VN-Interview. Hauptverbandschef Alexander Biach (45) und VGKK-Obmann Manfred Brunner (56) zur Kassenreform

Kampf um Spielräume

von Marlies Mohr
Während VGKK-Obmann Manfred Brunner (l.) verbal gegen die Kassenreform polterte, gab sich Hauptverbandschef Alexander Biach noch moderat. vn/paulitsch

Während VGKK-Obmann Manfred Brunner (l.) verbal gegen die Kassenreform polterte, gab sich Hauptverbandschef Alexander Biach noch moderat. vn/paulitsch

Sozialversicherungsträger hoffen auf Nachbesserungen bei Kassenreform.

schwarzach Die Kassenreform regt noch immer auf, den Obmann der (VGKK), Manfred Brunner allerdings mehr als den Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Alexander Biach. Er hofft weiterhin auf einen Feinschliff des umstrittenen Gesetzes.

 

Befinden Sie sich schon auf Abschiedstour?

biach Nein, ich besuche die Tagung der Patientenanwälte. Bei dieser Gelegenheit möchte ich einen Überblick über die wesentlichen Errungenschaften geben, die wir bisher erzielt haben.

brunner Ein gutes System lebt davon, dass man es gemeinsam weiterentwickelt. Die mit der Reform verbundenen zentralstaatlichen Auswüchse gehen aber viel zu weit.

 

Der Beschluss steht bevor. Sehen Sie noch Chancen auf Änderungen?

biach Der Zeitpunkt ist ein sehr heikler, aber es besteht noch immer die Möglichkeit, die Reform so aufzustellen, dass sie gelingen kann. Vor allem braucht es ein gut funktionierendes Dach über alle Träger, damit fortgesetzt werden kann, was begonnnen wurde, wie etwa die Leistungsharmonisierung. Dazu muss die Innovation weiterhin aus den Regionen kommen. Vorarlberg spielte da immer schon eine wichtige Vorreiterrolle. Ich möchte nicht, dass das Land für jedes Projekt nach Wien pilgern muss.

brunner Das Wesentliche der künftigen Gesundheitspolitik sollte sein, dass Bund, Länder und Sozialversicherungen eine gemeinsame Strategie fahren. Man muss schon sehr gutgläubig sein um nicht zu realisieren, dass die Vorarlberger Interessen im neuen Spiel der Mächte untergehen.

 

Wie haben Sie den Kampf der VGKK gegen die Reform erlebt?

biach Es waren sehr viele Emotionen im Spiel, weil die Vorarlberger extrem stark zu ihrer Kasse stehen. Deshalb muss, wenn man eine Reform richtig macht, der regionale Charakter erhalten bleiben. Ich möchte noch einmal betonen, dass wie nie gegen eine Reform waren, hätten uns aber mehr an Einbindung erwartet. Schließlich soll sie den Menschen etwas bringen.

brunner Das Land hat in den vergangenen Jahren sicher vieles richtig gemacht. Die von der Bundesregierung vorgelegten praxis- und bürgerfernen zentralistischen Auswüchse zu unterstützen, ist jedoch eine gravierende Fehlentscheidung. Ich kann nicht mehr tun, als zum wiederholten Male darauf hinzuweisen und mehr finanziellen und gesundheitspolitischen Handlungsspielraum für die Länder einzufordern. Diese Forderung ist auch an die Vorarlberger National- und Bundesräte gerichtet.

 

Sind Sie enttäuscht?

Biach Ich sehe den Prozess noch nicht als abgeschlossen. Wenn ich denke, wo wir am Anfang standen! Da sollten alle Kassen zu einem Träger zusammengefasst werden, und es hätte keine AUVA mehr gegeben. Es haben sich also durchaus Verbesserungen ergeben. Wo es unbedingt eine Nachbesserung braucht, ist bei der Selbstverwaltung. Ich möchte, dass von einer Rotation abgegangen wird und es zu einer klugen Kompetenzverteilung kommt. Dafür werde ich mich einsetzen.

brunner In der zentralen Krankenkasse, also dort, wo die für die Vorarlberger relevanten Beschlüsse fallen, und dort, wo die Gelder der Versicherten gesammelt und irgendwie verteilt werden, sind wir in Zukunft nicht mehr vertreten.

 

Sie geben sich auch selbstkritisch …

Biach Die Sozialversicherungsträger machten zu lange den Eindruck, nur zu streiten statt Lösungen zu liefern. Als wir zu Ergebnissen kamen, war es zu spät. Das tut weh.

brunner Wir haben schon vorher einiges bewegt. Das Gesetz wäre so nicht nötig gewesen.

 

 

 

 

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