmen Loacker und Daka, was 30 Euro pro Tonne zusätzlich kostet. 13,70 Euro übernehmen die Gemeinden. Bei geschätzten 33.600 Tonnen jährlich macht das 460.000 Euro aus. Schon heuer mussten allein für die Monate Februar bis September 500.000 Euro zusätzlich bezahlt werden, 280.000 Euro davon hatten die Gemeinden zu stemmen. Das erste Vertragsjahr ist fast vorbei, zwei Jahre folgen. Vorarlbergs Gemeinden müssen also über eine Million Euro Mehrkosten berappen. Das wiederum dürfte sich auf die Gebühren für die Abwasserreinigung auswirken.

Mögliche Verbrennungsanlage

Der Gemeindeverband ist überzeugt, immer noch günstiger zu sein. „Wir mussten rasch eine Lösung finden. Es ist nun ein bisschen teurer geworden, aber wir haben immer noch einen guten Preis im Vergleich zu anderen Bundesländern“, erläutert Umweltverbands-Geschäftsführer Herbert Koschier. Es sei nicht weiter tragisch. Die größte Anlage im Land, die ARA Meiningen, hat schon reagiert. Um 100.000 Euro wurde das Budget 2021 erhöht, nachdem bereits heuer mehr Geld nötig war.

In der Zukunft wolle man die Entsorgung auf komplett neue Beine stellen, versichert Koschier. Es sei noch zu früh, etwas zu sagen, allerdings könnte schon im ersten Halbjahr 2021 eine Ausschreibung erfolgen. In der Branche wird gemunkelt, dass Vorarlberg eine eigene Verbrennungsanlage erhält. Auch die Wissenschaft steht vor einem Durchbruch. In den kommenden Jahren könnte ein Verfahren serienreif entwickelt werden, das den wertvollen Phosphor aus dem Klärschlamm filtert. Bis dahin wird aber noch viel Wasser die Toiletten des Landes runtergespült.

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