Die Rettung unter Dauer-Desinfektion

von Michael Prock
Peter Schenk holt das Gerät, das hilft, den Wagen bis in die kleinste Ecke zu desinfizieren. Im Frühjahr gab es so etwas noch nicht.

Peter Schenk holt das Gerät, das hilft, den Wagen bis in die kleinste Ecke zu desinfizieren. Im Frühjahr gab es so etwas noch nicht.

Die Einsätze des Roten Kreuz haben sich seit Beginn der Corona­krise stark verändert, wie ein Blick in die Dienststelle Bregenz zeigt.

Bregenz Und schon wieder ein Notruf. Kaum desinfiziert, wieder rein ins Auto. Blaulicht an, los geht‘s. Eine Patientin mit Kopfverletzung wartet im Altersheim. Was die Sanitäter erst am Einsatzort erfahren: Aus dem Krankentransport wird ein Covid19-Transport. Die Patientin hat seit kurzem Schüttelfrost, Fieber und Husten. Ein Klassiker, sagt einer der Rettungsmänner. Für ihn bedeutet das nun: Maske und Haube auf und rein in den Schutzanzug. Die Arbeit des Roten Kreuzes hat sich seit März extrem verändert.

Desinfektionsaufwand

Bregenz, Arlbergstraße. Ein Rettungsauto steht in der Reinigungsgarage im weiß gefliesten Keller der Rotkreuz-Dienststelle. In der Luft hängt ein Geruchsgemisch aus Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Es hallt. Aus dem verschlossenen Rettungsauto surrt es. Ein kleiner weißer Kasten bläst drei Minuten lang Wasserstoffperoxid in das Wageninnere, danach muss es einwirken. Damit wird das Auto bis in die letzte Ritze desinfiziert. Nach einer halben Stunde öffnet Peter Schenk die Wagentüre, holt den Kasten raus und fängt an, über die Kästen, Tragen und Türgriffe zu wischen. Eine Reinigung kann bis zu 60 Minuten dauern, zudem muss das Auto gelüftet werden. „In Summe haben wir durch einen Covid-Transport eineinhalb Stunden Mehraufwand“, erläutert Landesrettungskommandant Werner Meisinger. Beim Krankenhaus werden die Patienten durch Infektionsschleusen geführt. Anschließend müssen sich die Sanitäter aus dem Anzug befreien, inklusive mehrfacher Desinfektion.

Diese Prozedur wiederholt sich nach jedem Transport. Das bedeutet nicht nur, dass der Wagen in dieser Zeit nicht zur Verfügung steht, sondern auch einen erheblichen Mehraufwand für die Sanitäter. „Zwischen 50 und 70 Prozent der Einsätze sind Covid-Transporte“, sagt Andreas Judex, Leiter der Dienststelle Bregenz.

Die Garagentüre öffnet sich, ein weiteres Auto fährt in die Garage. Fahrer Markus Bösch steigt aus. Er ist Mitarbeiter in der Dienststelle Lustenau, hilft derzeit aber in Bregenz aus, wie der 42-Jährige erzählt. Bösch ist auch ehrenamtlich im Einsatz; und zwar in der Dienststelle Hohenems. Speziell für die Freiwilligen sei die Situation eine besondere Belastung, sagt Meisinger. Sie übernehmen in der Regel den Nachtdienst. „Untertags arbeiten sie in ihrem Brotberuf. Normalerweise haben sie ein paar Stunden Schlaf. Momentan kaum.“

Markus Bösch ist seit 20 Jahren dabei. „Ich kann mich an eine Infektionsfahrt erinnern, das war ein TBC-Patient.“ Nun sind es mehrere täglich. Schutzausrüstung ist genug vorhanden, im Gegensatz zum ersten Lockdown. Die Zahl der Fahrten hat sich ebenfalls verändert. Während im ersten Lockdown das Leben fast stillstand, haben sich die normalen Einsätze nun kaum verringert. Am Dienstag hat es 113 Fahrten gegeben, berichtet Andreas Judex. „Die Covid-Fahrten kommen einfach dazu.“ Meisinger ergänzt: „Nur die ausgehbedingten Einsätze haben aufgehört.“

Neben den Rettungsfahrten hat das Rote Kreuz in der Coronakrise auch andere Aufgaben übernommen, allen voran die Coronatests. Fahrten wie zur Patientin mit der Kopfverletzung bleiben dennoch die Hauptaufgabe. Die Frau ist mittlerweile versorgt und wird nach Feldkirch gebracht. Das CT-Gerät in Bregenz ist nämlich kaputt. Aber das ist derzeit das kleinste Problem.

<p class="caption">Nach jedem Einsatz mit Covid-Patienten oder Corona-Verdachtsfällen wird der Rettungswagen gründlich desinfiziert.</p>

Nach jedem Einsatz mit Covid-Patienten oder Corona-Verdachtsfällen wird der Rettungswagen gründlich desinfiziert.

<p class="caption">Aus der Patientin mit Kopfverletzung wird ein Covid-Transport. Ab in die Schutzausrüstung.  VN/Paulitsch</p>

Aus der Patientin mit Kopfverletzung wird ein Covid-Transport. Ab in die Schutzausrüstung.  VN/Paulitsch

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.