Kolumne

Doris Knecht

Sie verdienen mehr als nur warmen Applaus

Zwei Wochen lang hatte ich jetzt ein schlechtes Gewissen wegen meiner letzten Kolumne. Darin hatte hatte ich fröhlich das Lob der Gelassenheit gesungen, in C-Dur quasi, händewaschen, aufpassen, ruhig bleiben. Es war an dem Montag, an dem ich sie schrieb, ja auch noch so.

Als die Kolumne einen Tag später erschien, wars in Österreich vorbei mit der Ruhe und es wurde schnell sehr deutlich, dass zu viel Gelassenheit uns, unsere älteren oder gesundheitlich angeschlagenen Mitmenschen und unser Gesundheitssystem in ernste Gefahr bringt. Ich hatte von Montag auf Dienstag die halbe Nacht lang mit Freundinnen gewhatsappt, die sich beruflich mit dem Corona-Virus und seinen Auswirkungen beschäftigen und Informationen hatten, die meine Gelassenheit sehr schnell auffrassen.

Und als die Kolumne quasi noch warm auf den Frühstückstischen lag, war ich schon extrem ungelassen und fing an, meine Lieben durchzutelefonieren, die überrascht waren, warum ich plötzlich so hysterisch sei: Ja, weil es neue Informationen gibt und weil stündlich deutlicher wird, wie überaus ernst das alles ist. Bleibt alle zuhause! Geht nicht raus! Passt auf euch auf! Mittlerweile haben das alle längst begriffen und halten sich daran, bis auf ein paar Dummköpfe, die immer noch Corona-Partys feiern. Alle daheim, und wer rausmuss, hält Abstand.

Ich bin auch daheim und tue, was ich immer tue: Ich sitze an meinem Esstisch und schreibe. Ich arbeite seit Jahren im Homeoffice, für mich hat sich nicht viel geändert. Auch deshalb sage ich aus tiefstem Herzen: danke. Danke allen, die ihre Arbeit für die Gesellschaft weiterhin machen: die Frauen und Männer in meinem Supermarkt, in den Krankenhäusern, in den Altersheimen, in den Kindergärten und Schulen, in den systemrelevanten Betrieben. Danke allen Verkäuferinnen und Kassieren, Krankenschwestern, Ärztinnen und Apothekerinnen, den Busfahrern, den mobilen und den 24-Stunden-Pflegerinnen, und auch den Mitarbeitern der Wiener Netze, die sich in Wien in freiwillige Abschottung begeben haben, um eine Ansteckung auszuschließen und so sicherzustellen, dass die die Energieversorgung in der Hauptstadt gerade in dieser Krise gewährleistet ist.

Sie alle sollten nicht nur warmen Applaus, sondern echte, spürbare finanzielle Prämien dafür bekommen, das sie in dieser schwierigen Situation jeden Tag dafür sorgen, dass die Basis unseres Lebens und unserer Gesellschaft stabil bleibt. Das gehört belohnt.

Wir anderen bleiben weiterhin zuhause. Zum Glück hilft uns das Internet, in Kontakt zu bleiben. Ich zum Beispiel werde auch heute Abend wieder meinen Freunden jassen; online natürlich.

Doris Knecht

doris.knecht@vn.at

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.

„Mittlerweile haben das alle längst begriffen und halten sich daran, bis auf ein paar Dummköpfe, die immer noch Corona-Partys feiern.“

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