Fremdwort namens Angst

Martha Mittelberger freut sich auf ihre Pension. VN/Hämmerle

Martha Mittelberger freut sich auf ihre Pension. VN/Hämmerle

Krankenpflegerin Martha Mittelberger erledigt ihren Job souverän.

Lustenau Martha Mittelberger feierte am vergangenen Samstag ihren 60. Geburtstag. Im Gemeinschaftshof der wunderschönen Wohnanlage in Lustenau hängt noch ein Luftballon als Zahl 60 geformt. Noch eine Woche wird die gebürtige Osttirolerin arbeiten, dann tritt sie in Ruhestand.

Corona hat sie quasi in die Pension begleitet. Als große Herausforderung, welcher sich die erfahrene diplomierte Krankenpflegerin mit Bravour stellte. „Natürlich ist das alles eine große Herausforderung für uns“, sagt die freundliche Dame unaufgeregt. Und beschwichtigt sogleich. „Wir sind ja mit Schutzausrüstung so gut ausgestattet, dass uns und den von uns betreuten Patienten nichts passieren kann.“ 

Dass ihr das Finale ihres Arbeitslebens noch eine solch dramatische Erfahrung beschert, nimmt Martha Mittelberger mit Gleichmut. Wiewohl sie bedauert, in vorgeschriebener Distanz zu Patienten und vor allem Kolleginnen ihr Tagwerk zu verichten. „Wir kommen gestaffelt an unseren Arbeitsplatz, sind in den Büros höchstens zu zweit. Es gibt keinen Kaffee mehr mit den Kolleginnen am Feierabend, kein Abladen dessen, was dich  belastet. All diese Dinge vermisse ich sehr. Weil ich sie immer sehr gerne in Anspruch genommen habe“, erzählt die dreifache Mutter und einfache Großmutter.

Corona hat selbstverständlich auch die Arbeitsweise verändert. „Wir tragen stets Maske, zu Patienten, die Covid-krank sind, kommen wir nur in voller Schutzausrüstung. Das ist schon oft beschwerlich und erschwert die Kommunikation.“

Das Problem mit den Masken

Nicht selten verstehen die alten Leute ihre maskentragenden Pflegerinnen nicht. „Wir kommen mit den Masken auch gerne ins Schwitzen, wenn wir etwa unsere Patienten in der Dusche mit warmem Wasser waschen. Dabei hat Martha Mittelberger den ersten Lockdown als viel schlimmer empfunden. „Da kannten wir noch nichts, hatten viel mehr Respekt. Jetzt ist Corona nicht mehr etwas so Unbekanntes. Wir kennen überall Menschen, die davon betroffen sind.“

Nicht nur das: Martha Mittelberger erlebt auch viel soziale Vereinsamung, welche die älteren Menschen sehr hart trifft. Wenn sie etwa durch eine gefährliche Ansteckungssituation von ihren Familienmitgliedern getrennt werden, oder wenn sie ins Spital müssen und dort einsam sind. „Am härtesten trifft es demente Personen. Weil die kennen sich überhaupt nicht mehr aus und haben auch keine Chance, das alles zu verstehen.“

Dankbarkeit

Corona bringt allerdings auch schöne menschliche Züge zum Vorschein. „Menschen, die wir betreuen, zeigen Dankbarkeit und Anerkennung, wissen zu schätzen, dass wir sie nicht alleine lassen und ihnen zur Seite stehen. Das ist auch für uns ein gutes Gefühl“, beschreibt Mittelberger ihre Erfahrungen.

Die Krankenpflegerin weiß von ihrer Biografie her, was es heißt, auf andere Rücksicht zu nehmen und für Mitmenschen da zu sein. Sie entstammt einer Großfamilie im Osttirol und hat sechs Geschwister. „Natürlich bekommst du da schon einiges an sozialem Rüstzeug für dein späteres Leben mit.“ Krankenschwester wurde sie auch deswegen, weil schon eine ihrer Schwestern diesen Berufsweg eingeschlagen hatte und sie sich von ihr inspirieren ließ. In Innsbruck lernte sie ihren Vorarlberger Mann kennen, durch den es sie ins Ländle verschlug. VN-HK

Zur Person

Martha Mittelberger

Martha Mittelberger ist als diplomierte Krankenpflegerin im Krankenpflegeverein Lustenau tätig

Geboren 21. November 1960

Beruf Krankenpflegerin

Wohnhaft Lustenau

Familie Verheiratet, drei Kinder

Hobbys Natur, Seifensieden

Lieblingsspeise Osttiroler Schlipfkrapfen

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