Streit um Skigebiete spitzt sich zu

Ausflüge verboten: Bayern verschärft Ausnahmeregelung für den kleinen Grenzverkehr.

münchen, bregenz Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht ernst: Wer ab Dezember in ein Corona-Risikogebiet wie Vorarlberg zum Skifahren reist, muss zehn Tage in Quarantäne. Das gilt auch für Tagesausflüge. Die bisherige Möglichkeit, im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs für bis zu 24 Stunden quarantänefrei ins Ausland zu fahren, wird auf triftige Gründe beschränkt. Dazu zählen insbesondere Arbeit, Schule, Arztbesuche, familiäre Angelegenheiten, Geschäfte des täglichen Bedarfs. Touristische und sportliche Zwecke – darunter Skifahren – fallen nicht darunter. Für Vorarlberg könnten die bayerischen Pläne massive Auswirkungen haben. Mehr als die Hälfte der Skitouristen kommt aus Deutschland.

Kritik an Ischgl

Der bayerische Regierungschef sparte am Donnerstag nicht mit Kritik an Österreich. „Halb Europa ist im Frühjahr von Ischgl aus mit infiziert worden“, sagte er mit Blick auf den Tiroler Skiort, von dem im Winter zahlreiche Infektionen in mehreren Ländern ausgegangen waren. Nach der bisherigen bayerischen Einreise-Quarantäneverordnung ist es möglich, sich im kleinen Grenzverkehr bis zu 24 Stunden im Risikogebiet aufzuhalten, ohne nach der Rückkehr in Quarantäne zu müssen. Wie die Ausnahmeregeln künftig konkret geregelt sind, stand noch nicht fest. Die aktuelle Verordnung gilt bis 30. November.

Söder hatte sich bereits seit Tagen vehement für ein europaweites Verbot des Skitourismus eingesetzt. Damit unterstützt er einen Vorstoß des italienischen Ministerpräsident Giuseppe Conte, der gefordert hatte, die Skigebiete bis mindestens 10. Jänner geschlossen zu halten. Auch die deutsche Regierungschefin Angela Merkel sprach sich dafür aus. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wollte davon nichts wissen. Er lehnt eine länderübergreifende Verschiebung der Saisoneröffnung ab.

Der Koalitionspartner von Söders CSU in Bayern hatte sich zuletzt skeptisch über pauschale Schließungen geäußert. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern drückte nach der Kabinettsitzung in München die Hoffnung aus, dass der Skitourismus zumindest im neuen Jahr anlaufen könne. „Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt werden.“ Gleichzeitig appellierte er an Nachbarländer wie Österreich und die Schweiz, eine einheitliche Strategie mitzutragen. „Ich hoffe auf Vernunft auf beiden Seiten.“ Bei positivem Verlauf könne vielleicht schon Mitte Dezember eine Vision für die nähere Zukunft in Aussicht gestellt werden.

„Erneuter Querschuss“

Vorarlbergs Tourismuslandesrat Christian Gantner (ÖVP) sprach von einer drastischen Ankündigung Söders, die zum aktuellen Zeitpunkt nicht wirklich nachvollziehbar sei. Derzeit stehe die Entwicklung der Coronazahlen im Vordergrund – davon hänge letztendlich auch ab, ob die Skigebiete geöffnet werden können oder nicht. „Wir lassen uns von diesem erneuten Querschuss nicht beunruhigen.“ VN-RAM, MIP

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