Herum gemosert Fundstücke von Moritz Moser

Die Italiener in Vorarlberg

Mit einer der ersten Einwanderungswellen, die Vorarlberg in der Neuzeit erreichten, kamen Italiener ins Land. Sie wurden vor allem als Arbeiter bei der Rheinregulierung und beim Bau der Arlbergbahn eingesetzt. Wie viele andere Migranten später, blieben etliche von ihnen und holten ihre Familien nach. Die Familiennamen vieler Vorarlberger zeugen heute noch davon. Der im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in Österreich grassierende Deutschnationalismus betrachtete die auch als „Welsche“ oder „Wälsche“ bezeichneten Italiener jedoch als Feinde.

Die Großdeutschen waren entsprechend die größten Gegner der Einwanderung. Obwohl die Partei, deren Proponenten später großteils in die NSDAP eintraten, maßgeblich durch die Vorarlberger Textilindustrie unterstützt wurde, setzten vor allem diese Textilfabrikanten auf die billigen Arbeitskräfte aus dem Süden. Das konservative „Vorarlberger Volksblatt“ kritisierte 1899, dass die Italiener von den „das Deutschtum rettenden Fabrikanten zur Vermehrung ihrer Gewinne herangezogen“ würden. Zentrum der Zuwanderer war die Eisenbahnerstadt Bludenz. „Das mit recht bezeichnete welsche Viertel wimmelt von italienischen Ansiedlern und nur selten begegnet man einem deutschen Gesicht.“ lamentierte die Zeitung. Man schlug vor, eigene italienische Schulklassen einzurichten. Ein Priester beklagte 1898 im „Volksblatt“: „Arm, wie die Wälschen sind oder wenigstens vorgeben es zu sein, zahlen sie nichts oder wenig an Gemeindeumlagen für Schulzwecke, ihretwegen müssen die Schulräume vergrößert, neue Schulhäuser gebaut werden.“ Außerdem erreichten die einheimischen Kinder ihre Lernziele nicht, weshalb „die italienischen Kinder wohl separat unterrichtet werden müssen“. Die Kirche versuchte die Zuwanderer für sich zu gewinnen, indem sie 1906 italienische Mönche zur „Volksmission“ nach Vorarlberg schickte. Der Ton der Christlichsozialen änderte sich über die Jahrzehnte deutlich, immerhin waren auch die Italiener Katholiken. So kritisierte das „Volksblatt“ 1930 das großdeutsche „Tagblatt“ dafür, dass es die Abhaltung italienischer Messen in der Feldkircher Johanniterkirche mit „Pfui Teufel!“ kommentiert hatte. „Auch heute noch gibt’s Italiener in Vorarlberg, die deutsch nur sehr schwer verstehen und sprechen, und für solche ist der italienische Gottesdienst und die italienische Predigt notwendig“ erklärte Dekan Anton Ender im „Volksblatt“.

Moritz Moser stammt aus Feldkirch, lebt und arbeitet als Journalist in Wien. Twitter: @moser_at

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