„Für uns gibt es schon noch Fragezeichen“

von Klaus Hämmerle
Die Mastrilser Rheinauen in der Schweiz. Geht es nach den Naturschützern, soll der Rhein auch bei uns einmal so aussehen. Rhesi

Die Mastrilser Rheinauen in der Schweiz. Geht es nach den Naturschützern, soll der Rhein auch bei uns einmal so aussehen. Rhesi

Bianca Burtscher (47) vom Naturschutzbund sieht im Rhesi-Grundkonzept dennoch auch Positives.

Bregenz Die Vorarlberger Naturschutzgruppenwaren in der Endphase der Rhesi-Planungen bis hin zum Generellen Projekt eher zurückhaltend. Auch jetzt, nachdem das Hochwasserschutz-Vorhaben in seiner Grobfassung steht, sind im Gegensatz zu den Projektgegnern keine Proteste zu vernehmen. „Wir wollen zuerst wissen, was wirklich vorliegt. Einige Fragezeichen gibt es für uns sehr wohl“, erklärt Bianca Burtscher, Geschäftsführerin beim Naturschutzbund Vorarlberg, die vornehme Zurückhaltung.

Freude mit Dammabrückung

Was den Naturschützern gefällt: „Die große Lösung bei der Frutzmündung ist für die Entstehung einer Artenvielfalt natürlich sehr gut. Wir hoffen, dass diese Gegebenheiten auch bei den anderen Trittsteinen vorherrschen“, formuliert Burtscher ihre Wünsche an das 900-Millionen-Euro-Projekt, dessen vorrangigstes Ziel die Gewährleistung eines umfassenden Hochwasserschutzes ist. Keine Freude haben die Naturschutzgruppen mit der Situation nahe der Bodenseemündung. „Da sind schon noch einige Fragen offen“, macht Burtscher deutlich, und formuliert in diesem Zusammenhang einige Fragen: „Wie ausgeprägt kann dort ein ökologischer Austausch zwischen See und Fluss stattfinden? Wird der nächstgelegene Trittstein nah genug am See sein? Wird er auch groß genug sein? All diese Fragen sind für uns noch nicht geklärt.“

Das Missverständnis

Nicht immer marschierten die Naturschutzgruppen aus Vorarlberg und der Schweiz bei Rhesi im Gleischschritt. Als es um die Testbohrungen im Zusammenhang mit der Verlegung von Trinkwasserbrunnen im Rheinvorland ging, bemühten die eidgenössischen Kollegen ohne Wissen der Vorarlberger gleich einmal den behördlichen Instanzenweg. „Das war damals ein Missverständnis“, schwächt Burtscher heute ab. „Sie haben uns ihre Absicht durchaus kundgetan. Nur als sie diesen Schritt dann setzten, waren wir genau in diesem Moment nicht sofort im Bilde. Aber das ist ja jetzt alles vom Tisch.“

Es würden eben kulturelle Unterschiede zwischen den Vorarlbergern und den Schweizern existieren, meint Burtscher. „Zudem haben die Schweizer auch umfangreichere juristische Möglichkeiten als wir.“

Kontakte hat es laut Burtscher auch mit den sich vehement zur Wehr setzenden Gegnern einer Dammabrückung an der Frutzmündung in Koblach gegeben. „Aber der E-Mail-Austausch hat nicht gefruchtet. Da werden die gegensätzlichen Standpunkte so bleiben, wie sie sind“, gibt sich die Naturschutzbund-Geschäftsführerin keinen Illusionen hin. Lob gibt es von Burtscher für die Projektleitung: „Auch wenn uns natürlich nicht alles gefällt: Aber die Entwicklung des Projekts war seriös, und es gab auch eine regelmäßige Kommunikation mit uns. Mir ist auch bewusst, wie schwierig es für die Projektleitung ist, mit den entgegengesetzten Interessen entsprechend ausgewogen umzugehen.“

„Für die Projektleitung ist es nicht leicht, mit den gegensätzlichen Interessen umzugehen.“

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