VN-Interview. Katharina Ritter (56), Geschichtenerzählerin aus dem Bregenzerwald

„Wir nannten uns damals die Schwestern Grimm“

Die Schüler der VS Satteins hatten bei der Veranstaltung Buch am Bach die Möglichkeit, der Geschichtenerzählerin Katharina Ritter Fragen zu ihrem Job zu stellen.

Die Schüler der VS Satteins hatten bei der Veranstaltung Buch am Bach die Möglichkeit, der Geschichtenerzählerin Katharina Ritter Fragen zu ihrem Job zu stellen.

Die Kinderreporter der VS Satteins haben die Geschichtenerzählerin Katharina Ritter befragt.

Götzis Katharina Ritter gab nach ihrer Vorstellung den vier Buch-am- Bach-Kinderreportern Einblicke in ihren Beruf als Geschichtenerzählerin.

 

Wieso haben Sie diesen Beruf gewählt?

Ritter Ich habe lange beim Film gearbeitet und anderen dabei geholfen, ihre Geschichten zu erzählen. Dabei merkte ich, dass ich etwas Eigenes machen möchte. So habe ich mir diesen Beruf mehr oder weniger selbst erfunden, denn bei uns ist dieser Job eher selten, nur in Kanada hörte ich einmal davon.

 

Was ist wichtig für Sie als Geschichtenerzählerin?

Ritter Beim Geschichtenerzählen ist es wichtig, dass man echt ist. Man sollte sich nicht verstellen, denn es ist kein Schauspiel. Außerdem ist es wichtig, dass man spannende Geschichten kennt, denn keiner mag langweilige Geschichten. Man muss herausfinden, was andere und auch man selbst spannend finden.  

 

Wie kommen Sie zu den Geschichten?

Ritter Wenn ich alte Geschichten erzählen möchte, die es schon länger gibt, dann gehe ich gerne in die Bibliothek oder suche diese im Internet. Wenn ich zum Beispiel Geschichten über den Tod und den Teufel erzählen möchte, dann erinnere ich mich auch an Geschichten, die man früher gehört hat. Das Finden von Geschichten ist ein wichtiger Teil meines Berufes. Wenn ich keine passenden Erzählungen zu einem bestimmten Thema finden kann, dann schreibe ich selbst welche.

Arbeiten Sie auch mit anderen Erzählern oder Autoren zusammen?

Ritter Ja, auf jeden Fall. Oft macht man gemeinsame Projekte. Ein schönes Projekt mit Kolleginnen war zum Beispiel, dass wir die Geschichten der Gebrüder Grimm erzählt haben. Wir nannten uns damals die Schwestern Grimm. Wir haben alle 200 Geschichten erzählt. Aber ich habe auch schon mal den Audio-Guide von einem Museum gemacht. Ich arbeite viel mit anderen und für andere.

 

Kann man von diesem Beruf gut leben?

Ritter Diese Frage wird mir sehr oft gestellt. Ich glaube nicht, dass es ein Beruf ist, mit dem man sehr reich werden kann, aber ich kann aus tiefstem Herzen sagen, dass ich glücklich bin. Seit über 20 Jahren ist das Erzählen mein Beruf.

 

Muss man für das Erzählen von Geschichten die Stimme verstellen, damit es spannender wird? 

Ritter Nein, gar nicht. Viele denken, dass man besonders schön sprechen muss, aber das stimmt nicht. Ich glaube, man muss mit seiner echten Stimme erzählen, das heißt aber nicht, dass man nicht in Rollen springen soll. In verschiedene Rollen springen ja, aber nicht verstellen, sondern echt sein.

 

Wie fühlen Sie sich auf der Bühne?

Ritter Ich bekomme immer noch Lampenfieber. Drei Stunden vor jedem Auftritt habe ich das Gefühl, ich hätte Schmetterlinge im Bauch. Dann versuche ich mich zu beruhigen. Zehn Minuten bevor ich dann auf die Bühne muss, geht es wieder los. Auf der Bühne selbst ist es richtig super.

 

Welches Publikum ist Ihr liebstes?

Ritter Ich liebe lebendiges Publikum, das mitfühlt und aktiv ist. Ich mag auch Kinder im Publikum sehr. Sie sind zwar sehr kritische Zuhörer, denn sie nehmen kein Blatt vor den Mund, aber sie fühlen dafür richtig mit. VN-DPF

Das Interview mit Katharina Ritter haben geführt Eva, Elisabeth, Sedrick und Burhan

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