„Glaubt nicht an die große Liebe!“

von Martina Kuster
Die zweifache Mutter stieg nach der Geburt ihrer Kinder aus dem Beruf aus. Das bereut sie heute.  VN/Stiplovsek

Die zweifache Mutter stieg nach der Geburt ihrer Kinder aus dem Beruf aus. Das bereut sie heute.  VN/Stiplovsek

Elfriede gab den Job für die Familie auf. Als ihr Mann sich von ihr scheiden ließ, fiel ihr das auf den Kopf.

Schwarzach Bei ihr zuhause hatte der Vater das Sagen. „Mama hatte nichts zu melden“, erinnert sich Elfriede*. Der Mann bestimmt. Das bekam sie vom Elternhaus vermittelt. Aber sie durfte einen Beruf erlernen. Elfriede (58) ließ sich zur Bürokauffrau und Buchhalterin ausbilden. Die junge Frau baute sich ein eigenes Leben auf. „Ich hatte ein gutes Leben, eine Arbeit, die mir gefiel, eine Wohnung, ein Auto und immer wieder schöne Urlaube.“ Sie war 36, als sie ihrer großen Liebe Albert begegnete. „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Mit diesem Mann wollte Elfriede Kinder haben und alt werden. „Wir haben geheiratet und ein Haus gebaut. Dann wurde ich schwanger.“ Zwei Söhne krönten das Glück der beiden. Elfriede ging nun nicht mehr arbeiten. „Albert und ich hatten beschlossen, dass ich zuhause bei den Kindern bleibe und mich voll und ganz dem Nachwuchs widme.“ Diese Entscheidung, die später weitreichende Folgen für sie haben sollte, kommentiert sie heute so: „Ich war naiv und glaubte an die große und ewige Liebe.“

Eine Welt brach zusammen

Der Neo-Hausfrau ging der Job nicht ab. „Mein Leben war ausgefüllt mit den Kindern und mit ehrenamtlichem Engagement.“ In der Familie bestimmend war ihr Mann. „Ich passte mich an. Albert hatte mir klargemacht, dass wir keine Probleme hätten, wenn ich ihm seine Freiheiten lasse.“ Auch ins Finanzielle hatte sie keinen Einblick. „Ich vertraute ihm.“ Sie schätzte Albert für seine Anständigkeit und Korrektheit. „Er war die Ehrlichkeit in Person. Für ihn hätte ich mir die Hände und Füße abhacken lassen.“

Elfriede hatte immer den Eindruck, dass ihre Ehe überdurchschnittlich gut ist. Es zog ihr sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg, als er ihr vor zwei Jahren beim Frühstück mitteilte, dass er sich scheiden lassen wolle. Nach dieser Ansage aus heiterem Himmel weinte sie sich die Augen aus. „Bei mir ist in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen.“ Jahrelang hatte sie ihm den Rücken freigehalten und sich um ihn und die Kinder gekümmert. Und nun stand sie wie ein begossener Pudel da.

Berufstätig war sie zuletzt vor 17 Jahren gewesen. „Da bist du weg vom Fenster, schon gar als Buchhalter.“ Außerdem war sie bereits 55 Jahre alt. „Ich suchte vergeblich nach einem Job.“ Deshalb war sie sehr dankbar, dass sie im Rahmen des Projektes „Generation 50 plus“ für eineinhalb Jahre bei einer öffentlichen Institution im Büro mitarbeiten durfte. Die Scheidung verkraftete sie nur schwer. Denn insgeheim hoffte sie noch immer, dass Albert zu ihr zurückkommt. Doch der hatte längst eine Freundin. Als sie einen Tag nach der Scheidung auch noch einen Verkehrsunfall hatte, war das zu viel für sie. „Ich erlitt einen Nervenzusammenbruch.“ Ein mehrwöchiger Aufenthalt im Landeskrankenhaus Rankweil brachte sie wieder auf die Beine. Das Haus war inzwischen verkauft und Elfriede mit den Söhnen in eine Mietwohnung gezogen. „Es ist furchtbar, wenn man aus dem eigenen Haus ausziehen muss.“ Noch mehr traf sie aber, dass der jüngere Sohn zum Vater zog und sie ihn seither höchstens einmal im Jahr sieht. „Er war doch immer ein Mama-Kind“, versteht sie nicht, warum ihr das Kind verloren ging.

Angst vor der Zukunft

Die 58-Jährige, die derzeit arbeitssuchend ist und Notstandshilfe bezieht, hat Angst vor der Zukunft. „Ich habe Existenzängste.“ Denn Elfriede weiß, dass ihre Pension gering ausfallen wird. „Ich war 17 Jahre daheim. Diese Jahre fehlen mir für die Rente.“ Sie schätzt, dass sie nicht mehr als 1000 Euro netto bekommen wird. Heute würde sie vieles anders machen, sagt sie. „Ich würde nur wenige Jahre daheim bei den Kindern bleiben und schnell wieder arbeiten gehen.“ Anderen Frauen rät sie, rechtzeitig ans Alter zu denken und sich so abzusichern, dass man als Pensionistin nicht bedürftig ist. „Glaubt nicht an die große Liebe. Sie kann auch enttäuschen. Und macht Gebrauch vom Pensionssplitting. Wenn euer Mann das nicht will, ist eh schon der Wurm drin in eurer Beziehung.“

„Ich war sehr naiv und glaubte doch tatsächlich an die große und ewige Liebe.“

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