Fordernde Felsarbeiten

Zwei sechs Millimeter dicke Stahlseile sichern die Felsräumer.

Zwei sechs Millimeter dicke Stahlseile sichern die Felsräumer.

Felsräumer sichern Silvretta-Hochalpenstraße vor lockerem Gestein.

Gaschurn An Fronleichnam erwacht die Silvretta-Hochalpenstraße Jahr für Jahr aus ihrem Winterschlaf. Bevor die rund 15 Kilometer lange Asphaltschlange mit ihren 32 Kehren hinauf auf die Bielerhöhe für den Verkehr freigegeben werden kann, müssen vorab Schneeräumungs-, Sicherungs- und Instandhaltungsarbeiten erfolgen. Seit gut zwei Wochen sind die Felsräumer der Illwerke-VKW damit beschäftigt, nach lockerem Gestein Ausschau zu halten.

Keine Routine

„Das ist nichts für Weicheier“, sagt Gerhard Willi. Der Montafoner ist einer von vier Felsräumern, die sich heute in die rund 500 Meter hohe Felswand, die Verschnausa, wagen. Seit zwölf Jahren gehört Willi inzwischen zum Team. Von Routine kann bei dieser Arbeit dennoch keine Rede sein, denn: „Der Einstieg ist jedes Jahr anders. Man weiß einfach nie, was einen erwartet.“ Eines sei aber gewiss. „Angst darf man keine haben“, sagt er.

Nach dem beschwerlichen Aufstieg wird Gerri, wie ihn seine Kollegen nennen, an einem Stahlseil an einer der speziell entwickelten Seilwinden fixiert. „Jedes Frühjahr werden die vier Seilwinden mit dem Hubschrauber hinaufgeflogen und an für sie vorgesehenen Plateaus aufgebaut. Danach bleiben die Winden den ganzen Sommer oben“, erklärt Albert Wachter. Der Teamleiter des firmeninternen Bautrupps ist seit 35 Jahren mit von der Partie und weiß wovon er spricht. Wachter selbst war jahrelang einer der „Geher“, heute späht er als Einweiser mit dem Fernglas in die Wand und gibt von unten Tipps.

Dann wird es ernst. Während unten die Straße mit Schranken und Gitterzäunen dichtgemacht wird, lässt sich Gerri oben ins sechs Millimeter dicke Seil fallen. Mit einem Pickel in der Hand geht es für ihn nun Zentimeter für Zentimeter die mit etlichen Vorsprüngen durchsetzte Felswand hinunter. Per Funk werden die Kommandos weitergegeben. Die Kommunikation zwischen „Geher“ und den Männern an der Seilwinde ist entscheidend. „Weiter! Stopp! Noch einmal auf!“, tönt es durch das Funkgerät.

„Zur weiteren Sicherung der Hochalpenstraße sind sogenannte Spione im Fels angebracht“, erklärt Wachter, während von oben die ersten Steinbrocken Richtung Tal donnern. Wie viele dieser Messvorrichtungen es sind, weiß selbst der erfahrenen Teamleiter nicht. „Viele“, lautet seine kryptische Antwort.

Entspannt wie nie

Um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten, komplettiert ein Bergretter das elfköpfige Einsatzteam. „Für heuer ist zudem eine Rettungsübung in der Wand geplant“, informiert Wachter. Bevor die beliebte Hochalpenstraße für den Verkehr freigegeben werden kann, sind in den nächsten Tagen zudem Asphaltierungs- und Reinigungsarbeiten angesetzt. „So entspannt wie heuer war es noch nie“, spricht der routinierte Illwerkler dank Corona von einer vergleichsweise ruhigen Vorbereitungszeit.

In der Wand hat sich Gerhard Willi inzwischen weiter vorgekämpft. Unermüdlich kommt die Spitzhacke zum Einsatz und befördert weitere Gesteinsbrocken nach unten. Nach knapp eineinhalb Stunden hat Willi schließlich wieder festen Boden unter den Füßen. „Das hat sich rentiert“, ist er mit dem Gang zufrieden und gibt das letzte Kommando: „Seil auf!“ Zeit zum Verschnaufen bleibt aber keine. Während das Stahlseil wieder nach oben gezogen wird, geht es auch für den Feldräumer noch einmal nach oben, denn ihm steht auch an diesem Tag noch ein zweiter Gang über die steile Felswand bevor. Ein echter Knochenjob und tatsächlich nichts für Weicheier. VN-JS

<p class="caption">Mit einer Spitzhacke wird das lose Gestein Richtung Tal befördert.</p>

Mit einer Spitzhacke wird das lose Gestein Richtung Tal befördert.

<p class="caption">Gerhard Will gehört seit mittlerweile zwölf Jahren dem Team der Felsräumer an und hängt Jahr für Jahr in der Felswand hoch über der Silvretta-Hochalpenstraße. VN/Steurer</p>

Gerhard Will gehört seit mittlerweile zwölf Jahren dem Team der Felsräumer an und hängt Jahr für Jahr in der Felswand hoch über der Silvretta-Hochalpenstraße. VN/Steurer

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