Ruf nach Tempo 100 für den Klimaschutz

Der Verkehrsbereich sei für 29 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Österreich verantwortlich, kritisieren die Aktivisten.  APA

Der Verkehrsbereich sei für 29 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Österreich verantwortlich, kritisieren die Aktivisten.  APA

Initiative will Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn reduzieren.

Bregenz Wer niederländische Autobahnen benutzt, muss seit Mitte März ein Tempolimit beachten. Zwischen sechs Uhr am Morgen und 19 Uhr am Abend darf man nur 100 Kilometer pro Stunde fahren. Das Land hat diese Maßnahme eingeführt, um den Ausstoß von Stickoxiden zu senken. Damit ist man nicht allein. Auch in Norwegen und Zypern gilt Tempo 100. Geht es nach einer neuen Initiative, soll Vorarlberg nachziehen – aus Klimaschutzgründen. „Wir wissen, was die Klimakrise bedeutet. Wir wissen, was wir tun könnten und sollten heute handeln“, erklären die Aktivisten hinter „Initiative Tempo 100“, die auch vom Klimabündnis und dem Naturschutzbund unterstützt wird.

Viel Elektronik und Ampelsysteme

Die Initiatoren verweisen auf das langfristige Ziel eines dynamisch geregelten Tempos auf der Autobahn, wie es auch im Programm der schwarz-grünen Landesregierung genannt wird. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um ein computergestütztes Modell, das den Verkehr so effizient wie möglich regeln soll. Mit Sensoren wird die jeweilige Situation auf den Straßen erfasst und der Verkehr dann quasi in Echtzeit geregelt, etwa über elektronische Verkehrsschilder und intelligente Ampelsysteme. In ihrem Arbeitsprogramm schreiben ÖVP und Grüne: „Die Landesregierung drängt bei der Asfinag auf die Installierung einer Verkehrsbeeinflussungsanlage, die ein flexibles Temporegime unter Berücksichtigung der Verkehrsmengen sowie der Luftschadstoffsituation erlaubt.“ Unter anderem ist auch die Prüfung einer Reduktion auf einzelnen Autobahnabschnitten Hörbranz und Bludenz angedacht.

Da unklar bleibt, bis wann ein flexibles Tempolimit umgesetzt werden kann, fordern die Aktivisten von „Initiative Tempo 100“ als kurzfristige Maßnahme eine Senkung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn. Der Verkehrsbereich sei insgesamt für 29 Prozent aller Treibhausgas­emissionen in Österreich verantwortlich. „Ohne eine umfassende Ökologisierung des Verkehrsbereiches ist es nicht möglich, das Klimaziel der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu erreichen.“ Senke man das Tempolimit von 130 auf 100 km/h auf der Autobahn, ließen sich Schadstoffemissionen sowie die Feinstaubbelastung deutlich reduzieren.

Kaum Zustimmung bei Umfrage

Auch der Verkehrsklub hat sich für niedrigere Limits ausgesprochen. Die erlaubte Geschwindigkeit solle überall um 20 km/h reduziert werden. Jeder dritte tödliche Unfall erfolge wegen erhöhter Geschwindigkeit, kritisiert der VCÖ. Sie zu reduzieren, sei eine wirksame Maßnahme, um die Zahl der schweren oder sogar tödlichen Verletzungen im Verkehrsbereich zu reduzieren, erklärt Michael Schwendinger, der sich beim VCÖ mit den Themen „Mobilität und Ökonomie“ auseinandersetzt.

Ob die Mehrheit der Autofahrer mitspielen würde, ist fraglich. Eine im Februar veröffentlichte Umfrage des ÖAMTC kommt zum Ergebnis: 68 Prozent sind gegen eine Verringerung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf Freilandstraßen auf 80 km/h aus Überlegungen des Klimaschutzes. Gegen eine solche Maßnahme auf Autobahnen mit dem Limit 120 km/h sprachen sich 67 Prozent aus, gegen eine Absenkung auf 100 km/h sogar 86 Prozent. Der ÖAMTC hat für die Umfrage „Tempolimits“ österreichweit 991 Mitglieder ab 18 Jahren im Dezember 2019 befragt. VN-RAM

Wer die Petition unterstützen möchte, kann das auf dieser Website machen: https://mein.aufstehn.at/petitions/tempo-100

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