Streiflicht

Thomas Matt

Nägel ohne Köpfchen

Als hätte Tirol nach den verhaltens­originellen Corona-Eskapaden etwas gutzumachen… jedenfalls macht das Land erneut Schlagzeilen. Tirol sperrt ein paar der schönsten Pässe für überlaute Motorräder. Die Anrainer haben es lange schon satt. Das kann man gut verstehen. Den Grenzwert liest die Behörde am Standgeräusch ab. Es darf nicht mehr als 95 Dezibel betragen. Das zulässige Standgeräusch steht in den Fahrzeugpapieren. So einfach ist das.

So einfach, aber auch so populistisch. Laut Statistik sind nur 4400 in Österreich zugelassene Motorräder damit tabu, 61.000 aber leise genug. Wie viele Fahrer ihre Bikes verändert haben, um einen kernigen Sound zu erzielen, sagt die Statistik nicht. Sie weiß auch nicht, wann Motorradfahrer zum Ärgernis werden und wie. Wenn sie etwa hochtourig durch ein Wohngebiet brettern oder riskant überholen. Kurz, wenn sie sich wie Idioten aufführen. Man kann die leiseste Maschine wie eine Kreissäge singen lassen, wenn’s im Oberstübchen fehlt.

Dabei ist Motorradfahren wundervoll. Wenn Fahrer und Maschine eins werden, das kann man kaum beschreiben. Aber Motorradfahren ist auch eine Frage der Rücksicht. Das steht nur in keiner Zulassung. Das neue Gesetz wird die leidgeprüften Anrainer nicht erlösen. Nur scharfe Kontrollen könnten das. Alles andere ist allenfalls medienwirksam.

Thomas Matt

redaktion@vn.at

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