Corona fordert die ambulante Pflege

von Marlies Mohr

Vorzeitige Patientenentlassungen und positive Fälle beschäftigen Hauskrankenpflege.

Dornbirn, Schruns Die Restriktionen, die das Coronavirus den Krankenhäusern derzeit abnötigt, bringen auch die ambulanten Dienste unter Druck. Das spürt vor allem die Hauskrankenpflege. „Es gibt deutlich mehr Patienten zu betreuen, weil sie früher aus den Spitälern entlassen werden“, bestätigt Angela Jäger, Geschäftsführerin des Hauskrankenpflegeverbandes. Aus Gesprächen mit Vereinen weiß sie auch, dass die Betreuung, im Gegensatz zum Frühjahr, jetzt durchgehend in Anspruch genommen wird.

Schulung und Disziplin

Zu Beginn der Pandemie hätten viele Familien aus Angst die Inanspruchnahme der Hauskrankenpflege ausgesetzt. Zu den Klienten zählen inzwischen auch zahlreiche positiv getestete Personen. Es stehe jedoch ausreichend Schutzmaterial zur Verfügung. Zugute kommt der Hauskrankenpflege in dieser angespannten Situation, dass von den rund 320 Mitarbeitenden momentan nur 12 wegen eines positiven Coronatests ausfallen.

Beim Krankenpflegeverein Außermontafon und seinen zehn Pflegekräften gab es bislang überhaupt noch keinen positiven Fall. Obmann Jakob Netzer und Johannes Kohlroß von der Pflegedienstleitung führen das auf die gute Schulung und eine ebensolche Disziplin zurück, die dienstlich wie privat eingehalten wird. „Disziplin ist derzeit das Wichtigste“, bekräftigt Netzer. Sie steht auch in einem Konzept festgeschrieben, das in Hinblick auf eine mögliche zweite Welle erstellt wurde. „Wir waren deshalb erheblich besser auf die Pandemie vorbereitet“, sagt Kohlroß.

Einfühlungsvermögen gefragt

Der Umgang mit Covid-19 wird als für alle Beteiligten herausfordernd beschrieben. Tagtäglich seien fachliche Kompetenz, Einfühlungsvermögen und verantwortungsvolles Handeln gefragt. „Das Arbeiten in einem mehr oder weniger geschützten Rahmen und das von Haus zu Haus zu gehen, ist mit vielen Unsicherheiten verbunden und belastet die Psyche“, weiß Johannes Kohlroß. Trotzdem ist jeder und jede bemüht, die rund 160 Patientinnen und Patienten bestmöglich zu Hause zu versorgen. Die knapper werdenden Ressourcen in den Spitälern haben noch andere Auswirkungen auf die Arbeit in der Hauskrankenpflege.

Mehr Palliativpatienten

„Die Zahl der Palliativpatienten nimmt zu, onkologische Patienten werden ebenfalls früher entlassen, die Wundversorgung wird verstärkt von der Ambulanz in die ambulante Versorgung verlegt“, nennt Kohlroß einige Beispiele.

In der Hauskrankenpflege sind die Möglichkeiten allerdings auch begrenzt. „Dort, wo es zu Engpässen kommt, ist es notwendig, sich auf das Wichtigste zu konzentrieren und die Zusammenarbeit mit den pflegenden Angehörigen und den Systempartnern, das sind die Hausärzte, Krankenhäuser und Pflegeheime, noch zu verstärken“, betont Jakob Netzer.

Auch der Kooperation mit dem Mobilen Hilfsdienst, der Beratungsstelle für Betreuung und Pflege sowie der gerontopsychiatrischen Pflege kommt große Bedeutung zu. „Alle müssen zusammenstehen.“ So braucht es neben pflegerischen Leistungen vor allem die psychische Begleitung im Umgang mit Angst und Einsamkeit. Die Ambulante Psychiatrische Pflege leiste hier sehr wertvolle Arbeit.

66 Hauskrankenpflegevereine

„Die Coronakrise macht laut Netzer den Stellenwert der häuslichen Pflege und Betreuung einmal mehr sichtbar. Seine Einschätzung: „Es wird zukünftig noch mehr Menschen brauchen, die im häuslichen Umfeld gute fachliche Arbeit leisten.“ Ob die 66 Hauskrankenpflegevereine personell gut durch die Pandemie kommen, hänge von deren weiteren Entwicklung ab, ergänzt Angela Jäger.

„Es gibt mehr Patienten zu betreuen, weil sie früher aus Spitälern entlassen werden.“

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