Sars-Krise von 2002/2003 noch in lebhafter Erinnerung

Arbeiter desinfizieren den Gocheok Sky Dome in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Arbeiter desinfizieren den Gocheok Sky Dome in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Was Europa jetzt von asiatischen Ländern lernen kann.

wien Europa ist laut Weltgesundheitsorganisation längst zum Epizentrum der Coronavirus-Pandemie geworden. Besonders hart getroffen ist Italien mit mehr als 26.000 Infizierten und über 2500 Todesfällen (Stand Dienstagabend). Doch auch Spanien zählt aktuell mehr als 9770 positiv getestete Menschen, Deutschland mehr als 8500 und Frankreich über 6470. In Österreich listet das Gesundheitsministerium über 1330 Infizierte auf.

Niedrigere Fallzahlen

Ihren Ausgang hat die Coronakrise Ende 2019 in Asien, genauer gesagt in China, genommen. Peking leidet mit derzeit fast 8940 Fällen und über 3220 Toten immer noch stark unter dem Virus, stabilisiert sich aber zunehmend. Immerhin hatte die Volksrepublik bereits mehr als rund 80.800 Infizierte. Andere asiatische Länder sind weit von den europäischen Zahlen entfernt. Aktuell zählt Hongkong beispielsweise 70 bestätigte Fälle. In Japan sind es über 680, in Singapur rund 150, in Vietnam 50 und in Kambodscha 23. Südkorea hat zwar mit mehr als 6830 Fällen noch sehr viele Infizierte. Doch das sind viel weniger als aktuell in Italien. Es gab auch deutlich weniger Todesfälle. „Man muss mit den Fallzahlen vorsichtig sein. Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt der Mediziner Armin Fidler. Entwarnung sei in den genannten Ländern noch nicht angebracht. Fidler, der für WHO und Weltbank gearbeitet hat, führt aber aus, dass viele asiatische Staaten sehr früh strikte Maßnahmen wie Grenzschließungen gesetzt hätten. Südkorea habe gleich zahlreiche Tests durchgeführt, sowie öffentliche Verkehrsmittel oder Supermärkte desinfiziert.

Grundsätzlich gelte eine Kombination von Faktoren, wieso diese Länder momentan besser durch die Krise kommen, schildert Fidler, zum Beispiel die Geografie. „Singapur ist ein Stadtstaat auf einer Halbinsel. Hongkong ebenso. Die Abkapselung funktioniert leichter.“ Gesellschaftlich gesehen seien die Länder autoritärer, es herrsche eine strengere Disziplin als in Europa. Zudem sei die Sars-Krise 2002/2003 lebhaft in Erinnerung, die Länder daher krisenerprobter. „Social Distancing wird längst praktiziert.“ Dazu kämen eingespielte Katastrophen- und Notfallpläne. Ob hierzulande bald auch öffentliche Plätze wie in Südkorea desinfiziert werden sollten, kann der Experte nicht beantworten. „Theoretisch wäre es eine Möglichkeit. Das wissen wir aber nicht. Grundsätzlich bewegen wir uns einfach noch auf unbekanntem Terrain.“

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.