Krätze geht unter die Haut

von Marlies Mohr

Juckende Hauterkrankung breitet sich immer mehr aus.

Bregenz Die Krätze, ein stark juckender Hautausschlag, hat sich laut Dermatologen zu einer Massenerkrankung entwickelt. „Früher sah ich vielleicht drei Patienten in zwei Jahren. Heute sind es durchschnittlich drei pro Tag“, verdeutlicht Manfred Hinteregger, Sprecher der Hautfachärzte im Land, die Dimensionen. Das Problem: Bei Skabies, so der Fachbegriff, handelt es sich um eine hochansteckende Erkrankung, die von Milben verursacht und bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen wird. Behandeln lässt sich die Krätze relativ einfach sowie nebenwirkungsarm mittels Creme oder Tabletten. Die aus Chrysanthemen hergestellte Salbe ist auch für Schwangere und Kinder geeignet, für die Tabletten, die importiert werden müssen, gilt das nicht.

Früher eher selten

Krätze gab es immer schon. Früher trat sie allerdings eher selten auf. Inzwischen breitet sich die Krätze jedoch in allen Bevölkerungsschichten aus. „Das betrifft nicht nur Vorarlberg und Österreich, sondern auch viele andere Staaten“, sagt Manfred Hinteregger, der schon von einer Krätze-Epidemie spricht. Unter anderem wird die rasante Verbreitung dieser Hauterkrankung den Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre zugeschrieben. Tritt die Erkrankung auf, muss die gesamte Familie des Betroffenen behandelt werden, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Hinteregger schätzt, dass derzeit jeden Tag rund 100 Präparate zur Behandlung der Krätze über die Ladentische der Apotheken gehen.

Skabiesmilben tummeln sich in erster Linie dort, wo die Haut sehr dünn ist, weil sie Sauerstoff benötigen. Das können Fingerzwischenräume, Handgelenke, Armbeugen, das Gesäß, die Haut um den Bauchnabel, der Genitalbereich und bei Babys sowie Kleinkindern die Handflächen und Fußsohlen sein. Während sich die befruchteten Milbenweibchen auf der Haut tummeln, graben sie kleine Gänge in die Epidermis und legen dort ihre Eier und ihren Kot ab. Die Beschwerden machen sich aber nicht sofort bemerkbar, sondern erst mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen, dann allerdings gehörig. Es juckt zum Aus-der-Haut fahren. „Bei einer neuerlichen Infektion tritt der Juckreiz sofort auf“, erklärt der Hautfacharzt. Weil man sich jederzeit wieder anstecken kann, sollte die Krätze schnell und genau behandelt werden.

Zwei Präparate

Mit der Chrysanthemensalbe steht ein auch in Österreich zugelassenes pflanzliches Präparat zur Verfügung. „Die Creme bleibt zehn Stunden auf der Haut, dann sind die Milben abgestorben“, beschreibt Manfred Hinteregger das Prozedere. Alternativ lässt sich die Kräzte mit Tabletten bekämpfen. Dieses Präparat ist zwar nicht verfügbar, es kann bei Bedarf aber importiert werden. Hinteregger hält sich mit der Verschreibung jedoch zurück, da es für werdende Mütter, Kinder und alte Menschen nicht geeignet ist. Mittlerweile sind laut dem Sprecher der Dermatologen alle Ärzte auf Krätze sensibilisiert. Er selbst hat eine Patienteninfo in allen möglichen Sprachen aufgelegt. Am häufigsten braucht er jene, die in arabischer und persischer Sprache verfasst sind.

„Die Creme bleibt zehn Stunden auf der Haut, dann sind die Milben abgestorben.“

Stichwort

Krätze

Krätze ist eine Erkrankung der Haut, die durch die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei variatio hominis) hervorgerufen wird. Übertragen wird die Krätze durch Kontaktinfektionen, entweder von Mensch zu Mensch, aber auch durch Wäsche, die mit Milben infiziert ist. Bei zurückhaltenderem Umgang mit Sozialkontakten, Händeschütteln oder auch einer Umarmung und Küsschen zur Begrüßung besteht in der Regel kein Risiko, die Krätzmilben zu übertragen. Einzige Ausnahme ist die Scabies crustosa (früher auch Scabies norvegica genannt): Diese schwere Form der Krätze ist extrem ansteckend.

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