Menschen von nebenan. Ihr Alltag, ihre Sorgen, ihre Wünsche

Glücklich im Unruhestand

von Heidi Rinke-Jarosch
Umtriebig wie sie ist, hat Elisabeth Mayer keine Lust auf Ruhestand.  hrj

Umtriebig wie sie ist, hat Elisabeth Mayer keine Lust auf Ruhestand.  hrj

Sport und Politik halten Elisabeth Mayer auf Trab.

bregenz Vielleicht ist es der Drang, immer in Bewegung zu sein, der Elisabeth Mayer so vital und rüstig hält. „Turnen ist mein Leben“, sagt die 75-jährige Bregenzerin. Könnte sie ihre Todesart wählen, „möchte ich in der Turnhalle umfallen und dort sterben“.

Die Wohnung in dem verschachtelten Siedlungsgebäude am Loherhofweg ist hell, freundlich, von Natur umgeben. Elisabeth Mayer lebt hier seit drei Jahrzehnten. Umtriebig, wie sie ist, hält sie sich hier untertags eher selten auf. Ihre Funktionen beim PVÖ (Pensionistenverband Österreich), unter anderem als Sport- und Bildungsreferentin der Landesorganisation, die aktive Mitgliedschaft beim Seniorenrat sowie der Einsatz als Stadtvertreterin halten die Seniorin auf Trab. Das Wichtigste ist indes ihre Passion für das Turnen. Sie hält Walking- und Turn- bzw. Gymnastikkurse und ist internationale Kampfrichterin für Gerätturnen der Frauen. „Ja“, betont sie, „es heißt wirklich Gerätturnen ohne e.“  

Es war mitten im Krieg, 1942, als Elisabeth in Burgkranzeck im Allgäu zur Welt kam. Ihre ersten zwei Lebensjahre verbrachte sie in einem Kinderheim. Ihre Mutter war in Sonthofen – während des Krieges ein bedeutender Stützpunkt von Wehrmacht und SS-Verbänden – als Krankenschwester stationiert. „1944 zogen wir nach Vorarlberg, nach Egg-Großdorf“, erzählt Elisabeth Mayer. Den Vater, ein Bregenzerwälder, zog es in die Heimat zurück. Nach Bregenz übersiedelte die Familie 1948.

Ihre Kindheit und Jugend war schön, sagt Elisabeth Mayer. „Allerdings war die Mama streng, aber liebevoll.“ Schwierig gestaltete sich das alltägliche Leben in der Nachkriegszeit: „Wir hatten nicht viel.“ Die Mutter nähte die Kleidung für die Kinder selbst. Mäntel etwa wurden aus alten Gendarmerie-Uniformen geschneidert. „Die bekamen wir von meinem Onkel. Er war Gendarm.“ Fürs Flicken kaputter Schuhe war der Vater zuständig.

Den starken Bewegungsdrang hat Elisabeth Mayer schon als Kind verspürt. Schon damals hatte es ihr besonders das Turnen angetan. Im Alter von acht Jahren wurde sie Mitglied der Turnerschaft Bregenz Vorkloster. 14 Jahre später, 1964, wechselte sie „aus politischen Gründen“ zum Turnverein der ASKÖ.

Zwischenzeitlich war sie nämlich ihrem zukünftigen Ehemann, dem Gewerkschafter Wilfried Mayer, begegnet. Ihn heiratete sie 1963. Im gleichen Jahr wurde Tochter Monika geboren. 1967 folgte Martin, 1970 Sabine.

„Bis ich Wilfried traf, war ich völlig unpolitisch“, erzählt Elisabeth Mayer. „Durch ihn und seinen Bruder Fritz wurde ich Sozialistin und Parteimitglied.“ Fritz Mayer war von 1970 bis 1988 Bürgermeister von Bregenz. Dementsprechend politisch verlief die berufliche Laufbahn der gelernten Verkäuferin und Fachlehrerin für Sport beim ÖGB, bei der ASKÖ und in der Bregenzer Stadtvertretung.

Goldenes Verdienstzeichen

Seit 1998 ist die Seniorin im sogenannten „wohlverdienten Ruhestand“. Doch davon hält sie nichts. „Ich bin eine Vereinsmeierin. Ich brauche Umtrieb, also bin ich im Unruhestand“, stellt sie klar. Nur ihre Funktionen beim PVÖ hat sie vor Kurzem zurückgelegt. Für die vielen Jahre intensiven ehrenamtlichen Einsatzes wurde Elisabeth Mayer im April das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen. Darüber hat sie sich sehr gefreut: „Das ist eine Anerkennung meiner Tätigkeit für die Allgemeinheit.“

Als schlimmstes Ereignis in ihrem bisherigen Leben bezeichnet Elisabeth Mayer die Scheidung vor 30 Jahren: „Das war einfach nicht vorhersehbar.“ Überstanden habe sie die schwierige Phase vor allem mit Sport. „Ich bin nicht im stillen Kämmerlein geblieben, sondern ging hinaus unter die Leute – und turnte.“ Zehn Jahre vergingen, bis sie bereit war, sich auf eine neue Partnerschaft einzulassen.

Ein wenig traurig stimmt sie, „dass ich meine Enkelkinder so selten sehe“. Die beiden Kinder ihrer jüngsten Tochter Sabine und die zwei Urenkel leben in Berlin, „und das ist halt nicht gerade ums Eck. Ich wäre gerne mehr Oma.“ Dafür sei die  Verbindung mit ihren in Vorarlberg lebenden Kindern, Tochter Monika und Sohn Martin, sehr eng. Wünsche? Ja. Zwei hat sie: „Meine Kinder und Enkel sollen ein sorgenfreies Leben haben.“ Für sich selbst wünscht sie: „Dass ich gesund bleibe und mit meinem Partner noch ein paar schöne Jahre haben kann.“

„Ich bin nicht im stillen Kämmerlein geblieben, sondern ging hinaus unter die Leute.“

Zur Person

Elisabeth Mayer

Geboren 22. April 1942

Ausbildung Einzelhandelskauffrau, Fachlehrerin für Sport

Berufsstand Pensionistin

Wohnort Bregenz

Familie geschieden, drei Kinder,
zwei Enkel, zwei Urenkel

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