Der Felchen wird zum Mangelfisch

von Klaus Hämmerle
Schön, wenn es wenigstens gelegentlich noch Felchen zu kaufen gibt. Der ehemalige Hauptspeisefisch des Sees wird zum raren Gut.  VN/Steurer

Schön, wenn es wenigstens gelegentlich noch Felchen zu kaufen gibt. Der ehemalige Hauptspeisefisch des Sees wird zum raren Gut.  VN/Steurer

Nach der schlechtesten Fangquote im Vorjahr deutet sich heuer noch Schlimmeres an.

BREGENZ Der Felchen, noch vor Kurzem der im Bodensee gefangene Speisefisch Nummer eins, wird immer mehr zum seltenen Gut. Gerade mal 5,5 Tonnen davon holten die Vorarlberger Berufsfischer im Fangjahr 2019 aus dem Wasser. Das bedeutet einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 57 Prozent. Damals holten die Petrijünger immerhin noch 12,8 Tonnen der schmackhaften Delikatesse aus dem Wasser.

Insgesamt ging der Ertrag der Vorarlberger Fischer gegenüber dem Vorjahr stark zurück. Die Ertragsmenge betrug im Jahr 2019 nur 25,5 Tonnen, 2018 waren es immerhin noch 35,5 Tonnen. Das ist ein Rückgang von 28,1 Prozent gegenüber 2018 und ein Minus von 53,2 Prozent im Zehnjahresmittel. Es ist dies das schlechteste Fangergebnis nach dem zweiten Weltkrieg „Leider schaut es so aus, als könne das heurige Jahr noch schlechter werden als die vorangegangenen“, kündigt Nikolaus Schotzko (52), Beauftragter für Fischerei im Land, für die Petrijünger am Bodensee auch künftig düstere Zeiten an. Schon jetzt gibt es in den heimischen Fischlokalen am See bereits wieder Tage ohne fangfrische Felchen und Egli. Nach einem halbwegs akzeptablen Auftakt in die diesjährige Fangsaison wurde es in den letzten Wochen immer schlechter. „Nur noch zehn bis 30 Kilo Felchen gab es für jeden Fischer in den zwei vergangenen Wochen zu holen“, verdeutlich Schotzko die Misere mit Zahlen.

In der Vegetationsphase brauche es im Wasser Phosphor, um die Entwicklung von Plankton zu ermöglichen. Das sei in unzureichendem Maße der Fall. Speziell der Felchen hat aber noch andere Feinde. Zu den gefährlichsten zählt dabei die Quagga Muschel. Sie filtert das Plankton und sorgt dafür, dass die Nährstoffe sich am Seeboden sammeln. „Sie holen die Nährstoffe aus dem Kreislauf. Leider kann man gegen die Quagga-Muschel nicht viel tun“, erklärt der Experte.

Gefräßige Kormorane

Ein anderer Feind des edlen Speisefisches ist der Stichling. Der hatte sich vor Jahren nur in Ufernähe aufgehalten, gelangte dann aber ins offene Gewässer und verspeiste dort bevorzugt kleine Felchen. Es sei jedoch eine leichte Tendenz erkennbar, dass der Stichling weniger wird. Das könne man für den Kormoran nicht behaupten. Der gefräßige Vogel vertilgt Felchen in rauen Mengen. Aber nicht nur Felchen. 320 Tonnen Bodenseefische insgesamt holten die Vögel im Jahr 2019 aus dem Bodensee. Die Kormorane waren damit erfolgreicher als die 60 Fischer rund um den See. Für die blieben nur noch 220 Tonnen als Fang übrig. Dementsprechend groß ist der Groll über den nach wie vor großen Bestand an Kormoranen am See. Der Fußacher Berufsfischer Franz Blum (39) wird deutlich: „Die gesetzten Maßnahmen reichen einfach nicht aus. Wir hatten 2000 zwei Brutkolonien am See. Jetzt sind es sieben. Es braucht zum Beispiel die Brutkolonie in Fußach nicht. Die Kormorane fressen auch Fische, die noch nie gelaicht haben. Das kann so nicht weitergehen.“

Laut Fischereibeauftragtem Nikolaus Schotzko betrug der Anteil der Felchen an den gefangenen Speisefischen vor einigen Jahren noch 60 bis 80 Prozent. Jetzt sind es noch knapp ein Fünftel.

„Die Quagga Muschel wird künftig wohl die größte Gefahr für die Fische im See.“

SPEISEFISCHE IM BODENSEE

25,5 Tonnen Fangertrag 2019 in Vorarlberg

5,5 Tonnen Felchen 2019

35,5 Tonnen Fangertrag 2018 in Vorarlberg insgesamt

320 Tonnen Fisch 2019 am See von Kormoranen gefressen

220 Tonnen Fisch 2019 von Fischern gefangen

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