„Wir können die Kinder nicht mehr heraushalten“

Polizist und Autor Alexander Geyrhofer plädiert: „Wir können das Internet für unsere Kinder nur sicherer machen, wenn wir selbst Medienkompetenz erwerben.“

Polizist und Autor Alexander Geyrhofer plädiert: „Wir können das Internet für unsere Kinder nur sicherer machen, wenn wir selbst Medienkompetenz erwerben.“

Autor und Polizist Alexander Geyrhofer referierte zum Thema „Kinder sicher im Internet“.

Götzis „Das Thema zwickt“, sagte Polizist Alexander Geyrhofer gleich zu Beginn seines Vortrags im Saal des Vereinshauses der Kulturbühne Ambach. Diese Erkenntnis hat der 55-Jährige nicht erst, seit sein Buch „Kinder sicher im Internet“ nach drei Tag zum Bestseller im deutschsprachigen Raum wurde.

„Ich möchte mit meinem Ratgeber schockieren“, hallte es ins Publikum bevor er fortsetzte: „Ich habe in den 18 Jahren, in denen ich in der Kriminalprävention tätig war, erlebt, mit welchen extremen Gemeinheiten und auf hinterhältigste Art und Weise versucht wird, zu Geld zu kommen.“ Dabei sei nicht das Smartphone, das Tablet oder der Internetzugang an sich das Problem, sondern wir selbst, wenn wir unsere Kinder dem Netz ungeschützt aussetzen. Dabei seien es Instagram, YouTube und aktuell noch TikTok, die bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch im Kurs stehen.

Cybermobbing

Genau dort tummeln sich auch jede Menge Kriminelle. Wissend, dass sich die Kids gerne im Internet präsentieren und über Anerkennung zu leichten Opfern werden. Umso wichtiger, die Gefahren zu kennen und zu wissen, was passieren kann. Geyrhofer spricht damit das Thema Sexting an. Und die Zahlen, die er nennt, lassen aufhorchen. So hätte beispielsweise ein Drittel aller 14- bis 18-Jährigen schon Nacktfotos geschickt bekommen, ein Sechstel hat sogar selbst welche verschickt.  Und das Cybermobbing und Mobbing betreffend, sorgte beim Publikum für einen Moment dafür, dass die Spucke wegbleibt. „Laut einer OECD-Statistik ist Österreich EU-weit an erster Stelle.“ Jeder fünfte Schüler ist Opfer oder hat Erfahrungen mit Intrigenspielen. Außerdem gäbe es in 50 Prozent der Schulklassen Mobbing-Opfer, doch 95 Prozent der Lehrer bekommen davon gar nichts mit.

„Ich glaube, wir brauchen noch viel mehr Aufklärung in den Schulen“, so Geyrhofer.  Doch genauso wichtig ist, dass die Kommunikation zu den Kindern nicht abreißt. Eltern und Lehrer müssen Vertrauenspersonen blieben. Denn Gleichaltrige helfen ihnen nicht, das Problem zu lösen. Da brauche es schon die Erwachsenen.

Vorbildwirkung

Ganz im Sinne von Karl Valentin, von dem das Zitat stammt: „Kinder kann man nicht erziehen, sie machen ihren Eltern eh alles nach“, stellte Geyrhofer noch die Frage: Was macht es mit Kindern, wenn sie die Erwachsenen ständig mit Smartphones sehen? Seine Antwort war eindringlich: „Wir müssen selbst Medienkompetenz erwerben, denn wir können die Kinder nicht mehr raushalten.“ Auch für die virtuelle Datenautobahn wäre eine Verkehrserziehung naheliegend. Das brächte mehr Sicherheit.

<p class="infozeile">Unrealistisch bearbeitete Bilder in diversen Social-Media-Kanälen verzerren die Wahrnehmung und werden für jene gefährlich, die ein geringes Selbstwertgefühl haben. Leonie Feurstein, 17, BHMS-Landesschulsprecherin</p>

Unrealistisch bearbeitete Bilder in diversen Social-Media-Kanälen verzerren die Wahrnehmung und werden für jene gefährlich, die ein geringes Selbstwertgefühl haben. Leonie Feurstein, 17, BHMS-Landesschulsprecherin

<p class="infozeile">Das Internet bietet Herausforderungen und Chancen. Wir müssen Kinder für Gefahren sensibilisieren und als Ansprechpartner für sie dasein. Judith Thurnher, 44, aha-Mitarbeiterin, Bereich Informationskompetenz</p>

Das Internet bietet Herausforderungen und Chancen. Wir müssen Kinder für Gefahren sensibilisieren und als Ansprechpartner für sie dasein. Judith Thurnher, 44, aha-Mitarbeiterin, Bereich Informationskompetenz

<p class="infozeile">Darunter leidet vor allem die Empathiefähigkeit. Die Entwicklung des Gehirns bei Kindern braucht dringend soziale Interaktion und benötigt somit reale Ansprechpersonen. Andreas Prenn, 57, Leiter der Werkstatt für Suchtprophylaxe (Supro)</p>

Darunter leidet vor allem die Empathiefähigkeit. Die Entwicklung des Gehirns bei Kindern braucht dringend soziale Interaktion und benötigt somit reale Ansprechpersonen. Andreas Prenn, 57, Leiter der Werkstatt für Suchtprophylaxe (Supro)

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