Wenn Schweizer unter Schweizern sind

von Klaus Hämmerle
Metzger Peter Egger ist mit dem Fleischverkauf halbwegs zufrieden.

Metzger Peter Egger ist mit dem Fleischverkauf halbwegs zufrieden.

Unsere Nachbarn sehen ihre Isolation mit gemischten Gefühlen.

Berneck, Au, St. Margrethen Der freundliche Zöllner lässt den Journalisten schließlich doch passieren. Hinein geht es in eine Gegend, die einem so vertraut ist und jetzt so vorkommt wie eine verbotene Stadt.

Im verregneten Berneck führt der Weg zum Metzger und Gastronomen Peter Egger (62). „Das Restaurant läuft noch nicht so gut. Aber das wird wohl wegen der strengen Sicherheitsvorkehrungen so sein. Mit dem Geschäft in der Metzgerei bin ich recht zufrieden“, sagt der Eigentümer. „Natürlich habe ich Bedenken, wie das wird, wenn das Verbot für den Einkaufstourismus fällt und die Leute wieder das billigere Fleisch aus Vorarlberg beziehen können“, sinniert Egger.

Reinhard Hauser (49), der als Kleinunternehmer eine Fahrzeug­reinigung betreibt, kauft sich bei Egger sein Znüne. „Klar, ich würde gerne wieder bestimmte Sachen in Vorarlberg einkaufen. Aber meinem Geschäft geht es gut. Die Schweizer Kunden kommen derzeit vermehrt zu mir, statt sich um Billigeres über der Grenze umzuschauen“, ist seine Beurteilung der Lage.

Bei Egger kauft Hauser ein, weil er sein Freund ist. „Obwohl ich weiß: In Vorarlberg kannst du bestes Rindfleisch für unter zehn Euro das Kilo bekommen, bei uns zahlst du dafür 30 Stutz.“ Gereut hat ihn, dass er kurz vor der Grenzschließung nicht noch einen Kompressor gekauft hat. „Der hätte bei euch 290 Euro gekostet, bei uns muss ich 750 Franken dafür hinlegen.“

Die Lustenauer fehlen

Drei Steinwürfe weiter östlich in Au. Im Café Zentral spricht die nicht namentlich genannt werden wollende Inhaberin über Gastronomie in Coronazeiten. „Ich habe mit meinem Partner dieses Lokal erst vor Kurzem übernommen. Unser Problem sind derzeit eher die strengen Auflagen, wenn nicht mehr als vier Personen an einem Tisch sitzen dürfen, Sicherheitsabstände zwischen den Tischen, keine Vermischung von Gästen an den Tischen.“

Gleich nebenan im „Dorfkafi“ würde sich Pächterin Desiree Perret (39) nichts lieber wünschen, als wenn der Spuk mit der Grenzschließung zur Schweiz endlich vorbei wäre. „Ich habe ja einige Lustenauer Stammgäste. Die fehlen mir. Ich lebe überhaupt von Stammgästen. Das sind 70 Prozent meiner Kundschaften.“ Doch sie habe auch schon ein paar neue Kunden bewirtet, von denen sie vermutet, dass sie in Vorarlberg einkehren.

Gewinner im Rheinpark

Schauplatzwechsel zum Rheinpark in St. Margrethen. Dort ist der große Parkplatz etwa zur Hälfte gefüllt. Es ist Mittagszeit und in den Cafés und Restaurants herrscht ordentlich Betrieb. An der Information macht Petra Hunziger* Dienst. Ihre Beobachtungen sind bemerkenswert. „Ich habe nicht gezählt, aber gefühlt sind wesentlich mehr Kunden im Migros. Es sind auch viel mehr neue Gesichter hier. Da liegt die Vermutung nahe, dass die sonst wohl in Vorarlberg ihre Einkäufe tätigen.“ Hunziger hofft, dass diese Kunden auch bleiben, wenn wieder in Vorarlberg eingekauft werden kann. „Weil wir einfach super Qualität haben.“ Bei Mode Weber im Obergeschoß tut eine zufriedene Verkäuferin Dienst. Obwohl sich im Moment keine Kundschaft im Geschäft befindet, sagt die Dame mit Überzeugung: „Wir haben mehr Kunden als vorher. Es könnte ruhig so bleiben, wie es ist.“

Freude an der „Tanke“

Wieder zurück in Au, an der Tankstelle vor der Grenze. Dort strahlt Kassierin Sonja übers ganze Gesicht. „Seit die Leute hier nicht mehr über die Grenze fahren können, haben wir beim Tanken viel mehr Umsatz als vor Corona.“ Auch sie hätte nichts dagegen, wenn es noch länger so bliebe. Immerhin fehlen ihr auch ein paar Vorarlberger Kundschaften. „Aber die kommen nicht zum Tanken, sondern wegen der großen Auswahl an Elektrozigaretten, die wir bei uns im Sortiment führen.“

<p>Reinhard Hauser sieht in der Grenzsperre Für und Wider.</p>

Reinhard Hauser sieht in der Grenzsperre Für und Wider.

<p class="caption">Desiree Perret im Auer Dorfkafi. Ihr gehen die Lustenauer Gäste ab. Am 15. Juni können sie wieder kommen. VN/Hämmerle</p>

Desiree Perret im Auer Dorfkafi. Ihr gehen die Lustenauer Gäste ab. Am 15. Juni können sie wieder kommen. VN/Hämmerle

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