Kräftiger Schub für ­Patienten-Anlaufstellen

Primärversorgung im Stellenplan der Ärztekammer verankert.

dornbirn Bislang verfolgte die Ärztekammer die Umsetzung von Primärversorgungseinheiten eher zögerlich. Nun wird die Zeit allerdings knapp, denn bis 2021 müssen solche Einrichtungen auch in Vorarlberg vorhanden sein. Der Zeitdruck sowie nicht besetzbare Kassenstellen und damit verbunden unsichere Nachfolgeregelungen verpassten der Sache jetzt aber offenbar einen Schub. In ihrer letzten Sitzung hat die Kurienversammlung der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer jedenfalls beschlossen, drei solcher Einrichtungen schon einmal im Stellenplan zu verankern und auch räumlich zuzuweisen. Zentrale Standorte soll es demnach in Bludenz und im Kleinwalsertal geben. Für den Bregenzerwald ist ein medizinisches Netzwerk vorgesehen.

Ausschreibungen im Spätherbst

Erklärtes Ziel von Kammer und Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) sei es, diese Grundversorgungsstellen durch selbständig tätige Allgemeinmediziner betreiben zu lassen, heißt es. Institutslösungen würden nicht angestrebt. Noch muss aber der Landesstellenausschuss der ÖGK den Beschluss der Ärztekammer absegnen. Das dürfte im Juni geschehen. Dann braucht es Verhandlungen mit der ÖGK für eine regionale Honorarvereinbarung und mit dem Land bezüglich einer allfälligen Mitfinanzierung. Die Ärztekammer hofft auf einen positiven Abschluss im Spätherbst, um anschließend die ersten Ausschreibungen unter die Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag, die in den geplanten Versorgungsregionen ordinieren, bringen zu können.  

Eine Primärversorgungseinheit (PVE) ist laut Definition eine allgemeine und direkt zugängliche erste Kontaktstelle für alle Menschen mit gesundheitlichen Problemen, wo eine umfassende Grundversorgung stattfindet. Häufig sind solche Praxen zudem mit unterschiedlichsten Gesundheitsdienstleistern besetzt, sodass eine ganzheitliche Betreuung möglich ist. Ein weiterer Vorteil sind die längeren Öffnungszeiten. Das Land und die damalige Gebietskrankenkasse haben 2019 im Regionalen Strukturplan Gesundheit festgeschrieben, dass bis zum Jahr 2021 in Vorarlberg drei solcher Versorgungseinheiten entstehen müssen, zwei in der Versorgungsregion Süd und eine Einheit in der Versorgungsregion Nord. Nun scheint die Umsetzung ins Laufen zu kommen.

Kritik an den Plänen

Es gibt allerdings schon erste Kritik an den Plänen der Ärztekammer. „Warum erhalten das Kleinwalsertal und Bludenz zentrale Einheiten und der Bregenzerwald bekommt nur ein Netzwerk?“, fragt sich etwa der Gesundheitssprecher der Neos im Nationalrat, Gerald Loacker. Ein Netzwerk bringe den Patienten nicht viel, weil wieder jeder schauen müsse, wann welcher Arzt geöffnet habe. „Patienten brauchen eine verlässliche Anlaufstelle mit entsprechenden Öffnungszeiten.“ Burkhard Walla, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, kontert dem Vorwurf: „Im Bregenzerwald geht es darum, die Versorgung in den Gemeinden zu erhalten. Ein Zentrum würde die bestehenden dezentralen Strukturen zusammenbrechen lassen, und davon hat niemand etwas.“ Im Rahmen eines Netzwerks schließen sich die Ärzte, die mindestens zu dritt sein müssen, zu einem Verein zusammen, sprechen sich arbeitsmäßig ab und führen eine gemeinsame Dokumentation. VN-MM

„Im Bregenzwald geht es darum, die Versorgung in den Gemeinden zu erhalten.“

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