Für Gott, Fürst und Vaterland

Fürstentum Liechtenstein feiert 300. Geburtstag

Vaduz Heute wird das Fürstentum Liechtenstein genau 300 Jahre alt. Denn am 23. Jänner 1719 hat der römisch-deutsche Kaiser Karl VI. die Herrschaften Vaduz und Schellenberg vereinigt und zum Reichsfürstentum Liechenstein erhoben. Benannt wurde das Land nach seinen Herrschern, der Familie Liechtenstein, die seit dem 13. Jahrhundert in Mähren und Ostösterreich einflussreiche Adelige waren. Im Glaubensstreit vor und während des Dreißigjährigen Kriegs unterstützten sie die Habsburger, das brachte der Familie den Erbfürstentitel ein. 1719 wurde Fürst Hans-Adam mit der Erhebung zum Fürstentum ein reichsunmittelbares Gebiet zugesprochen und die Familie konnte gegenüber anderen Fürsten ebenfalls als Landesherr auftreten. Trotzdem blieb Familie Liechtenstein bis ins 20. Jahrhundert in Österreich verankert, erst 1938 übersiedelte Fürst Franz Josef II. nach Vaduz, wo die Familie seither lebt.

Aus arm wird reich

Über Jahrhunderte war Liechtenstein agrarisch geprägt und sehr arm. Aber im 20. Jahrhundert erlebte das Fürstentum einen Höhenflug. Die Neutralität im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg erlaubte es, die langsam wachsende Industrie unbeschädigt zu entwickeln. Thyssen-Krupp-Presta, Hilti, Hilcona, Ivoclar-Vivadent oder Oerlicon Balzers gehören in ihren Sektoren zu den Weltmarktführern.

Außerdem wurde das Land aufgrund sehr günstiger Rahmenbedingungen ein weltweit beliebter Finanzplatz. 25 Prozent der Bruttowertschöpfung werden in diesem Bereich erzielt, Banken wie die der Fürstenfamilie gehörende LGT gehören zu weltweit erfolgreichen Akteuren. Dass in der Vergangenheit liechtensteinische Treuhänder und Banken aufgrund ihrer Verschwiegenheit gerne auch für zwielichtige Finanzgeschäfte genutzt wurden, hat dem Fürstentum lange auch einen zweifelhaften Ruf eingebracht. Gegenwärtig ist das Land von den schwarzen Listen verschwunden, man setzt auf Seriosität.

Großer Festakt

Heute wird im sechstkleinsten Land der Welt mit einem Festakt gefeiert. Eingeladen sind die Bundespräsidenten der Nachbarländer, Alexander Van der Bellen (Österreich), Ueli Maurer (Schweiz) und Frank-Walter Steinmeier (Deutschland). Beim offiziellen Festakt am Abend werden das Oberhaupt der Erbmonarchie, Fürst Hans-Adam II., Erbprinz Alois sowie Regierungschef Adrian Hasler und Parlamentspräsident Albert Frick teilnehmen. Bereits zuvor ist ein Geburtstagsmarsch zum Scheidgraben in Schaan, der die beiden Landesteile Liechtensteins verbindet, geplant. Damit soll die Vereinigung der Landesteile symbolisch dargestellt werden. 800 Teilnehmende aus allen elf Gemeinden haben sich angemeldet. Der Marsch mündet im Festakt, der in Schaan stattfindet.

Staatsfeiertag 300

Als weiteren Höhepunkt des Jubiläumsjahrs nennen die Organisatoren den diesjährigen Staatsfeiertag am 15. August, den sogenannten „Staatsfeiertag 300“. Die gesamte Bevölkerung, etwa 38.000 Personen, soll die Möglichkeit haben, auf einem Platz die Jubiläumsfeier zu begehen. Dadurch soll das Wir-Gefühl gestärkt und der Leitgedanke vermittelt werden, „Teil eines Ganzen zu sein“. In die Feiern eingebunden ist auch das Kunstmuseum. „Von der Zukunft der Vergangenheit. Ein Dialog der Sammlungen“ heißt die Jubiläumsschau, die im September eröffnet wird.

Liechtenstein will das Jubiläum nutzen, Land und Leute im Ausland bekannter zu machen. Geschichten sollen erzählt werden, die das kleine Land in der Vergangenheit prägten und zu dem machten, was es heute ist: ein hoch entwickelter Kleinstaat mit einem märchenhaften Schloss als Bildaushang sowie ein Jobwunder mit gleich vielen Arbeitsplätzen wie Einwohnern. VN-GMS

<p class="infozeile">Anton Florian von Liechtenstein war der erste Fürst von Liechtenstein, der auch ein Fürstentum innehatte.</p>

Anton Florian von Liechtenstein war der erste Fürst von Liechtenstein, der auch ein Fürstentum innehatte.

<p class="infozeile">Seit 1924 ist Liechtenstein in einer Zoll- und Währungsunion mit der Schweiz.</p>

Seit 1924 ist Liechtenstein in einer Zoll- und Währungsunion mit der Schweiz.

<p class="infozeile">Andreas Kieber, der letzte Liechtensteiner Soldat auf Schloss Vaduz (um 1930).</p>

Andreas Kieber, der letzte Liechtensteiner Soldat auf Schloss Vaduz (um 1930).

<p class="infozeile">Papst Johannes Paul II. besuchte 1985 das Land. Fürstin Gina und Fürst Franz Josef II. begrüßten ihn.</p>

Papst Johannes Paul II. besuchte 1985 das Land. Fürstin Gina und Fürst Franz Josef II. begrüßten ihn.

