„Kein willkürliches Sternchenvergeben“

Die App "Lernsieg" ist zurück. Die Lehrergewerkschaft will klagen. APA

Die App "Lernsieg" ist zurück. Die Lehrergewerkschaft will klagen. APA

Bildungsminister plant verpflichtendes Feedback an Schulen.

Wien Fünf Sterne für gute Lehrer, ein Stern für schlechte. So funktioniert das Programm Lernsieg, das es nun zurück in die Appstores geschafft hat. Rund 90.000 Lehrer können dabei in verschiedenen Kategorien bewertet werden. Die Ergebnisse sind öffentlich. Die Lehrergewerkschaft sieht die App kritisch. Personalvertreter Paul Kimberger kündigt juristische Schritte an. Eine Musterklage sei bereits für ein Verfahren zugelassen worden. Auch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hält die Bewertungsapp für wenig hilfreich: „Wir brauchen eine echte Feedbackkultur auf Augenhöhe an unseren Schulen und kein willkürliches Sternchenvergeben“, sagt er den VN. Das Bildungsministerium arbeite derzeit daran, Verfahren zur Qualitätssicherung an Schulen weiterzuentwickeln. Die bestehenden Systeme sollen zusammengeführt werden. Ziel sei ein verpflichtendes Feedback an den Schulen, damit Apps wie Lernsieg überflüssig würden. 

Verschiedene Modalitäten

Bei Lernsieg können alle abstimmen, die ein Handy besitzen, ganz unabhängig davon, wo und ob sie zur Schule gehen. Es gibt Kategorien wie Unterricht, Pünktlichkeit und Fairness. Werden dort weniger als fünf Sterne vergeben, scheinen Unterkategorien auf, um die Mängel zu konkretisieren.

Der Vorarlberger Lehrergewerkschafter Gerhard Unterkofler kritisiert, dass Lehrer über die App öffentlich an den Pranger gestellt werden könnten. Er hofft auf einen Erfolg der Musterklagen. Sollte die App dennoch weiterbestehen, fordert der Personalvertreter eine Gesetzesänderung: „Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in der alles und jeder öffentlich bewertet wird.“ Feedback an sich lehnt Unterkofler nicht ab. „Wir wollen uns ja beurteilen lassen und müssen wissen, ob wir Fehler machen und wie die Kinder und Eltern uns einschätzen.“ An Vorarlbergs Schulen sei eine solche Rückmeldung bereits mittels V-Feedback möglich. „Das bringt wirklich was, weil hier tatsächlich nur Eltern und Schüler bewerten.“ Sie beurteilen unter anderem die Motivation des Lehrers, die Unterrichtsgestaltung, den möglichen Austausch und die verständliche Aufbereitung des Stoffs.

V-Feedback wurde 2018 und 2019 von 71 Prozent der Mittelschulen und Gymnasien genutzt, heißt es im Büro von Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP). Es sei im Rahmen des Forschungsprojekts zur Gemeinsamen Schule entstanden und nun seit zwei Jahren im Einsatz. Heuer wird V-Feedback auf die ersten Volksschulen ausgeweitet, ab 2021 steht es allen zur Verfügung. Eine Feedback-Pflicht gibt es aber nicht.

Nicht nur für Lehrer, sondern auch für die App Lernsieg gab es mittlerweile Feedback. Das Ergebnis: 2,2 von fünf Sternen. VN-ebi

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