Gewalt ist in der Erziehung noch immer an der Tagesordnung

Etwa 1400 Kinder pro Jahrgang sind gravierenden Angriffen ausgesetzt.

Bregenz Diese Zahl bestätigt Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker in einer Anfragebeantwortung an FPÖ-Gesundheitssprecher Hubert Kinz. Wiesflecker zitiert aus aktuellen Untersuchungen, die in Deutschland und Österreich durchgeführt wurden. Demnach leiden in der Altersgruppe der Sechs- bis 14-Jährigen bis zu 25 Prozent unter einem gewaltbelasteten Erziehungsstil und etwa sieben Prozent unter gravierender körperlicher Gewalt. Für Vorarlberg müsse daher angenommen werden, dass etwa 1100 Kinder und Jugendliche in dieser Altersspanne pro Jahrgang alle Sanktionsformen, einschließlich mehrmaliger schwerer Körperstrafen erleben, und dass rund 300 Minderjährige pro Jahrgang massiven körperlichen Angriffen ausgesetzt sind.

Meldungen rückläufig

Als Gründe für die Einleitung eines Abklärungsverfahrens durch die Kinder- und Jugendhilfeabteilungen der Bezirkshauptmannschaften werden vor allem häusliche Gewalt sowie Misshandlungen genannt. 2017 gingen fast 20 Prozent der Fälle auf das Konto von häuslicher Gewalt, etwas mehr als vier Prozent betrafen Misshandlungen. Auch wegen Vernachlässigung und mangelnder hygienischer Verhältnisse muss die Kinder- und Jugendhilfe immer wieder einschreiten, wie aus der Anfragebeantwortung hervorgeht. Was die Gefährdungsmeldungen betrifft, sind diese laut Auflistung rückläufig. Für 2014 weist die Bilanz für alle Bezirkshauptmannschaften 2165 Meldungen aus, 2018 waren es noch 1165. Davon gingen 185 anonym ein. Am häufigsten meldeten Gerichte, Behörden und Organe der öffentlichen Aufsicht einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung.

Vieraugenprinzip

Alle Mitteilungen, Anzeigen, Berichte und Meldungen werden laut Katharina Wiesflecker durch eine Fachkraft auf Hinweise geprüft, die auf eine Gefährdung des Kindeswohls schließen lassen. Weckt nichts einen Verdacht, wird das von einer weiteren Fachkraft nach dem Vieraugenprinzip bestätigt. Im anderen Fall werde der Dringlichkeit entsprechend gehandelt. Weiters gibt es etwa 3200 Kinder und Jugendliche, die abklärungs- und therapiebedürftige psychische Gesundheitsprobleme aufweisen. Das entspricht einem Anteil von fünf Prozent. Gut ein Prozent aller Kinder und Jugendlichen hat einen stationären oder tagesklinischen Behandlungsbedarf. Diesem Problem wurde unter anderem durch den Ausbau der Kapazitäten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Rankweil sowie mit der Eröffnung einer kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Bregenz Rechnung getragen. VN-MM

„Bestätigt sich ein Verdacht, wird der Dringlichkeit entsprechend gehandelt.“

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.