Unsichere Schnelltests

von Redaktion

Dornbirn Derzeit überbieten sich Pharmafirmen in der Bereitstellung von Corona-Schnelltests. So hat beispielsweise eine deutsche Firma unlängst mittels Presseaussendung einen Schnelltest für SARS-CoV-2 vorgestellt, der Ergebnisse in 2,5 statt 24 bis 48 Stunden liefern soll. „Für den Laien mag das faszinierend klingen“, weiß auch Dozent Andreas Leiherer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des molekularbiologischen Instituts VIVIT in Dornbirn. Im gleichen Atemzug nennt er den Pferdefuß an diesem System: „Es kann parallel nur jeweils ein Test durchgeführt werden.“

Würde also das Gerät 24 Stunden ohne Unterbrechung alle 2,5 Stunden mit einer neuen Probe beladen, „man käme auf kaum zehn getestete Patienten und das bei Materialkosten zwischen 50 und 100 Euro pro Test, den Preis des Lesegerätes von 15.000 Euro gar nicht berücksichtigt“. Mit der Genauigkeit hapert es ebenfalls, sie beträgt nur 95 Prozent. „Das heißt, von 20 Getesteten erhält einer ein falsches Ergebnis. Das ist weder schnell, noch skalierbar, noch praktisch und auch nicht verlässlich“, dämpft Andreas Leiherer die Euphorie.

Blutstropfen auf Teststreifen

Ein Schwangerschafts-Test funktioniert innerhalb weniger Sekunden. Auf einem vergleichbaren Prinzip beruhen auch manche Corona-Schnelltests. „Man gibt einen Blutstropfen auf einen Teststreifen, und anhand eines Farbumschlags erkennt man sofort, ob der Test funktioniert hat und entscheidender, ob Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut sind“, erklärt der Molekularbiologe. Die Genauigkeit ist bei diesen Schnelltests mit 89 bzw. 91 Prozent für Sensitivität und Spezifität allerdings noch schlechter. Leiherer: „In diesem Fall bekäme jeder 10. Patient ein falsches Ergebnis. Schnell heißt hier also auch, dass man schnell falsch liegt.“ Was das beispielsweise für die Entscheidung bedeuten könne, auf diese Weise „getestetes“ Klinik-Personal wieder für immunsupprimierte Patienten oder andere Risikogruppen einzusetzen, könne man sich ausmalen.

Keine Unterscheidung

Wirklich schnell sind laut Leiherer die aktuell durchgeführten PCR-basierten Tests. Hier wird virale Erbinformation in Abstrichen aus dem Nasen-Rachen-Raum nachgewiesen. Materialkosten: 10 Euro; Sensitivität/Spezifität: 100 Prozent; Dauer: 2 bis 3 Stunden, „und man kann 96 Proben parallel testen“. Die Frage, warum die Medizin dann nicht bei diesem Gold-Standard bleibt, beantwortet der Experte so: „Man kann damit nur nachweisen, ob zum Zeitpunkt der Probennahme Viren im Hals-Nasen-Rachen-Raum produziert werden. Ob ein Patient eine Infektion durchlaufen hat und immun ist, oder noch gar nicht infiziert wurde, kann der Test nicht unterscheiden.“

Anders der Antikörper-Nachweis: Er zeigt das Vorhandensein von SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern im Blut an. Materialkosten: etwa 10 Euro; Sensitivität/Spezifität: 100 Prozent; Dauer: ca. 3 Stunden. Ist das der ideale Schnelltest? Antikörper, also die Immunreaktion des Körpers auf die Infektion, sind teilweise erst Tage nach der Infektion zu sehen. Das Resümee von Dozent Andreas Leiherer: „Kein Schnelltest, aber der logische nächste Schritt in der Diagnostik.“

„Schnell heißt bei Schnelltests, dass man auch ganz schnell falsch liegen kann.“

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