<p class="infozeile">Gegen die Einsetzung von Wolfgang Haas als erstem Erzbischof gab es Proteste im Land.</p>

Gegen die Einsetzung von Wolfgang Haas als erstem Erzbischof gab es Proteste im Land.

<p class="infozeile">Industrie (hier die Hilti Zentrale) und Finanz-industrie sorgen für Wohlstand im Land.</p>

Industrie (hier die Hilti Zentrale) und Finanz-industrie sorgen für Wohlstand im Land.

Liechtenstein 300 Ereignisse

Geburtstagsfeier 23. Jänner, Festakt und großer Marsch durch das Fürstentum Liechtenstein

Sonderausstellung Vom 27. Februar 2019 bis 23. Jänner 2020 gibt es im Landesmuseum eine Sonderausstelllung „300 Jahre Liechtenstein“ Augmented Reality Am 26. Mai startet eine App, die die Geschichte via Augmented Reality an ausgewählten Orten erlebbar machen wird

Staatsfeiertag 300 Der Staatsfeieertag am 15. August soll der Höhepunkt des Jubiläumsjahrs werden und sich von den üblichen Feierlichkeiten abheben

Fürstliche Sammlung Gemeinsame Ausstellung von Highlights der Fürstlichen Sammlung, der Sammlung des Kunstmuseums Liechtenstein und der Hilti Foundation. 19. September 2019 bis 23. Jänner 2020

komplettes Programm des Jubiläumjahres auf www.300.li/events

Chronologie Liechtenstein

1719 Am 23. Jänner 1719 vereinigt Kaiser Karl VI. auf Ansuchen von Fürst Anton Florian von Liechtenstein die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg und erhebt sie zum Reichsfürstentum Liechtenstein. Die Herrschaft Schellenberg hat Fürst Hans Adam von Liechtenstein 1699, die Grafschaft Vaduz 1712 von den verschuldeten Herren von Ems erworben. Die Verwaltung des bäuerlich geprägten Fürstentums wird von Feldkirch aus vorgenommen. Das Palais Liechtenstein dient als Verwaltungssitz.

1806 Napoleon macht Liechtenstein zu einem der 16 Gründungsmitglieder des Rheinbundes, obwohl Fürst Johann I. dem nicht zustimmt. Damit wird das Fürstentum unabhängig. Im Rahmen des Wiener Kongresses 1814/15 wird die Unabhängigkeit bestätigt, Liechtenstein wird Mitglied des Deutschen Bundes (der bis 1866 besteht).

1818 Die Landständische Verfassung ist die erste geschriebene Verfassung des Fürstentums. Sie ist spätabsolutistisch geprägt und gibt der Bevölkerung keine wirklichen Rechte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts finden zudem umfangreiche Reformen (gegen den Willen der Bevölkerung) statt.

1849 Unter dem Druck revolutionärer Bewegungen 1848/49 kommt es zu konstitutionellen Übergangsbestimmungen. Erstmals tagt ein Parlament, der Landrat. 1852 werden diese Änderungen wieder zurückgenommen.

1852 Zollunion mit dem Habsburgerreich. Bis zum Jahr 1919 stehen österreichische Finanzbeamte an den Liechtensteiner Grenzen.

1862 Liechtenstein beendet mit einer neuen Verfassung den Absolutismus. Der Fürst vereinigt in der neuen Verfassung weiter „alle Rechte der Staatsgewalt“, kann aber ohne Parlament keine Gesetze oder Steuern erlassen. Die Regierung wird noch bis 1921 ausschließlich vom Fürsten bestimmt.

1921 Neue Verfassung: die Staatsgewalt ist jetzt in Fürst und Volk vereint. Erste direktdemokratische Rechte werden verankert.

1924 1919 war der Zollvertrag mit Österreich beendet worden, Liechtenstein lehnte sich stärker an die Schweiz an. 1924 kommt es zu einer Wirtschafts- und Zollunion. Der Schweizer Franken wird offizielle Währung.

1938 Das Fürstenhaus kommt ins Land. Fürst Franz Josef II. verlässt Wien und nimmt seinen Wohnsitz im Fürstentum Liechtenstein ein. Die Burg Vaduz dient seither den Fürsten von Liechtenstein als Familiensitz. Im gleichen Jahr wird auch eine Regierungskoalition geschmiedet, um gegen den Nationalsozialismus gemeinsam vorzugehen. Diese Koalition hat über 60 Jahre Bestand.

1984 Als letztes europäisches Land führt das Fürstentum Liechtenstein das Frauenwahlrecht ein. Zwei Volksabstimmungen waren zuvor gescheitert, ehe die dritte knapp durchging.

1985 Papst Johannes Paul II. besucht das Fürstentum Liechtenstein.

1990 Beitritt zu den Vereinten Nationen (UNO) als 166. Mitgliedsstaat.

1995 Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Da das Schweizer Stimmvolk einen Beitritt ablehnte, mussten vorab Änderungen bei der Zoll- und Wirtschaftsunion mit der Schweiz vorgenommen werden. Die Abstimmung löste einen heftigen Streit über die Rolle des Fürsten aus. Dieser mündete 2003 in einer Verfassungsänderung. Fürst Hans Adam II. hatte dabei sogar damit gedroht, mit seiner Familie das Land zu verlassen, sollte die Änderung nicht angenommen werden.

1997 Errichtung des Erzbistums Vaduz. Der Vatikan löst Liechtenstein aus dem Bistum Chur heraus und macht dessen Bischof, Wolfgang Haas, zum ersten Erzbischof von Vaduz. Regierung und Landtag werden vom Vatikan nicht konsultiert.

2008 Liechtenstein tritt gemeinsam mit der Schweiz dem Schengen/Dublin-Abkommen bei.

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