Oskar liebt die Gartenarbeit

von Marlies Mohr
Irma Gerstenmayer und Sohn Oskar halten fest zusammen. Beide hoffen, dass es mit einem passenden Arbeitsplatz klappt. Gerstenmayer

Irma Gerstenmayer und Sohn Oskar halten fest zusammen. Beide hoffen, dass es mit einem passenden Arbeitsplatz klappt. Gerstenmayer

Für Autisten eine Arbeitsstelle zu finden, ist immer noch schwierig.

Lochau „Der Oskar ist ein feiner Kerl“, sagt Irma Gerstenmayer-Hausenblas und lächelt dabei. Es sind die liebevollen Worte einer Mutter an ihren Sohn. Gleichzeitig weiß sie auch um die anderen Seiten an ihm, die sie ebenfalls nicht verhehlt. Als Autist hat der Bub nämlich so seine Eigenheiten. „Er mag keine Menschenmengen, kommt nur schwer mit Veränderungen klar und Scherze verunsichern ihn“, nennt Irma Gerstenmayer-Hausenblas einige Beispiele.

Dafür liebt Oskar die Gartenarbeit. „Er kennt sich gut mit Pflanzen aus“, erzählt die Mutter stolz. Auch Pünktlichkeit und Verlässlichkeit zeichnen den 16-Jährigen aus. Derzeit besucht Oskar noch die Schule. Er hat ein 11. Schuljahr bewilligt bekommen. Danach heißt es für den jungen Lochauer eine Arbeitsstelle zu finden, die seinen speziellen Bedürfnissen entgegenkommt. Ein Unterfangen, das trotz Inklusion nicht einfach ist.

Unterstützung

Die Eltern sondieren schon jetzt den Arbeitsmarkt. Sie hoffen auf Unternehmen, die gehandicapten Menschen wie Oskar eine Chance geben. Unterstützung erhalten sie dabei von Integrationsberaterin Dunja Baumann. Sie ist beim „Spagat“ beschäftigt, einem Fachbereich des Instituts für Sozialdienste (IfS), der Personen mit Beeinträchtigungen auf dem Weg der beruflichen Integration begleitet.

Im kommenden Jahr wird sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 300 Frauen und Männer werden derzeit betreut. „Wir nehmen uns viel Zeit, um den passenden Arbeitsplatz zu finden“, betont Fachbereichsleiterin Karin Stefanzel und ergänzt: „Die Begleitung bleibt bestehen, bis es läuft.“

Dabei geht es nicht in erster Linie um Leistung, sondern um eine sinnvolle Beschäftigung, die Freude macht. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, eine Ansprechperson im Betrieb zu finden“, erklärt Dunja Baumann. Sie soll dem Klienten als Mentor zur Seite stehen. „Auch wir sind immer da, wenn Fragen oder Probleme auftauchen“, sagt Baumann. Wird ein Dienstverhältnis perfekt gemacht, gibt es eine Entlohnung nach Kollektivvertrag, und der Betrieb erhält vom Land einen Lohnkostenzuschuss, der bis zu 30 Prozent betragen kann.

Mithilfe der Eltern

Bei der Auswahl eines Arbeitsplatzes sind die Integrationsberater auf die Mithilfe der Eltern angewiesen. „Sie kennen ihr Kind am besten, wissen um seine Möglichkeiten und Interessen und um die Rahmenbedingungen, die es braucht“, plaudert Baumann aus der Praxis. Irma Gerstenmayer-Hausenblas muss immer bremsen, wenn es um die Fähigkeiten von Oskar geht. „Da er sehr eloquent auftritt, wird er oft überschätzt“, erzählt sie. Seine Handlungskompetenz kann da nicht mithalten. Zudem braucht Oskar ein Rückzugsrefugium. Häufiges Wiederholen derselben Erklärungen beruhigen den großgewachsenen Jugendlichen, der auch über eine hohe Merkfähigkeit verfügt, ebenfalls. Mit diesem Wissen lässt es sich für Dunja Baumann gut arbeiten.

Solange Oskar noch in die Schule geht, ist Mobilitätstraining angesagt. „Es gibt beeinträchtigten Menschen Sicherheit, wenn sie sich selbständig bewegen können, und sie sind in der Gesellschaft sichtbar, was hilft, Hemmschwellen abzubauen“, erläutert die Integrationsberaterin. Ziel ist es, ihnen überhaupt ein hohes Maß an eigener Lebensgestaltung zu ermöglichen. Ein bedeutender Teil der Zukunftsplanung stellen auch die sogenannten Unterstützungskreise dar. Verwandte und Bekannte helfen beim Finden von Schnupperplätzen und stellen Kontakte zu Betrieben her. Auf diese Weise könne sich einiges bewegen. Irma Gerstenmayer-Hausenblas überlegt und sammelt selbst auch Beschäftigungsideen. „Die Liste wird langsam länger“, zeigt sie sich zuversichtlich. Karin Stefanzel kann ebenfalls Mut machen: „Wir haben noch keine Begleitung beendet, nur weil es keinen Arbeitsplatz gab.“

„Wir haben noch keine Begleitung beendet, nur weil es keinen Arbeitsplatz gab.“

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