Ziffernnote bleibt Zankapfel

von Klaus Hämmerle
In einem kreativen Schulfest protestierte die Schulgemeinschaft der VS Kirchdorf gegen die verpflichtende Ziffernnote.  VN7Stiplovsek

In einem kreativen Schulfest protestierte die Schulgemeinschaft der VS Kirchdorf gegen die verpflichtende Ziffernnote.  VN7Stiplovsek

Vorarlberger Initiatoren der Petition übergeben am Freitag 12.000 Unterschriften in Wien.

Schwarzach Bis zum Beginn des laufenden Schuljahres hatten Pädagoginnen und Pädagogen an Volksschulen die Wahl: Beurteilen sie ihre Schulkinder bis zum ersten Semester der vierten Klasse verbal, oder geben sie ihnen die traditionellen Ziffernnoten von eins bis fünf. Doch mit der Wahlfreiheit machte Bildungsminister Heinz Fassmann (64, ÖVP) Schluss. Er führte die verpflichtende Ziffernnote ab dem zweiten Semester der zweiten Schulstufe wieder ein. Dagegen erhob sich energischer Widerstand. In Vorarlberg gründete sich eine Initiative mit Namen „Gemeinsam-Zukunft-Lernen“. Sie sammelte Unterschriften für die Wahlfreiheit bei der Beurteilung von Volksschülern. Exakt 12.030 Menschen unterschrieben.

Unterschrift und Kommentar

„Für uns ist das ein überwältigender Erfolg“, freut sich Simone Flatz (43), eine der Sprecherinnen der Initiative. „Wir haben uns circa 5000 Unterschriften zum Ziel gesetzt. Aber dass es mehr als doppelt so viele werden, ist schon beeindruckend.“ Noch etwas stimmt Simone Flatz geradezu euphorisch: „Ein Drittel der Unterschreiber haben ihre Signatur mit einem persönlichen Kommentar ergänzt. Das ist ungewöhnlich und zeugt vom großen Interesse für unser Anliegen.“

Flatz ist froh darüber, dass die Coronakrise das Engagement für diese Sache nur habe verzögern können, „aber nicht beseitigen“.

Das besondere Schulfest

Der Protest gegen die Ziffernnote war Anfang Februar ausgehend von der Volksschule Lustenau, wo die Hauptaktivistinnen der Initiative selbst unterrichten, eskaliert. Die Lehrerinnen und Lehrer des reformpädagogischen Zweiges drohten mit der Vergabe einer Einheitsnote für die Zeugnisse der betroffenen Klassen. Es kam zu hektischen Gesprächen mit der Bildungsdirektion und zur Androhung von dienstrechtlichen Konsequenzen. Letztlich nahm die Schule Abstand von dieser Maßnahme und demonstrierte ihren Protest in einem aktionistischen Schulabschlussfest zu Semesterende.

Dialog ja, aber. . .

In Wien werden im Rahmen einer palamentarischen Bürgerinitiative auch 24.000 Unterschriften im Parlament eingebracht. Zu den Vorarlberger Protestierern haben sich auch solche aus Salzburg und Wien gesellt. Die Vorarlberger Initiative wird jedoch die einzige sein, die ihre Protestnote zusätzlich auch ins Bildungsministerium trägt. „Wir werden die Unterschriften später auch im Land zur Bildungsdirektion bringen und hoffen, dass man uns die damals zugesagte Dialogbereitschaft auch beweist“, betont Flatz.

„Natürlich stehen wir zum Dialog“, versichert Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (59, ÖVP). Doch sie möchte keine zu hohen Erwartungen aufkommen lassen. „Die Gesetze werden in Wien gemacht. Ich unterstütze die alternative Beurteilung und schätze das pädagogische Engagement dieser Lehrerinnen. Aber es muss halt noch eine Ziffernnote dazu kommen.“

„12.030 Unterschriften für unser Anliegen sind ein überwältigender Erfolg.“

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