80 Stationen im Land für Corona-Massentests

von Michael Prock
In der Datenbank scheinen drei Personen zweimal positiv auf.  VN/Steurer

In der Datenbank scheinen drei Personen zweimal positiv auf.  VN/Steurer

1700 Helfer drei Tage lang im Einsatz. Diskussion um Testtermin.

Bregenz 400.000 Menschen wohnen in Vorarlberg. Kurz vor Weihnachten sollen sie innerhalb von drei Tagen auf das Coronavirus getestet werden, lautet der Plan der Politik. Damit das gelingt, werden 80 Teststationen eingerichtet, die täglich von insgesamt 1700 Menschen betrieben werden. Rotes Kreuz, Feuerwehr, Gemeinden und das Bundesheer helfen zusammen. Wann getestet wird, steht jedoch nicht fest. Während die Bundesregierung das Wochenende vor Weihnachten anpeilt, würde die Vorarlberger Landesregierung gerne früher zum Massentest laden.

Zuerst Lehrer und Polizisten

Die Massentests haben ein Ziel: Alle Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, sollen gefunden und unter Quarantäne gestellt werden. Infektionsketten durchbrechen, lautet die Devise. Zwischen 5. und 8. Dezember werden Lehrer, Kindergartenpädagoginnen und Polizisten getestet. In Vorarlberg sind das rund 12.000 Personen aus dem Bildungs- und Betreuungsbereich sowie 1200 Polizisten. Für diese erste Testreihe werden vier Stationen in den Bezirkshauptstädten eröffnet. Kurz darauf folgt der große Test. 80 Stationen sind geplant, gab Landeshauptmann Markus Wallner am Dienstag bekannt.

Jede Station soll ein Einzugsgebiet von 5000 Einwohnern abdecken und bis zu 1000 Tests pro Tag schaffen. Macht 240.000 Tests. „Wir haben noch ein bisschen einen Puffer“, erklärt Wallner. „In Südtirol sind 70 Prozent zu den Tests gegangen, allerdings mit sehr viel Druck. 70 Prozent wären super.“ Die Teststationen haben von 7 bis 17 Uhr geöffnet. Die Anmeldung erfolgt über das Tool, das bereits in Dornbirn eingesetzt wird, erläutert der zuständige Landesrat Christian Gantner. Jeder erhält bei der Anmeldung einen Termin. Innerhalb einer Stunde soll das Ergebnis per SMS eintrudeln. Für positiv Getestete geht es nach 17 Uhr noch einmal zurück: Sie müssen zum PCR-Test, um das Ergebnis zu bestätigen. Bis dahin gelten sie als Verdachtsfall und sind bereits abgesondert.

Viele Helfer im Einsatz

Für die Logistik ist das Bundesheer im Rahmen eines Assistenzeinsatzes zuständig. Es bestellt die Antigen-Tests, bringt sie nach Vorarlberg und verteilt sie samt Schutz­ausrüstung in die Teststationen. Dort steht jeweils ein achtköpfiger medizinischer Trupp bereit, den das Rote Kreuz zur Verfügung stellt. „Das können Sanitäter sein, aber auch Pflegepersonal oder andere Personen mit entsprechender Ausbildung, zum Beispiel aus der Bergrettung und der Wasserrettung. Außerdem wird versucht, niedergelassene Ärzte zur Mithilfe zu motivieren“, erläutert Gantner. Zudem sind acht Mitglieder der Ortsfeuerwehr in jeder Station für den Ordnungsdienst und andere Aufgaben im Einsatz. Die Gemeinde stellt zwei Mitarbeiter und den Stationsleiter. „Der Gemeindeverband sucht Räume für die Teststationen“, berichtet Wallner. Vor allem Turnhallen und Veranstaltungssäle kommen in Frage.

Termin-Diskussion

Eine Kontaktverfolgung nach einem positiven Testergebnis schreibt die Bundesregierung nicht vor, viele Bundesländer verzichten. Vorarlberg probiert es aber, erklärt Gantner. Beim Testzeitpunkt ist sich die Landesregierung mit der Bundesregierung nicht einig. „Wir wollen einen zeitlichen Abstand zu Weihnachten“, lässt der Landesrat wissen. Die Befürchtung: Menschen könnten auf den Test verzichten, aus Angst, Weihnachten in Quarantäne verbringen zu müssen. Wallner ergänzt: „Mit dem 19. und 20. Dezember sind wir nicht zufrieden. Wir klären das gerade ab. Alles, was früher ist, ist gut.“

Während die Politik bei der Bevölkerung auf Freiwilligkeit setzt, wird im Hintergrund diskutiert, ob auf Lehrer Druck ausgeübt werden soll. Zum Beispiel mit der Verpflichtung, im Unterricht eine FFP2-Maske zu tragen, wenn sie sich nicht testen lassen. „Die Frage ist noch nicht geklärt, aber die Mehrheit der Bundesländer ist dafür“, schildert der Landeshauptmann.

Bei den Massentests hofft er trotz Freiwilligkeit auf eine rege Beteiligung. Die Bevölkerung habe es nun selbst in der Hand, etwas gegen das Virus zu tun. Gantner rechnet vor: Jeder Tag eines Lockdowns koste mehrere 100 Millionen Euro. Werde durch den Test ein Lockdown-Tag verhindert, habe es sich also schon gerechnet.

„Jetzt sind wir in einer Phase der Pandemie, in der jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann.“

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