Uniform statt Hörsaal

Die 18-jährige Lauteracherin ist seit Anfang September Teil des Roten Kreuzes.

Die 18-jährige Lauteracherin ist seit Anfang September Teil des Roten Kreuzes.

Maria Natter ist ein Jahr lang für das Rote Kreuz im Einsatz.

Bregenz Plötzlich war Maria Natter mittendrin. Ihre erste echte Reanimation. Keine drei Monate ist die 18-Jährige zu diesem Zeitpunkt beim Roten Kreuz, schon wird es ernst. Rippen knacksen. Sie ist für die Herzmassage zuständig. „Das ist mir sehr in Erinnerung geblieben.“ Seit September absolviert die Lauteracherin ein freiwilliges soziales Jahr beim Roten Kreuz in Bregenz. In dieser kurzen Zeit hat sie schon viel gelernt.

Maria Natter wohnt in Lauterach. Heuer hat sie am Gymnasium Gallusstraße in Bregenz maturiert. „Dann habe ich nicht wirklich gewusst, was ich tun soll.“ Zwei Optionen standen offen: Jus oder Lehramt studieren. Sie entschied sich für eine Nachdenkpause und etwas ganz anderes. „Ich kenne einige, die schon ein freiwilliges soziales Jahr gemacht haben. Denen hat das sehr gut gefallen. Also dachte ich mir: Gut, mach ich es auch.“

Ihre Rettungserfahrung beschränkt sich auf den Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein, als sie am 2. September mit dem Sanitäterkurs beginnt. Maria Natter ist quasi die Henne im Korb. „Die Ausbildung mit den Zivildienern dauert eineinhalb Monate. Am 22. Oktober war die Abschlussprüfung, nun bin ich ausgebildete Sanitäterin“, erzählt sie stolz. Die 18-Jährige ist froh, dass sie erst im Herbst zum Roten Kreuz gestoßen ist. „Die Zivis im Frühjahr mussten ihren Kurs online abhalten. Jetzt konnten wir mit Maske anwesend sein.“ Nicht nur der Sanitäterkurs ist von der Coronakrise beeinflusst. Das Rote Kreuz ist insgesamt seit März stärker gefordert als zuvor. Auch die 18-Jährige hat das von Beginn an gemerkt, berichtet sie. „Als ich zum ersten Mal in voller Schutzmontur mit Schutzhaube, Mantel und Brille einen Patienten transportiert habe, war das schon ungewohnt. Aber es ist halb so schlimm.“ FFP2-Masken müssen sowieso ständig getragen werden. Es sei nicht ungewöhnlich, dass sechs solche Transporte am Tag anstehen.

Als Mitarbeiterin im Rettungsdienst stehen Coronatests an der Tagesordnung. Viermal hatte sie in den drei Monaten das Wattestäbchen bereits in der Nase. Ob sie in einer Woche bei den Massentests im Land selbst mit dem Wattestäbchen hantiert, ist aber noch nicht klar. „Wir bekommen jedenfalls am Samstag eine Einschulung.“

Eindrückliches Erlebnis

Auch die Herzdruckmassage hat sie gelernt. Wieder erinnert sich Maria Natter an ihre erste Reanimation. „Für andere ist das wahrscheinlich weniger eindrucksvoll.“ Dass einer 18-Jährigen dieses Erlebnis in Erinnerung bleibt, ist klar. „Es ist schon etwas anderes, wenn plötzlich ein echter Mensch vor dir liegt und du musst in den Brustkorb reindrücken.“ Sie macht eine Pause. „Die Reanimation war leider nicht erfolgreich.“ Der Rettungsdienst ist kein Zuckerschlecken. Aber sie betont: „Mir gefällt es bisher sehr gut.“

Abschalten kann sie beim Sport und bei Treffen mit Freunden. „Das ist leider derzeit nicht möglich.“ Deswegen sei sie momentan eben entweder am Arbeiten oder alleine in der Natur zum Joggen oder Spazieren. Ihren früheren Lieblingssport, Voltigieren, hat sie aufgehört.

Maria Natter hat noch neun Monate Dienst vor sich. Also Zeit genug, sich zu überlegen, wie es danach weitergeht. Ob Jus oder Lehramt, Hauptsache Wien. Vielleicht kommt es aber auch anders, sagt die frischgebackene 18-jährige Rettungssanitäterin. „Sag niemals nie.“ VN-mip

Zur Person

Maria Natter

absolviert ein freiwilliges soziales Jahr beim Roten Kreuz in Bregenz

Geboren 27. Februar 2002

Ausbildung Matura BG Gallusstraße

Wohnort Lauterach

Familie Wohnt mit ihrem Bruder (14) bei ihren Eltern

Lieblingsspeise Pizza

Lieblingsmusik Alles quer durch die Bank: „Mein Musikgeschmack ist ein bisschen seltsam“

Hobbys Sport, mit Freunden was unternehmen

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