„Situation ist ernst“

In der Pathologie Feldkirch bei Primar Offner herrscht Hochbetrieb.

Feldkirch Am Institut für Pathologie im Landesspital Feldkirch herrscht Hochbetrieb. Und das mit gutem Grund. Dort werden nämlich Tests in Sachen Corona durchgeführt. Sieben Mitarbeiter sind damit beschäftigt, bis dato wurden rund 100 Fälle unter das Mikroskop genommen. Noch verfügt man in der Abteilung über genügend Tests, weil bereits zu Beginn der drohenden Ausbreitung des Coronavirus 1000 Stück ins Haus geholt wurden. „Die Situation ist ernst, es geht jetzt richtig los, die Zahl der Fälle, die positiv sind, nimmt dramatisch zu“, erklärt Primar Felix Offner (59) als Leiter des Instituts. „Eine Situation wie die jetzige habe ich in dieser Geschwindigkeit und Bedrohlichkeit noch nie erlebt.“ Noch, sagt Offner, verfüge man über genügend Chemikalien und personelle Ressourcen. „Die Entwicklung ist sehr belastend für das Institut.“

Gefahr für das Gesundheitssystem?

Man habe schon die eine oder andere Krise wie Sars oder Schweine- und Vogelgrippe hinter sich bringen können, erinnert sich Offner, der vor rund 20 Jahren die Leitung der Pathologie übernommen hat. Wie läuft eigentlich die Testung einer Probe ab, die mit einem Abstrich aus dem Rachen eines möglicherweise von Corona Infizierten genommen wurde? „Vereinfacht gesagt, hat jedes Virus eine DNA oder genetische Sequenz. Mit einer Sonde, die diese Sequenz des Virus erkennt, versucht man Corona in einer Probe nachzuweisen.“ Wie begegnet man Zeitgenossen, die die getroffenen Maßnahmen und Einschnitte durch die Bundes- und Landesbehörden belächeln und als übertrieben bezeichnen? Sind diese aus der Sicht eines Mediziners überhaupt gerechtfertigt? Offner: „Ich maße mir nicht an, über die Ansichten von WHO oder Gesundheitsorganisationen zu richten. Die Mortalitätsrate ist nicht so wahnsinnig hoch und ich glaube, die am Tisch liegenden Daten muss man kritisch betrachten. Außerdem kann man die Situation in Deutschland und Österreich nicht mit jener in Italien vergleichen. Wenn aber trotzdem in einer sehr hohen Geschwindigkeit sehr viele Menschen krank werden, dann laufen wir Gefahr, dass das Gesundheitssystem überfordert ist.“ Die Folge wäre, warnt Primar Offner im Gespräch mit den VN, „dass wir Patienten haben, die eigentlich so schwer krank sind, dass sie ins Spital müssten“. Im Krankenhaus würden dann Kapazitäten gebunden, die mitunter anderen Schwerkranken entzogen werden müssten. „Dann wären wir in einem Dilemma.“ Deshalb sind laufende Anstrengungen, die für eine Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus sorgen sollen, gerechtfertigt, sagt Offner, möchte aber betont wissen, kein Experte für epidemiologische Fragen zu sein.

„Weder Hysterie noch Leichtsinn“

Wie geht Offner persönlich mit der Situation um? „Ich versuche so ruhig wie möglich zu bleiben, gehe fest entschlossen zur Arbeit, hoffe, nicht krank zu werden und versuche, meinen Leuten Mut zu machen, dass wir das Ganze übertauchen. Wir werden diese Krise bewältigen, da bin ich mir sicher.“ Es gehe um das gute Mittelmaß im Hinblick auf den sozialen Umgang mit anderen Menschen, das es zu finden gelte, meint Offner. „Wir sollten weder hysterisch noch leichtsinnig agieren. Ruhe, Entschlossenheit und Besonnenheit sind gefragt.“ Und welchen Rat hat Offner für die Vorarlberger? „Ich würde meine sozialen Kontakte bescheiden halten, große Versammlungen meiden und mich defensiver bewegen.“ Besonders bedrohlich könne das Virus für Menschen werden, die über 60 Jahre alt sind und jene, die ohnehin bereits an einer Krankheit laborieren würden.

Zur Person

Primar Felix Offner
leitet seit zwei Jahrzehnten das Institut für Pathologie am Landeskrankenhaus Feldkirch

Geboren 14. Jänner 1961

Familie verheiratet, drei Kinder

Laufbahn 1979 bis 1987 Uni Innsbruck, 1983 bis 1987 Dissertation Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie, Promotion zum Doktor, 1995 Facharzt für Pathologie, 1996 Habilitation im Fach Pathologie.

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