Jedes Jahr fast 500 Jobs

von Michael Prock

Immer mehr Flüchtlinge finden einen Platz auf Vorarlbergs Arbeitsmarkt.

Schwarzach Muhammed Mrshan stammt aus Idlib in Syrien. Nach der Schule ging er im Jahr 2011 an die Universität in Latakia und begann ein BWL-Studium. „Es war das Jahr, in dem bei uns die großen Probleme begannen“, erinnert er sich. Irgendwann muss er fliehen. 2015 ist er 23 Jahre alt, als er in Österreich einen Asylantrag stellt. Mittlerweile wohnt er in Bregenz, ist anerkannter Flüchtling und einer von über 2000 Asylberechtigten, die in Vorarlberg schon einen Arbeitsplatz gefunden haben.

Zahl wieder rasch gesunken

2015 und 2016 suchten viele Flüchtlinge Zuflucht in Österreich und damit auch in Vorarlberg. Im stärksten Monat, dem Juni 2016, befanden sich 3934 Menschen in der Grundversorgung in Vorarlberg. Seitdem sinkt die Zahl, mittlerweile sind es rund 1000. Das bedeutet aber nicht, dass es weniger Flüchtlinge im Land gibt. Wer aus der Grundversorgung fällt, verfügt über einen rechtskräftigen Asylbescheid – positiv oder negativ. Bei Asylberechtigten beginnt damit die Integration in ein neues Leben. Sie besuchen Deutsch- und Wertekurse, suchen eine Wohnung und einen Platz in der Schule oder in einem Beruf.

Im Juni 2015 kommt Muhammed Mrshan nach Dornbirn. Er spricht kein Wort Deutsch. Ende 2015 erhält er den positiven Asylbescheid und fängt sofort an, die Sprache zu lernen. Bald darauf beginnt er als Spengler zu arbeiten und besucht Vorlesungen an der FH. Aber das ist nicht einfach, vor allem der Dialekt bereitet ihm Probleme. Er möchte aber etwas lernen. „Dann habe ich bei Alpla eine Lehrstelle gefunden.“ Mittlerweile befindet sich der Bregenzer im dritten Lehrjahr zum Anlagenelektriker, 2021 steht der Abschluss an. Der dürfte kein Problem werden, sein Notenschnitt liegt zwischen 1 und 1,5.

Vom Asylbescheid bis zur Arbeit ist es oft ein beschwerlicher Weg. Ausbildungen müssen anerkannt werden, viele müssen noch Deutsch lernen, manche einen Beruf. Von derzeit 1078 Asylberechtigten, die beim AMS vorgemerkt sind, verfügen 842 über keine Ausbildung. Im Dezember 2019 befanden sich 2829 Konventionsflüchtlinge in der Mindestsicherung, das sind 700 weniger als 2016. 1160 davon sind älter als 25 Jahre, 1096 sind jünger als 15. Die Zahl der Flüchtlinge in Berufen steigt. Zwar unterscheidet das AMS nicht zwischen Flüchtlingen und Nichtflüchtlingen, allerdings zwischen Staatsbürgerschaften. Im Dezember 2019 befanden sich 2371 Menschen aus Russland, Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan und Somalia in einem Beruf. Ein Jahr zuvor waren es 1914. Die Arbeitslosenquote bei Menschen aus diesen Ländern beträgt 23,3 Prozent. Österreichweit liegt sie in dieser Gruppe bei 31,9 Prozent.

AMS-Chef im VN-Podcast

Der ehemalige Flüchtlingskoordinator Anton Strini betont: „Uns ist es gelungen, pro Jahr rund 500 Menschen in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.“ Strini hat sich Ende des vergangenen Jahres in die Pension verabschiedet (die VN berichteten). In der aktuellen Ausgabe des Podcasts VN-Woche spricht AMS-Chef Bernhard Bereuter über die aktuelle Arbeitsmarktsituation in Vorarlberg. Alpla-Lehrling Mrshan ist froh über die Chance, die er im Land bekommen hat. „Als Flüchtling darf man hier arbeiten, Geld verdienen und vor allem etwas lernen. Das finde ich toll.“

Er wird der Vorarlberger Technikbranche erhalten bleiben, denn seine Ausbildung hat in ihm die Begeisterung dafür entfacht. „BWL werde ich nicht mehr studieren. Mich würde es reizen, die HTL nachzuholen.“

„Als Flüchtling darf man hier arbeiten und vor allem etwas lernen. Das finde ich toll.“

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